Manual control, and: Waiting for the dawning
Manchmal vermisse ich das Fotografieren mit der guten, alten, treuen und zuverlässigen FM, die heute ihren Ehrenplatz in der Vitrine hat. Die hatte (und hat) zwar einen rudimentären Belichtungsmesser. Der war aber nicht sooo zuverlässig. Deswegen lief das Meiste manuell. Leider ist das Entwickeln und Vergrössern entweder ziemlich teuer oder mit (zuviel) Arbeit für das Tagesgeschäft verbunden. Die Trauer wurde nun auf unerwartete Weise etwas gelindert. Was ist geschehen?
Vor einigen Tagen habe ich eine Journalistenkollegin in der Redaktion besucht. Beim Vorbeigehen ist mir im Vorraum ein Karton mit Elektronikschrott ins Auge gestochen. Dort lugte ein Nikon DSLR Gehäuse hervor. Ich habe höflich nachgefragt. Es handle sich um eine D40, die nach einem Freiflug auf einen Steinboden hinüber sei und zur Entsorgung anstehe. Nach Nachfrage habe ich das Teil eingepackt. Einige Tage später überkam mich dann die Bastelwut. Ein Test ergab, dass das Teil „tot“ war. Also gut. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Die Uhrmacherschraubenzieher ausgepackt und ans Werk. Ich war baff erstaunt, wieviel Elektronik da verbaut ist. Einige der Leiterbahnen-Platinenstecker waren aus den Halterungen geraten und durcheinander.
Und da lag sie nun vor mir. Weitestgehend in Einzelteilen. Daneben ein Berg Schräubchen. Soll ich sie wirklich wieder zusammenbauen? Gewagt, getan. Zwei Stunden später war sie wieder komplett. Nicht ganz, denn 5 Schräubchen waren noch übrig. Egal. Testen. Und - welch Wunder - voll manuell hat sie dann wieder funktioniert. Keine Belichtungsmessung, keine Automatiken, kein Autofokus. Alte Linse draufgeschraubt und ans Experimentieren. Augenscheinlich ist der unter dem Spiegelkasten sitzende Sensor hinüber. Dieser steuert die ganzen Automatiken und den Autofokus. Reparatur bei Nikon um die 400 Euronen. Klarar wirtschaftlicher Totalschaden, aber fotografisch extrem herausfordernd :)
- Beim Schrauben - Shot by Petra Fuelbert -
Damit war also eine
neue Herausforderung geschaffen: Versuche mal
wieder ganz manuell künstlerisch zu
fotografieren. Und so ist in der kleinen
„immer-dabei“ Fototasche derzeit eine
wiederbelebte vollmanuelle D40, deren
Innenleben ich bis ins Detail kenne :)
Zufällig hatte ich noch eine passende
Mikroprismenscheibe im Fundus, die ich dann
auch noch eingesetzt habe. Zwar ist der Sucher
- verglichen mit den alten Film-SLRs - nicht
gerade sehr gross. Aber mit einem
(ausgelutschten) 28-70 f2.8 und der
Mikroprismenscheibe ist das Fokussieren
eigentlich ganz gut machbar.
Natürlich ist das komfortabler, als früher mit
der FM. Da sah ich die Ergebnisse immer erst
viel später und es war viel kostspieliger. Bei
der vollmanuellen D40 genügt der Blick aufs
Display (Histogramm einschalten, und ggf. den
bekannten RGB-Histogramm Trick anwenden). Vor
der Aufnahme gilt es zu überlegen,
was ich wie in Szene setzen
möchte. Etwas mehr fotografisches Training fürs
Gehirn.
Was kommt dabei heraus? Bewusstere Fotografie
und der lebende Beweis für Kens These „Camera
doesnt matter“. Die folgende Aufnahme („Waiting
for the dawning“) z.B. würde mit
Belichtungsautomatik ganz anders und viel
weniger dramatisch aussehen. Mir kam es aber
gerade auf die dramatische Farbtiefe der Sonne
kurz vor der Horizontlinie an.
- Waiting for the dawning - Shot with the
„dead“ fully manual D40 -