Im Test: B/W-Styler
Vorab: Den
beinahe schon “Glaubenskrieg”, ob man denn
seriöse Schwarz-Weiss-Fotografie überhaupt
digital betreiben könne, will ich hier nicht
führen. Und um allen Diskussionen gleich
vorzubeugen: In meiner beruflich genutzten
Mittelformatkamera und in der guten alten FM
sind hauptsächlich Ilford FP4. Damit das vorab
klargestellt ist :)
Aber seit geraumer Zeit beschäftigt mich das
Thema Schwarz-Weiss und digital trotzdem sehr.
Ist eben doch sehr praktisch, auch im
Schwarz-Weiss-Bereich auf den digitalen
Workflow mit all seinen Möglichkeiten zurück
greifen zu können. Also ging ich auf die Suche
nach einem Tool, das sich gut in den
vorhandenen Workflow einbinden lässt.
Natürlich lässt sich sehr viel unmittelbar
direkt in Photoshop machen. Schöner ist es
jedoch, ein Plug-In mit umfassenden
Schwarz-Weiss Funktionalitäten zu haben. So
eine Art “Dunkelkammer”-Plugin. Also ging ich
auf die Suche. Und nachdem ich etliche Sachen
durchprobiert hatte, bin ich schliesslich
fündig geworden. B/W-Styler heisst
das kleine Schwarz-Weiss-Wunderwerk, das ich
Ihnen in diesem Testbericht vorstellen will.
Nachdem ich den Blogeintrag nicht
mit Bildern überfachten will, gibt es - wie
gewohnt - eine separate Bildergalerie zum
Testbericht hier.
Verwendetes Testsystem
Mac PowerBook G4 1.5 GHz, 1.25 GB RAM, Mac OS X
10.5.7, Photoshop 7, Photoshop Elements 6,
GraphicConverter 6.4
Installation und
Kompatibilität
Die Installation ist völllig problemlos. Das
PlugIn kommt in 3 verschiedenen Versionen - je
nach verwendetem System und Host-Applikation.
Mit dem hervorragenden Handbuch geschmeidig und
problemlos.
Sehr erfreulich ist, dass das PlugIn mit einer
Vielzahl von Host-Applikationen kompatibel ist.
Unter Mac OS X sind das Adobe Photoshop (ab
Version 7), Adobe ImageReady (ab Version
7), Adobe Photoshop Elements (ab Version 2),
Adobe Illustrator (ab Version 10), ACDSystems
Canvas (ab Version X), CiEBV Photoline 32 (ab
Version 11.52), Corel Painter (ab Version 9),
LemkeSoft GraphicConverter (ab Version 5.7) und
Macromedia Fireworks (ab Version 7 (MX 2004)).
Unter Windows ist die Liste der tauglichen
Host-Applikationen derartig umfangreich, dass
ich Ihnen die 50 (!) Applikationen lange Liste
im Detail erspare.
Eine Demoversion lässt sich auf
der Homepage des PlugIns
herunterladen.
Überblick
B/W-Styler wird - wie andere PlugIns - auch
über das “Filter” Menü aufgerufen. Dort findet
sich nach der Installation ein Unterpunkt
“Photo Wiz” unter dem sich B/W-Styler finden
und aufrufen lässt.
B/W-Styler arbeitet mit Bildern im 8- oder
16-Bit Modus. Soll er auf Bilder mit einer
anderen Farbtiefe (z. B. ein vorhandes
Graustufenbild) angewendet werden, muss dieses
zunächst in ein RGB mit 8- oder 16-Bit
umgewandelt werden. Vom Hersteller wird
empfohlen, grundsätzlich im 16-Bit odus zu
arbeiten, weil so die besten Resultate erzielt
werden können.
Die verschiedenen Modi
Bitte jetzt nicht erschrecken, denn B/W-Styler
ist ein sehr mächtiges Tool. Er bietet
insgesamt 18 Anwendungsmodi, die in die
Bereiche “Fotografiemodus”, “Schnellmodus” und
“Expertenodus” unterteilt sind. Wie die
Bezeichnungen ahnen lassen, eignet sich die
Gestaltung des Fotografiemodus von den
Einstellungsmöglichkeiten her am besten für
Fotografen. Zusätzlich gibt es noch 15
“Schnellmodi” für ausgewählte Bearbeitungen.
Für meinen Geschmack fühle ich mich im
Fotografiemodus am wohlsten, denn dort finden
sich ganz übersichtlich alle gebrächlichen
Einstellungen “am richtigen Platz”.
Kleiner Tipp: Die Sprache lässt sich mit dem
untersten Aufklappmenü ganz einfach und schnell
von Englisch auf Deutsch umstellen. Leider
merkt sich das der Filter nicht und muss nach
jedem Neuaufruf frisch eingestellt werden.
Eigentlich kein Problem, denn auch in Englisch
bleibt das ganze verständlich.
Die Vorschau
Auf der linken Seite des PlugIn-Fensters findet
sich die Vorschau. Dort lässt sich entweder das
gesamte bearbeitete Bild oder nur eine
Ausschnittsvergrösserung anzeigen. Gelungen ist
das “Split View”, das die Vorschau so aufteilt,
dass Original und bearbeitete Version
nebeneinander liegen. Klickt man unten “Instant
Preview” an, sieht man den jeweiligen Effekt
unmittelbar in der Vorschau beim Navigieren
durch die Menüs.
Der Fotografiemodus
Nun aber zu den eigentlichen
Bearbeitungsmöglichkeiten. Im Fotografiemodus
finden sich folgende Einstell- und
Tuningmöglichkeiten: Film, Film Grain, B/W
Filters, ND Filters, Diffusion Filters,
Development, Lab Effects, Paper Grade, Color
Tone und Frame.
Dahinter verbergen sich jeweils mächtige
Werkzeuge. Der Reihe nach:
Film: Hier lässt sich aus einer Liste
von 42 Presets der gewünsche “Film” auswählen.
Die Liste ist in generelle Grundtypen, gängige
Schwarz-Weiss Filme (z. B. die diversen
Ilfords) und mehr exotische Filme (z. B.
Polaroid 55) aufgeteilt. Hier steckt eine Menge
Know-How im Filter, denn die Ergebnisse sind
frappierend gut. Meine ansonsten verwendeten
Ilford-Typen erkenne ich in den bearbeiteten
Fotos spontan wieder.
Film Grain: Die Körnung ist von 100
bis 3200 auswählbar. Selbstverständlich lässt
sich auch “Keine Körnung” einstellen. Ein
wichtiger Tipp in diesem Zusammenhang: Die
Körnung sollte natürlich auf das Ausgabeformat
abgestimmt werden. Wir das Bild nach der
Bearbeitung verkleinert, “stimmt” der
Korneindruck nicht mehr. Im Gegensatz zu
anderen getesten Tools fällt mir auf, dass
B/W-Styler sehr harmonisches und “echtes” Korn
produziert. Andere Tools haben hier - im
Gegensatz zu B/W-Styler - mehr mit hässlichen
und unbestimmbaren “Pixelhaufen” gearbeitet.
B/W Filter: Hier stehen die gängigen
Farbfilter (12 an der Zahl) zur Auswahl. Über
“Custom” lassen sich zusätzlich eigene
Farbfilter definieren.
ND Filter: Hier finden sich die
“Neutraldichtefilter” (wie es korrekterweise so
schön heisst), darunter ganze und halbe
Graufilter und Polarisationsfilter; jeweils in
verschiedenen Intensitätsstufen. In der
Anwendung einfach und im Effekt überzeugend.
Wer sich eine nicht als Preset vorhandene
Zwischenstufe wünscht, kann auch hier über die
Auswahl von “Custom” selbst Hand anlegen.
Diffusion Filter: Über die
Diffusionsfilter (3 Gruppen: Diffusor, Pastel,
Mist) lassen sich “Glow-” und Diffusionseffekte
einstellen. Die höheren Stufen gehen freilich
sehr diffundierend ans Werk und kommen bei mir
eher in Ausnahmefällen zum Einsatz. Auch hier
können über die Auswahl von “Custom” eigene
Effekte erzeugt werden.
Development: In dieser Rubrik
verbergen sich die eigentlichen
“Dunkelkammereinstellungen”. Aufgeteilt in 4
Einstellungsblöcke lassen sich die
Entwicklungszeit, der Kontrast, das Verhalten
in "Lichter" und "Tiefen" und klassische
Ergebnistypen (z. B. “High-Key”) einstellen.
Auch hier gibt es wieder die
“Custom-”Möglichkeit.
Lab Effects: Die Lab-Effects sind
quasi eine Untergruppe mit Sondereffekten des
Developments. Hier lassen sich Effekte, wie z.
B. Solarisation auswählen.
Paper Grade: Wie der Name vermuten
lässt, verbirgt sich dahinter die Härte des
Papiers. In 5 Stufen von extra-weich bis
extra-hart (wiederum mit “Custom”-Möglichkeit)
sind diese für den Anwender zur Verfügung
gestellt worden.
Color Tone: Hier finden sich
schliesslich die Farbtöne, die aus der
klassischen Schwarz-Weiss-Entwicklung bekannt
sind. Darunter das bestens bekannte Sepia, aber
auch einige andere extrem schöne und dezente
Farbtöne. Mein persönlicher Favorit ist “Silver
Gelatin”. Auch hier sind “Custom-”Möglichkeit
vorhanden.
Frame: Als kleines Extra lassen sich
die Fotos hier auch gleich noch mit einem
Rahmen versehen. Dieser arbeitet leider nicht
verlustfrei, sondern beschneidet das Bild
eingreifend, wobei dieses bei Bedarf sehr
praktisch sein kann.
Als Zusatz wäre allenfalls noch wünschenswert,
wenn der Anwender noch sein eigenes “Watermark”
mit einprägen könnte. Das wäre dann
110%-perfekt :)
Die Anwenderfreundlichkeit und die
Einstellmöglichkeiten im untersten Feld
Das PlugIn reagiert auch auf dem nicht mehr
ganz aktuellen 1.5 GHz G4 - im Gegensatz zu
anderen getesteten Lösungen - sehr zügig. Wenn
“Instant Preview” nicht aktiviert ist, wird die
Änderung in der Vorschau im Prinzip unmittelbar
nach der Auswahl in einem Menü sichtbar.
Unter den Preferences lässt sich das Verhalten
beim Start des PlugIns wählen. Die für mich
bequemste Möglichkeit besteht darin, dass das
PlugIn mit den zuletzt verwendeten
Einstellungen startet. So lässt sich ein
“Standard-Setup” nach dem persönlichen
Geschmack als Standardvorgabe behalten.
Im Menue "Preferences" kann eingestellt werden,
was der “Reset-”Button ganz oben rechts
bewirkt. So kann mit einem Reset immer wieder
zu den eigenen persönlichen Standardvorgaben
zurück kehrt werden. Sehr praktisch.
Die sehr gute kontextsensitive Hilfe zu allen
Punkten ist eigentlich selbstverständlich und
bedarf keiner besonderen Erwähnung.
Unter dem Punkt “Histo” verbirgt sich - wie zu
vermuten - ein Histogramm. Für meinen Geschmack
in diesem Zusammenhang nicht so wichtig. Aber
“nict to have”. Sehr schön ist indes die unter
dem Punkt “Info” verborgene Möglichkeit (“Show
Bown Highlights”) sich die augebrannten Lichter
anzeigen zu lassen.
Fazit
Mit dem B/W-Styler ist dem
Team der Plug In
Site ein wirklich grosser Wurf
gelungen.
Die Aufteilungen in den verschiedenen
Menübereichen ist sehr gut durchdacht und
ermöglicht den direkten Zugriff auf die
gewünschten Veränderungen. Die Effekte selbst
sind - sieht man von den für meinen Geschmack
gleich sehr hart ans Werk gehenden -
Diffusionsfiltern ab, nur als gelungen zu
bezeichnen. Werden die Bilder in Schwarz-Weiss
konvertiert, ist das Ergebnis schlicht
überzeugend.
Und es ist - Hand aufs Herz - sehr vorteilhaft,
etwas experimentieren zu können. Im Gegensatz
zum echten Film, bei dem "entwickelt" eben
"entwickelt" bedeutet, kann hier im Bezug auf
das Original “verlustfrei” getüftelt werden.
Sehr positiv ist übrigens auch der Support des
Herstellers / Vertriebs. Anfragen wurden -
sogar am Wochenende - binnen weniger Stunden
kompetent und erschöpfend beantwortet. Ein
wertvolles zusätzliches Plus.
Für nur USD 49,95 Euro ist das PlugIn - gerade
auch im Vergleich zu anderen Lösungen - ein
echtes “Schnäppchen”. Der B/W-Styler ist
mittlerweile zum “must have” für mich geworden.
-> Screenshots und
illustrative Beispiele finden sich in der
Galerie zum Testbericht.
Meine zusammenfassende
Bewertung
Jeweils auf Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5
(sehr gut):
Funktionalität: 4,5
Anwenderfreundlichkeit: 5
Geschwindigkeit: 5
Praktischer Nutzen: 5
Verfügbarkeit: 5
Preis-/Leistungsverhältnis: 5
Gesamtbewertung: 4,75
Mein Fazit: “Must
have” in Sachen digitale Schwarz-Weiss
Fotografie.
(Aufgrund diverser Email-Anfragen zu den
Testnoten eine Anmerkung am Rande:
Mich erreichten einige Mails mit dem Tenor
“Warum fallen die Bewertungen in den von Dir
veröffentlichten Tests alle so gut aus?”.
Ganz einfach: Den “Murks”, den ich teste lasse
ich einfach unerwähnt und veröffentliche dazu
nichts. Denn meine Philosophie ist: Die guten
Dinge und Tools bringen uns mit unserer
Fotografie nach vorn. Meine Zeit ist mir zu
schade, um Testberichte über schlechte Sachen
und Dinge zu schreiben.)