Rezension - Dr. Martina Mettner: "Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft"

Rezension - Dr. Martina Mettner: „Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft“
von Petra Fuelbert (Knipserfrau und auch sonst kreativ) und Henning Wüst (Knipser)

Prolog von Petra Fuelbert

“Oh, ein Päckchen! Ist das für mich?”

Er kam die Tür hinein. In seinen Arm schmiegte sich ein Päckchen. Die Hunde begrüssten ihn und er hatte seine Mühe bis an den Tisch zu gelangen. Sicherlich dachten auch sie, er hätte ihnen etwas mitgebracht.

“Kannst du öffnen, ist ein Buch drin. Für eine Rezension.”

Das “aha” dachte ich mir. Wieder keine Post für mich. Neben Papiergekruschel erzählte er mir von seinem Tag und hielt etwas Rötliches in der Hand und blätterte ein kleines Buch durch, dessen Seiten im Eiltempo Schatten an die Wand warfen. 

Da lag es nun. Auf seinem Arbeitstisch. Unter einem Briefkuvert.
Ein Tag. Zwei, drei Tage. Still lag es da und lugte rötlich in den Raum hervor.
Ich schielte tagsüber oft zu dem wartenden Büchlein hin. Nichts deutete auf den Inhalt hin. 
Meist verrät der Umschlag dir, was die innen beschriebenen Blätter beherbergen. Hier? Nichts. 
Da lag es nun. Das geheimnisvolle Rötliche. 

Mein Inneres überschlug sich beinahe und am vierten Abend platzte ich: “Um was handelt es sich denn?”
”Was?”
”Naja, dein neues Buch. Das da. Um was geht es da im Buch?”
”Um Fotografie.”

Um Fotografie. Klar. Nicht um Reisen, nicht ums Auswandern, keine Kochrezepte, nein. Natürlich, es geht ums Knipsen. Dieses Mal in rötlich. Unverständnis machte sich in mir breit. Ein Buch über Fotografie hat doch immer Bilder auf dem Umschlag oder wenigstens einen Apparat, da der Käufer von Beginn an mit dem Inhalt konfrontiert werden muss. Kaufanreize auslösen, las ich da mal irgendwo. Hatte etwas mit Kaufpsychologie zu tun.

Ich räumte den Tisch ab und meine Zeigefingerspitze berührte den rötlichen Umschlag. Ich stutzte und mein Hirn stolperte: “Fotografie?” Ein güldener Schriftzug bestätigte die Aussage. ”Wie man ein grossartiger Fotograf wird” stand da zu lesen. Tatsache. Es scheint sich um Fotografie zu handeln.

Ausgelöst durch die erste Berührung mit dem Umschlag umfasste meine Hand das Büchlein fast ehrfürchtig und hielt es in die Höhe. Geschmeidiger Umschlag, dezent, fast zärtlich legte
sich das Rötliche in meine Hand. 

Normal fasse ich nur selten Bücher an, doch ich ertappte mich dabei, wie ich es still durchgeblättert und mir die Bilder angeschaut habe. Kleine Textabschnitte und gut leserlicher Schrifttype. Die Überschriften klar gestaltet. 

“Das ist der Knüller! Absolut perfektes Geschenk für jemanden. Egal ob jung oder alt. Unauffällig, absolut ästhetisch.”
“Findest du?”
“Ja!”


- Behind the scenes - Bei der Lektüre zur Rezension -
- This shot by
Petra Fuelbert -


Epilog von Henning Wüst

Da liegt es vor mir. Bereits dreifach gelesen. Es fühlt sich gut an. “Das Buch ist ein dreidimensionaler Gegenstand” kommt mir in den Sinn. Ein Zitat, auf das ich vor etlichen Jahren in einer Ausgabe der Typographischen Monatsblätter erstmals gestossen bin. Und diesem Buch merkt man an, dass jemand am Werk war, der um dieses Zitat wusste. Bereits das reine Buch spricht alle Sinne an. Es fühlt sich gut an mit dem textilbelegten, flexiblen Einband und den kräftigen, hochwertigen Seiten. Rein optisch im echten Hasselblad-Feeling, denn das Werk ist beinahe quadratisch. Macht Lust und Laune.

Ich lasse mir den Titel  “Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft” nochmals auf der Zunge zergehen bevor mich dann die Neugier in das Buch hinein treibt.

Das Vorwort verstärkt den Appetit auf den Inhalt noch weiter. Es macht aber zugleich auch deutlich, dass das Buch herausfordernd und wegweisend sein will. Es geht nicht um das “wie soll ich dies und jenes fotografieren”, sondern um den Weg zur “fotografischen Selbstverwirklichung” im wahrsten Sinne des Wortes. Und das setzt voraus, auch hier ist die Autorin sehr deutlich, dass es da ganz individuell überhaupt etwas zu verwirklichen gibt.

Vom Vorwort verwöhnt geht es nun zur Sache. Und da gefällt mir der Einstieg ins das erste Kapitel auf Anhieb nicht ganz so gut. Plötzlich tauchen da etliche Fachbegriffe auf, die den unbedarften Leser vielleicht abschrecken. Ich bin mir nicht sicher, ob der Anfang des ersten Kapitels gleichsam einen “Filter” darstellen soll. Vielleicht soll auch nur die leider allgegenwärtige Technikorientierung pointiert werden. Beides wäre indes ein lobenswert guter Ansatz. Im zweiten Kapitel verdeutlicht die Autorin dies auch sogleich nochmals: Wer sich für Technik begeistert und auch gerne in diese verliebt ist, möge Kameratechniker - also Handwerker - werden, aber nicht Fotograf - also Künstler.

Über den Mythos der Kommerzialisierung und den Einfluss der Neuen Medien gelangt die Autorin dann zu einer unerwarteten Grenzziehung. Die Zeit der uns bekannten und vertrauten Fotografie des 20. Jahrhunderts ist vorüber. Ein neuer Gesamtansatz ist gefragt. Sie verdeutlicht das plausibel. Einfach gesagt: Es ist eigentlich bereits (beinahe) alles fotografiert. Das schönste Einzelmotiv wird heutzutage kaum mehr weltbewegende Begeisterungsstürme hervorrufen. Zudem ist der klassische Fotojournalismus verbraucht und die Zeiten der echten Street-Photography sind bereits aus rein rechtlichen Gründen passé, usw. 

Überhaupt und generell findet die Autorin oft recht deutliche Worte um Misstände, sie sich aus ihrer Sicht eingeschlichen haben, beim Namen zu nennen. Gut möglich, dass die Leser das Buch gelegentlich getroffen aus der Hand legen. Aber so ist das nun einmal mit herausfordernden Werken. Und das ist gut so. Gibt es doch auch willkommene Gelegenheit und Zeit zur Eigenreflektion.  

Dr. Mettner beleuchtet ihren wegweisenden Gesamtansatz im Folgenden vertiefend in verschiedenen Exkursen, die - parallel laufend - zur fotografischen Projektorientierung hin weisen. Das Zauberwort der Zukunft wird nach Ansicht der Autorin “Fotoprojekt” heissen. Weg vom Einzelbild - so pittoresk das Motiv auch sein mag - hin zum Zusammenhang, der etwas aussagt und damit das eigentlich Fotografische entfaltet. In Neudeutsch geht das in die Richtung des “Storytelling” mit Bildern. Dazu ermutigt die Autorin im zweiten Teil des Buches mit verschiedenen eigenen Beispielsprojekten, die sie ausführlich vorstellt. 

Der Ansatz ist gut, wenn nicht gar bestechend. Note bene am Rande: Auch die “Ausstellungstauglichkeit” fotografischer Werke ist heutzutage praktisch nur noch über den Projektansatz realisierbar. Der schöne Nebeneffekt liegt darin, dass sich hier die natürlich Neugier, die Interessen und Neigungen des Künstlers, sprich Fotografen, mit seiner Fotografie verbinden lassen. So können Gesamtkunstwerke “aus einem Guss” entstehen, die etwas aussagen und den Betrachter ansprechen können. Ein solches Projekt kann einen kleineren zeitlichen und inhaltlichen Rahmen abdecken oder auch einen mehrmonatigen oder gar mehrjährigen Zeitraum mit einem korrespondierend umfassenderen Thema umfassen.

Mir gefallen der Ansatz und der Weg, den Frau Dr. Mettner aufzeigt. Ich habe mich ab dem zweiten Kapitel wie der “Fisch im Wasser” in der Materie gefühlt. Wahrscheinlich liegt das darin, dass ich selbst meistens in den Kategorien von projektorientierten Reportagen denke und arbeite.

Allen fotografisch interessierten Menschen, die weg von den technischen Aspekten und hin zum “Spirit” in der Fotografie vordringen wollen, kann ich das Buch als “must read” nur wärmstens empfehlen und ans Herz legen.  

-> Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit hier auf der Homepage der Autorin


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