"Nicht im Test" - eine neue Bilddatenbanksoftware für Mac OS X

Eigentlich, ja eigentlich wollte ich hier einen ausführlichen Testbericht einer neuen Fotodatenbanksoftware posten. Den Namen verschweige ich einstweilen da ich nicht weiss, worauf genau die sogleich zu schildernden Probleme beruhen.

Bislang tut hier als Bilddatenbanksoftware immer noch das gute alte iView Media Pro 3 seinen Dienst. Das hat zwar schon etliche Jahre auf dem Buckel, läuft aber wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Der Haken an der Geschichte ist, dass die Software noch aus der PowerPC-Zeit stammt und die letzte OSX-Version unter der diese Softwarearchitektur noch - unter Rosetta emuliert - läuft, ist 10.6.8. Und das ist ja mittlerweile auch nicht mehr ganz taufrisch (10.6 - alias "Snow Leopard" wurde 2009 vorgestellt und 2011 von 10.7 abgelöst). Mit dem zunehmendem Alter der eingesetzten Maschinen läuft die Lebensuhr von iView Media Pro 3 also ab.

Eine neue Software muss also her. Die ins Auge gefasste neue Software fällt durch ihre ausgesprochene Schlankheit auf. Die Installation geht schnell vonstatten und die Software macht auch einen gut durchdachten Eindruck. Also an den Test: Import eines Teils aus dem Bildbestand, ungefähr 250.000 Dateien. Nachdem nach vier Tagen immer noch kein weiterer Fortschritt beim Import zu verzeichnen ist, breche ich den Vorgang ab. Auch der Versuch mit 70.000 Bildern führt zu demselben Ergebnis. Mein Zutrauen in den Testkandidaten verflüchtigt sich zusehends. Mit einigen wenigen Bildern (100-500 Stück) klappt der Import. Aber das kann ja so nicht gemeint sein, denn im digitalen Zeitalter sammeln sich schnell mehrere hunderttausend Bilder an. Der Test wird an dieser Stelle also abgebrochen. Der Hersteller ist informiert. Vielleicht klappt es ja nach einem Update...

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Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham

Das Foto-Futter heute zum Thema Inspiration.

Gabi Ben-Avraham (Gabi steht für Gavriel) stammt aus Tel Aviv und betreibt die Fotografie als Ausgleich für die Seele. Im "normalen" Berufsleben ist er für eine IT-Firma tätig. Nach einer über zwanzigjährigen Pause har er vor zwei Jahren wieder angefangen zu fotografieren, nachdem er eine Digitalkamera geschenkt bekam. Die Geschichte klingt unspektakulär, aber seine Bilder sind alles andere als das.

Beeindruckende und inspirierende Bilder im zeitgemäss fortgeschriebenen Stil der alten Street-Photography Meister. Besonders gefallen uns seine in schwarz-weiss gehaltenen Serien. Er gibt mit seinen Bildern tiefe Einblicke in das tägliche Leben in Tel Aviv, die zum Verweilen einladen.

Auch alle, die in Sachen Reportage und Fotojournalismus unterwegs sind, können hier etwas lernen. Prädikat: sehr empfehlenswert!

Unbedingt reinschauen und geniessen: Gabi Ben-Avraham

Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham


PS: ...und wenn sogar Frau Lapplandblog begeistert ist, dann will das etwas heissen...

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The city never sleeps - ein persönliches Projekt

Heute ein Beitrag der sich nicht unmittelbar den arktischen Regionen Schwedens, sondern der bezaubernden Hauptstadt Stockholm widmet. Meine ganz persönliche Hommage an diese liebenswerte Stadt.

Stockholm, die Hauptstadt Schwedens, hat mich schon immer fasziniert. Einerseits eine pulsierende Weltstadt, andererseits ist da dieser besondere Charme, der Stockholm auszeichnet. Die schwedische "Lugn och ro" (lässt sich hier am besten mit "Ruhe und Beschaulichkeit" übersetzen) durchsäuern das ansonsten hektische Leben und geben der Stadt die besondere und liebenswerte Atmosphäre.

Über die vergangenen sechs Monate war ich immer wieder in Stockholm, um diese spezielle Stimmung der Stadt einzufangen. Und so ist im Rahmen dieses Projektes, das ich auf den Namen "The city never sleeps" getauft habe, eine Bilderserie in klassischem schwarz/weiss entstanden, die ich ich vor einigen Tagen veröffentlicht habe (Link).

Stockholm - “The city never sleeps“ - In the shadows
“The city never sleeps“ - In the shadows

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Mehr Bilder? Aber ja doch! Auf Instagram.

Verschiedene Leserinnen und Leser haben nach mehr Bildern nachgefragt. Kein Problem.

Auf Instagram gibt es mehr Bilder aus dem laufenden Alltag in Schweden und Lappland.

Auch viele Outtakes aus neuen Serien und Projekten sind dort zu sehen.
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Teflon Menschen - "en passant" in Stockholm

Hat der Mensch des dritten Jahrtausends eine eingebaute Antihaft-Beschichtung? Eine Hülle, an der alles abprallt, was eigentlich Gefühle der Empathie wecken sollte? Können Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch innerlich berührt werden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. 

Die Tage war ich in Stockholm und nahm eine kleine Promenade auf dem Kungsgatan. An der Ecke Kungsgatan / Drottninggatan ist mir eine Strassenszene begegnet, die mich erschüttert hat.

Teflon Menschen -
Eilende Menschen im Strassenbild verdecken die Dramatik der Szene


Schweden wird seit einiger Zeit gerade von einer bislang unbekannten Welle erfasst:

Auf den Strassen sind seit einigen Monaten sehr viele Bettler zu sehen. Meist aus südeuropäischen Ländern stammend, versuchen diese Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im schwedischen Strassenbild ist das ungewohnt und es fällt mir schwer, mir das Betteln bei eisigen Temperaturen vorzustellen. Das Strassenbild hat sich nicht nur in den grösseren Städten in Südschweden verändert. Mittlerweile sind die Bettler auch in kleinen Orten in Nordschweden angekommen. Betteln vor einem Supermarkt bei minus 20 Grad ist keine angenehme Tätigkeit. Und die zu Beginn grosszügige Mildtätigkeit der einheimischen Bevölkerung scheint - meinen Beobachtungen nach - mehr und mehr zurück zu gehen. Ich möchte bewusst keine Pro und Contra Diskussion zum Geschäftsmodell des Bettelns führen. Für mich geht es vielmehr um einen Indikator dafür, wie sich die emotionale Rezeptivität der Menschen im Allgemeinen verändert hat.

Eine Seite ist die veränderte Wahrnehmung. Ich würde sagen, dass ca. 80% der Menschen im Strassenbild in Stockholm ein modernes Mobiltelefon benutzen, während sie sich eilends fortbewegen. Das führt natürlich dazu, dass diese Menschen die bettelnden Menschen am Strassenrand überhaupt nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Diejenigen, die es dennoch tun (oder sich gerade einmal nicht mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen) weisen eine zunehmende Gefühlskälte auf. Die Gebewilligkeit ist nur noch äusserst gering. Ob das ein Sieg des vermeintlich Rationalen oder der Abgebrühtheit ist? Ich vermute letzteres. Der "Homo technicus", bzw. "Homo digitalicus" ist ein "Teflon-Mensch" geworden, an dem alles einfach abperlt, was nicht in das Muster des zum eigenen Vorteil Gereichenden passt.

Kurz und prägnant: Der Gedanke der Humanisierung des Lebens duch den technischen Fortschritt führt sich fortwährend selbst ad absurdum und der in die virtuelle Welt transzendierende Mensch verliert jeglichen Bezug zum eigentlich Menschlichen. 

Anders ist mir das Verhalten der Passanten, die ich über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet habe, einfach nicht zu erklären.

Es möge der Kelch, der sich mehr und mehr abzeichnet, an uns vorüber gehen. 

Teflon Menschen -
Die erschütternde Szene des stundenlang knienden Bettlers
wird von den Vorbeieilenden kaum wahrgenommen


PS: Als ergänzende und weiterführende Lektüre empfehle ich den kürzlich im Guardian erschienenen Artikel "Why the modern world is bad for your brain".

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