Der Januar 2016 in Lappland in Bildern

Zum Monatswechsel eine Rückschau auf den Monat Januar 2016 in Bildern. Dieses Jahr verfolge ich ein Projekt unter dem Namen „One Phone - One App - One Year“, über das ich hier schon ausführlich geschrieben habe.

Und wer auf Instagram ist, kann dem Projekt tagesaktuell folgen.

Für alle Nicht-Instagrammer poste ich um jeden Monatswechsel herum eine Auswahl der Bilder, die mir aus dem vergangenen Monat am besten gefallen.

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Leben im Jetzt oder in der Vergangenheit?

Classic Car / Oldtimer in den Wäldern Lapplands


In Lappland wird vielerorten von der „guten alten Zeit“ geschwärmt. Der Glanz vergangener Epochen scheint wie der letzte Abglanz der untergehenden Sonne am Horizont.

Vielleicht ist es ungerecht und falsch, dieses Phänomen in besonderer Weise auf Nordschweden zu beziehen, wenngleich es gewichtige Argumente dafür gibt.

Möglicherweise handelt es sich um eine allgemeine Entwicklung, aber uns fällt sie seit einigen Jahren rund um den Polarkreis ganz besonders auf.

Lappland ist ja ein wahres Paradies der Vergangenheit. Ein Beispiel: In den Wäldern finden sich Massen bildhübscher Oldtimer und die Forgotten Places sind reich gesät.

Das spiegelt sich in den Menschen, die hier leben, wider. In vielen Gesprächen erleben wird, dass Menschen, ja ganze Gruppen krampfhaft an Geschichten und Begebenheiten aus der „glorreichen, guten alten Zeit“ festhalten. Daran, wie gross und bedeutsam z. B. eine Siedlung in den 50er Jahren einstmals war, obwohl dort heute nur noch eine handvoll Menschen leben. Oder dass das Folkets Hus (Dorfgemeinschaftshaus, vergleichbar mit einer Stadthalle im Kleinformat) eines Ortes in den 60ern einmal der Veranstaltungsort grosser Tanzveran-
staltungen war, obwohl das Haus heute nur noch ein baufälliger Trümmerhaufen ist.

Viele Menschen hier - ab dem Mittelalter aufwärts - leben in der Vergangenheit und sind dort geistig und emotional stehen geblieben. Paradoxerweise werden die scheinbaren „Segnungen“ der modernen Technik gerne angenommen (meist in äusserst unguter Art und Weise, Stichwort z. B. Windkraft, aber das würde einen eigenen Blogartikel füllen). Dennoch gleichen aber der inneren Einstellung nach ganze Landstriche einem grossen Museum.

„History is more or less bunk“ hat Henry Ford bekanntlich gesagt. Und damit wollte er wohl zu einem Leben im Jetzt statt in der Vergangenheit aufrufen. Ein bemerkenswerter Gedanke. Keine Frage: Es ist wichtig, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Wir sind nicht gezwungen, die gleichen Fehler immer wieder machen zu müssen. Wo die Beschäftigung mit der Vergangenheit aber nur der Glorifizierung vergangener Zeiten dient, läuft psychologisch gewaltig etwas schief.

Leider leben die meisten Menschen bekanntlich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Die allerwenigsten in der Gegenwart.

Wer in der Gegenwart lebt, ist präsent und hat Freude am Leben.

Wer demgegenüber in der Vergangenheit lebt, hat diese in aller Regel nicht aufgearbeitet und sucht in ihr das ihm Vertraute und Bekannte. Er hat Angst im Jetzt zu versagen und Angst davor, was ihn in der Zukunft erwarten könnte.

Hinzu kommt, dass der Schwede meisterhaft in der Kunst des „sopa under mattan“ (die Kunst des unter den Teppich kehrens) ist. Der Hügel wächst mit der Zeit, bis man irgendwann - absehbar - kräftig darüber stolpert.

Wer sich mit dem Thema akustisch und literarisch vertiefend befassen möchte, dem sei folgender Klassiker (hier eine Aufnahme von 1969) ans Herz gelegt:



Die Lyrics zum Song gibt es hier.

Besser könnte ich es nicht zusammenfassen...

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Wir leben noch - Lappland im Griff der Kälte

Die tägliche Lektüre des Pressespiegels verrät uns, dass es Lappland in den vergangenen Tagen in die internationale Presse geschafft hat, denn wieder einmal richtiger Winter in Lappland.

Ich sitze im Auto und beim Blick auf die Temperaturanzeige im Armaturenbrett kommt mir plötzlich die Frage: Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?

Unter minus 30 Grad C verändern sich Leben und Alltag. Auch wenn Du nur kurz nach draussen gehst, packst Du Dich in mehrere Schichten Kleider ein und siehst wie ein Michelinmännchen aus.

Wenn es schnell gehen muss gibt es Missgeschicke; ein alltägliches Beispiel: Du bist beim Geschirrspülen und der Hund will raus (oder kurze Zeit später wieder rein). Also mit den Nassen Händen schnell die Tür geöffnet. Schwerer Fehler, denn Du frierst sofort an der Türklinke an und das tut weh.

Alles wird schwerfällig. Auf die Technik ist kein Verlass mehr. Der sonst stets zuverlässige Handgriff an der Autotür bricht bei minus 38 Grad einfach ab, wenn Du die Tür öffnen möchtest. Das Auto gibt ächzende Geräusche von sich und schleppt sich nur noch äusserst widerwillig über die Strasse. Bremsen und Kupplung werden schwerfällig und das Schalten gleicht dem Rühren mit einem Kochlöffel in einem Mürbeteig.

Langsamheit ist das Gebot der Stunde. Auch bei maximalem Frostschutz (so um die minus 45 Grad) muss daran gedacht werden, dass der Windchill-Faktor dramatisch zuschlägt.

Wer bei unter minus 30 Grad auch nur etwas zu schnell fährt riskiert, seinen Kühler binnen Minuten in eine Eisblock zu verwandeln. Und im Zweifel gibt es an der Stelle, an welcher der Motor dann seinen Geist völlig aufgibt, keinen Mobilfunkempfang und die Notfalltasche mit den warmen Stiefeln, der Fellmütze und dem Winteroverall liegt in der heimischen Garage statt im Kofferraum...

Der Schwede und die Schwedin nehmen das alles recht gelassen. In Arvidsjaur sind bei minus 30 Grad noch einige Radfahrer unterwegs gewesen und viele Schulkinder sind - dick eingepackt - zu Fuss unterwegs zum Unterricht.

Der Temperaturunterschied ist gewaltig. Beim Betreten des Hauses liegt das Temperaturgefälle mitunter bei 50 bis 60 Grad. Die Brille beschlägt sofort eisig.

Die vergangenen zwei Wochen hat sich das Thermometer am unteren Ende der Skala befunden. Die Temperaturen schwankten zwischen minus 25 und minus 40 Grad und haben uns wieder vor manche Herausforderungen gestellt.

Die extreme arktische Kälte führt dazu, dass Du wesentliche Teile des Tages schlicht damit verbringst, Holz in den Ofen der Heizung zu schichten. Das hat aber auch seine guten Seiten: Viel Zeit zum Nachdenken im warmen Heizraum.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist das Thermometer im steilen Winkel dann binnen einiger Stunden endlich von minus 33 auf minus 7 gestiegen. Und mittlerweile rechnen alle veröffentlichten Wettermodelle mit einer milden Winterphase, jedenfalls soweit es die Temperaturen angeht. Zu schreibender Stunde sind die nächsten Tage zwischen minus 10 und 20 Grad zu erwarten. Es könnte in den nächsten Tagen allerdings wieder ordentlich schneien. Die bisherige Gesamtschneehöhe liegt bei 65-70 cm, was ungefähr die Hälfte des ansonsten saisonüblichen Wertes zu dieser Zeit ist.

Minus 36 Grad - Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?
Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?

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Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!

Aufmerksame Leser kennen die Rubrik „Europäisches“ schon. Hier geht es um die existentiellen Probleme der Menschheit und des täglichen Lebens, derer sich die EU in Form allgemeinverbindlicher Regelungen zur Erhaltung von Weltfrieden und Umwelt (sprich: Klima) unbedingt schleunigst annehmen sollte.

Während des dramatischen Kälteeinbruchs der vergangenen Tage in Lappland - das Thermometer sank bedenklich nahe an die Grenze von minus 40 C - habe ich wesentliche Teile des Tages damit verbracht, Holz in den Ofen zu stapeln. Aber um die jüngste Kälte soll es hier nur mittelbar gehen.

Jedenfalls: Manchmal ging der Ofen aus und ich musste ihn neu anfeuern. Dazu eignen sich alte Zeitungen ganz besonders, womit übrigens zugleich auch klar beweisen wäre, dass die Zukunft des klassischen Journalismus zumindest in kalten Regionen gesichert ist. Vielleicht freilich mit einem anderen Geschäftsmodell, denn die Zeitung von gestern brennt eben so gut, wie die von heute. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion, die zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden kann.

Als ich also so mein Anfeuerpapier auf dem Holz verteilte, fiel mir eine grosse Tüte mit Toilettenpapierrollenkernen in die Hände. Sehr schön, denn die brennen sehr gut. Eines fiel mir aber auf: In Länge, Wandungsstärke und Durchmesser unterschieden sich die Toilettenpapierkernrollen. Sehr merkwürdig. Und während ich dann ans Zündeln ging und in die Flammen starrte, entfaltete sich die ganze Tragweite vor meinem geistigen Auge: Im Unterschied zur Grösse von Eiskugeln (über die wir hier schon ausführlich gesprochen hatten) ist die Erforderlichkeit allgemeiner europarechtlicher Vorschriften zu Toilettenpapierkernrollen äusserst akut. Schliesslich handelt es sich um einen Artikel des täglichen Bedarfs in der allgemeinen Bevölkerung.

Nach aktuellen Statistiken liegt der Durchschnitt an verbrauchtem Toilettenpapier in der EU bei satten 13 Kg (in Deutschland liegt er bezeichnenderweise sogar noch darüber: 15 Kg).

Können Sie sich vorstellen, über wie viele Toilettenpapierrollen wir also reden?

Rechnen wir doch einmal: Das durchschnittliche Gewicht einer Toilettenpapierrolle liegt bei 100 Gramm. Wir teilen 13 Kilo durch 100 Gramm und es ergeben sich 130 Toilettenpapierrollen pro Jahr und EU-Bürger. Die EU hat derzeit 508 Millionen Einwohner. Das ergibt 66040000000 (auf Deutsch ungefähr 66 Milliarden) Toilettenpapierrollen pro Jahr in der gesamten EU. Eine völlig unvorstellbare Menge. Sammeln Sie einmal 10 Toilettenpapierkernrollen und legen Sie diese vor sich auf den Tisch; und jetzt stellen Sie sich 66 Milliarden Stück davon vor.

Wie ich bereits erwähnt habe, unterscheiden sich die im Feldversuch untersuchten Toilettenpapierkernrollen in Länge, Wandungsstärke und Durchmesser (schwacher Trost: immerhin sind sie alle aus Recyclingspapier hergestellt).

Kurz und gut: Ein Fall von Intransparenz und Irreführung par excellence. Der Verbraucher muss geradezu getäuscht werden. Denn selbst wenn der Rollendurchmesser aussen gemessen derselbe ist, sagt das überhaupt nichts über die Menge an Papier auf der Rolle aus, wenn die Kerne unterschiedlich sind. Von den feinen Unterscheidungen zwischen ein-, zwei-, drei- und vierlagigem Papier wollen wir einmal ganz absehen. A propos: Wenn wir schon bei Neuregelungen sind, dann machen wir gleich das zweilagige Toilettenpapier zum Standard. Etwas Luxus wird dabei gegen Belange des Umweltschutzes abgewogen. Die Struktur für die Prägung und ein alternatives Muster legen wir auch gleich fest.

Hinzu kommt ein Weiteres: 66 Milliarden Toilettenpapierkernrollen schreien geradezu nach Wiederverwertung. Ein neues Recyclingsystem muss her. Da werden 66 Milliarden Stück eines wertvollen und recyclingfähigen Gebrauchsproduktes jährlich einfach weggeworfen. Ein unvorstellbarer Skandal.

Nebenbei gäbe es noch einen weiteren interessanten Aspekt der Gleichheit: Es soll doch tatsächlich EU-Länder gegen, in denen das Toilettenpapier (noch) nicht auf Rollen im Handel ist. Das ist gleich der nächste Skandal, der im Zuge einer umfassenden Regelung mit erledigt werden könnte.

Während meine Gedanken heisslaufen und ich mich mit Frau Lapplandblog darüber austausche - Sie holt übrigens zunächst das Fieberthermometer, was ich nicht ganz verstehe - wirft Sie den klugen Gedanken in den Ring, dass es ein Hygieneproblem geben könnte. Aber kein Problem, dass nicht durch eine saubere Normierung und juristische Regelungen gelöst werden könnte. Der EU-Einheits-Toilettenpapierrollenkern muss aus einem gewichtsarmen desinfizierbaren Recyclingplastik hergestellt werden, dass mindestens eine bestimmte Anzahl von Wiederverwertungs- sprich Desinfektionszyklen toleriert (Vorschlag: zehn).

Liebe Eu-Kommission, meine Vorschläge für eine neue EU-Rechtsverordnung zur Einführung und Vereinheitlichung von Toilettenpapierrollenkernen sind:

1. Regelungen zur Verbindlichkeit des Feilhaltens von Toilettenpapier auf Rollen.

2. Vorschriften zur EU-weiten Verbindlichkeit des zweilagigen Toilettenpapiers samt Regelungen über die zu verwendenden Papierarten. Ausnahmen für hochrangige Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens können vorgesehen werden.

3. Regelungen zu Länge, Wandungsstärke, Durchmesser und Gewicht der Toilettenpapierrollenkerne.

4. Regelungen zu den zulässigen Materialien der Toilettenpapierrollenkerne.

5. Vorschriften über die Einführung eines neuen europaweiten Recyclingsystemes; insbesondere zu den einzuhaltenden Desinfektions- und Hygienestandards.

Dieser Vorschlag ist übrigens alternativlos, wenn der Niedergang von Wirtschaft und Umwelt noch abgewendet werden soll.

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!
Der Stein des Anstosses und die Wurzel des Übels: Toilettenpapierrollenkerne

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Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen

Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen


Die langen und kalten Winternächte um den Polarkreis in Lappland sind die geeignete Zeit, um in aller Ruhe Bücher zu lesen. Denn was gibt es schöneres, als bei klirrenden minus 30 Grad vor dem knisternden Ofen auf dem kuscheligen Sofa zu liegen, Beine und Füsse in eine Decke eingehüllt, eine schnurrende Katze auf den Oberschenkeln zu haben, und in die Welt eines Buches einzutauchen?

Welche Lektüre kann ich heute empfehlen?

Nach Ihrem Erstlingswerk "Totenleuchten" hat Klara Nordin vor drei Monaten "Septemberschuld", das zweite Werk Ihrer Reihe von Lappland-Krimis veröffentlicht.

Diesmal taucht Sie tief in die Welt der samischen Ursprungsbevölkerung ein. Das Buch beginnt mit einer sehr blutigen Leiche, die unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben gekommen zu sein scheint. Ihrem in Totenleuchten begonnenen Leitthema, dass die Tatausführung einen Bezug zur Schlachtung von Rentieren hat, führt Sie gekonnt weiter. Mehr sei nicht verraten.

Auch in Septemberschuld ist Klaras Gabe, ganz unterschiedliche Handlungsstränge gekonnt zu verflechten, faszinierend. Viele Charaktere sind uns dabei bereits aus Totenleuchten bekannt. Ihre Personenbeschreibungen zeichnen Psychogramme der Beteiligten (und Unbeteiligten), die wiederum geradezu erschreckend zutreffende, tiefe Einblicke in die (nord-)schwedische Seele zeigen. Und die Handlung ist, wie sie bei einem richtig guten Krimi sein soll. Am Anfang undurchsichtig. Dann gibt es verschiedene Spuren, denen der Leser gedanklich folgt, und im letzten Viertel des Buches entfaltet sich eine ungeheure Geschichte (die eine der "Heiligen Kühe" der Wirtschaft in Nordschweden berührt). Mehr sei auch dazu nicht verraten. Nur so viel: Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite.

Ihre Hausaufgaben hat Klara Nordin auch dieses Mal wieder gelungen gemacht. Die detailreichen Schilderungen der Locations sind besser als jeder Reiseführer.

Prädikat: Auch Septemberschuld ist Pflichtlektüre für Krimiliebhaber, die Ihr Herz an Nordschweden verloren haben. Und auch alle anderen Krimibegeisterten kommen voll auf ihre Kosten.

Septemberschuld ist erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und hat 336 Seiten. Das Buch kostet 9,99 Euro und ist auch als Ebook erhältlich. Bei Audible gibt es Septemberschuld auch als Hörbuch.

-> Mehr Infos und eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der Homepage der Autorin: www.klaranordin.de

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366 - One Phone - One App - One Year

366 - One Phone - One App - One Year


Vorgeschichte


Ich bin es leid, denn ich habe im vergangenen Jahr einfach viel zu viele „gestochen scharfe Bilder, die mit knackscharfen Optiken“ erstellt worden sind gesehen, die aber auch wirklich null Aussage und Inhalt hatten. Bilderschrott.

All die stinklangweiligen (aber „rasiermesserscharfen“) Bilder von Motiven, die es in derselben Form in 100 Jahren - vorausgesetzt es gibt unsere Welt dann noch und wir haben es in der Zwischenzeit nicht geschafft, sie völlig an die Wand zu fahren - noch genau so geben wird, wie es sie heute gibt. Warum um alles in der Welt muss man das einhunderttausendste Bild eines ausgelatschten Motives machen und dann auch noch zeigen? Ein Bild, das aussieht wie all die anderen Bilder desselben Motives, die es bereits gibt?

Kleiner Tipp am Rande: Gerade die vergänglichen Motive sind es, die den ideellen und künstlerischen Wert eines Bildes ausmachen. Aber zurück zum Thema.

Der technische Overkill sinnentleerter Fotografie hat mich im Laufe des Jahres immer mehr abgestossen inklusive der dazugehörigen Diskussionen über rein technische fotografische Details und Aspekte.

Wo wird denn darüber geredet und in den diversen Foren geschrieben was gute Bilder ausmacht und wie sich echte Bildaussagen verstärken lassen?

Es widert mich einfach nur noch an. 

Hinzu kommt: Die Hardwarehersteller bescheren uns im laufenden Takt neue Megapixelmonster mit der Suggestion, diese seien fotografisch (über-)lebensnotwendig (und würden zu besseren Bildern führen). 

Ich bin dessen einfach müde und kann und will es nicht mehr hören und lesen. Ich verstehe ja, dass die Wirtschaft in Schwung gehalten werden muss, aber bitte nicht zulasten der Bilder, um die es in der Fotografie doch schliesslich geht (oder habe ich da etwas falsch verstanden?).

Eigentlich geht es doch genau um das Gegenteil des Equipment-Overkills: Restriktionen und Beschränkungen sind der Freund der Kreativität.

Und das hat mich vor einigen Wochen auf eine Idee gebracht.


One Phone - One App - One Year

Zur Zeit sind „365er-Projekte“ ganz beliebt. Es geht darum, an jedem Tag des Jahres (mindestens) ein Bild zu machen und dieses dann zu veröffentlichen. Oft gibt es ein Oberthema der Serie. Ganz beliebt sind z. B. solche Fotoprojekte, die rein analog fotografiert werden, oder die mit nur einer Kamera und einem Objektiv erstellt werden. Die Beschränkungen, die zu mehr Kreativität führen, lassen grüssen.

Nach den überaus erfreulichen Erfahrungen mit der neuen iPhone-App „Argent Film Simulator“ habe ich mich entschieden, einen - bislang unüblichen - Weg zu beschreiten: Ein Jahr nur mit einem iPhone und einer einzigen App (und bei dieser hauptsächlich mit nur zwei Filmsimulationen). 

Ehrlich zugegeben bangt es mir etwas vor dem Aufwand und deswegen greife ich einen Gedanken auf, den der geschätzte Kollege Stefan Groenveld für sein Jahresprojekt aufgebracht hat. Ich werde jeden Tag mindestens ein Bild zur Serie machen. Da es manchmal zeitlich extrem eng ist, werde ich die Bilder nicht unbedingt jeden Tag posten, sondern mir vorbehalten, jeweils einen Schwung Bilder zu veröffentlichen. Das dürfte auch für die Leser und Betrachter beizeiten einfacher und angenehmer sein. 
 
Das ganze Projekt steht übrigens unter dem Titel „Wind Of Change“ (Hintergrüne dazu gibt es hier).

-> Auf Instagram könnt Ihr dem Projekt hier folgen.

Besonders prickelnd: Das neue Jahr 2016 ist bekanntlich ein Schaltjahr, was die Sache noch attraktiver und herausfordernder macht. Denn statt 365 gibt es sogar 366 Tage und folglich Bilder :)

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das neue Jahr!
  

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