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Hilfe, die roden meinen Wald ab (mit praktischen Tipps, was Sie in Schweden dagegen tun können)

Neulich in Lappland. Zu nachtschlafener Zeit klingelt das Mobiltelefon. Eine mir spontan nicht bekannte Nummer erscheint auf dem Display. Ich hebe ab und melde mich. Eine verzweifelt klingende Stimme am anderen Ende der Leitung ruft: "Hilfe - die roden gerade meinen Wald ab". Ich erhole mich erst einmal von meinem inneren Dialog, der ungefähr so lautete: "Warum rufen die alle immer mich an?". Aber ich bin ja gerne hilfsbereit und das wird alles seinen Grund haben. Also weiter im Text. Was war geschehen?

Im Laufe des Gespräches ergab sich etwas Klarheit. Der Anrufer betreibt in Norrbotten einen kleinen Tourismusbetrieb, der für seine traumhafte Lage in einem Wald bekannt ist (mittlerweile: war). Die bezaubernde Waldlage ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ohne den Wald sinkt der Wert des Anwesens beträchtlich, denn dann ist der Platz für Naturliebhaber quasi wertlos. Das weitere Gespräch erhellte auch, dass es natürlich nicht um den "eigenen" Wald, sondern um den in fremdem Eigentum stehenden Wald rund um das Anwesen ging. Und das führt zu ganz wichtigen Fragen für alle, die hier oben ein Anwesen mit "traumhafter Waldrandlage" haben. Dieser Blogbeitrag soll etwas Licht ins Dunkel bringen.

Über die - für deutsche Verhältnisse - "grossräumige" Waldwirtschaft hatten wir schon einmal hier ("Kahlschlag - Forstwirtschaft in Lappland") und hier ("Holzwirtschaft am Polarkreis, Teil 2: Zu Besuch bei Setra") ausführlich berichtet.

Was aber kann getan werden, wenn die grossen Erntemaschinen plötzlich anrollen und der benachbarte Wald gleich einem Rasen gemäht wird?

Ist es erst einmal soweit gekommen, ist meistens nur noch wenig zu machen. Wer also "seinen" Wald bewahrt haben möchte, sollte sich in regelmässigen Abständen um einige Dinge kümmern. Aber erst einmal zu den Grundlagen.

Manche Waldgebiete sind in Schweden bereits gesetzlich vor einer Abholzung geschützt. Vier Typen von geschütztem Wald werden dabei unterschieden: Nationalparks, Naturreservate, Naturmonumente und Habitat-Schutz. Daneben gibt es noch sog. Natura 2000 Waldgebiete, die direkt durch europäische Vorschriften geschützt werden. Die vom jeweiligen Schutz erfassten Bestände werden vom Länsstyrelsen (d.h. der jeweiligen Landesverwaltung) verzeichnet und verwaltet. Für den Erhalt des benachbarten Waldes ist ein solcher Schutz gut. Allerdings darf in den Schutzbegieten in aller Regel nicht gebaut werden (und auch sonst sind mit dem Schutz verschiedenen Einschränkungen in der Nutzung verbunden).

Sie sollten sich also über den Gebietscharakter des (eigenen und anrainenden) Waldes erkundigen. Sie müssen dazu nicht direkt beim Länsstyrelsen nachfragen; die Bauämter auf den Gemeindeverwaltungen haben über ein EDV-System Zugriff auf die Karten mit den geschützten Gebieten.

Jede geplante Abholzung, die mehr als 0,5 Hektar betrifft, muss beim Skogsstyrelsen ("Waldwirtschaftsbehörde") mindestens sechs Wochen vor Beginn angezeigt werden. Der Wald muss ausserdem ein bestimmtes Alter erreicht haben, bevor eine Abholzung stattfinden darf. Für Nadelwald liegt dieses Alter i.d.R. zwischen 45 und 100 Jahren.

Ein schwedisches Gesetz aus dem Jahre 1993 schreibt vor, dass bei Abholzungen Umweltaspekte und die Produktionsziele gegeneinander abzuwägen sind. Auch "soziale Aspekte" sollen dabei berücksichtigt werden. In der Praxis hat das aber praktisch so gut wie keine Beschränkungen zur Folge. Meist werden die Produktionsziele höher gewichtet. Das auch deswegen, weil der Skogsstyrelsen einen Waldbesitzer entschädigen muss, wenn die Rodung nicht gestattet wird.


Einen interessanter Film über das schwedische "Waldmanagement" (englisch)


Weite Teile des Waldes sind im Besitz einiger weniger sehr grosser Gesellschaften. Glücklich schätzen darf sich, wer von Abholzungsplänen von Svea Skog oder der Norra Skogsägarna betroffen sein könnte. Beide Gesellschaften haben sich selbst verpflichtet, über die gesetzlichen Vorschriften hinaus, einen Anteil des Waldes zur Erhaltung der Natur zu schützen. Allerdings steht es dabei im Ermessen der jeweiligen Gesellschaft festzulegen, welche Gebiete dem freiwilligen Schutz unterfallen. Dankenswerterweise sind beide Gesellschaften aber auf einen guten Dialog mit den Anrainern aus. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, in der Planungsphase möglichst frühzeitig das Gespräch zu suchen. Die Norra skogsägarna sind zudem PEFC-certified. Das beinhaltet eine Verpflichtung zur sozialen Nachhaltigkeit.

Die Tipps und Empfehlungen für den Anrainer lauten also:

- Erkundigen Sie sich auf der Gemeinde oder beim Länsstyrelsen, ob die anrainenden Waldgebiete einem gesetzlichen Schutz unterstehen.

- Halten Sie Ausschau nach Markierungen, welche die Eingrenzung eines Abrodungsgebietes kennzeichnen. Entdecken Sie solche, ist höchste Eile geboten. Manchmal haben Sie noch Monate Zeit, manchmal aber auch nur Tage oder Stunden.

- Noch besser ist es, sich in regelmässigen Abständen (z. B. vierteljährlich) beim Skogsstyrelsen zu erkundigen, ob in der Nähe Ihres Anwesens grössere Abholzungen geplant sind.

- Falls Sie von einer geplanten Abholzung erfahren, suchen Sie umgehend den Dialog mit dem jeweiligen Waldeigentümer und legen Sie Ihre Position, d.h. warum Sie auf den Erhalt bestimmter Waldgebiete angewiesen sind (z. B. aus touristischen Gründen), dar.

Hilfe die roden meinen Wald ab
Nicht nur Bibel und anderes Getier roden Wald...

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Zehn praktische Tipps zum Stromausfall, oder: Lappland und die Herbststürme

Auf schwedischen Wetterseiten und in den Medien wird derzeit bereits wieder vor den im November zu erwartenden Herbststürmen gewarnt. Im Herbst und am Winteranfang sind heftige Stürme in Lappland an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich daran. Manchmal fegen aber regelrechte Rekordstürme über das Land, so wie im vergangenen Jahr.

Stürme hinterlassen ihre Spuren. In manchen Gebieten wird der Wald hektarweise „umgemäht“. Viele kleinere Häuser werden Opfer der Windstärke und werden einfach „vom Winde verweht“; viele davon landen in weitem Umkreis vom ursprünglichen Standort in Einzelteilen. Bäume fallen auch auf bewohnte Häuser und richteten teilweise schwere Schäden an.

Was kann und sollte getan werden, um für Stürme und die oft aus ihnen resultierenden Stromausfälle gut gerüstet zu sein? Hier die wichtigsten und praxiserprobten Tipps:

Der erste Tipp für alle Hausbesitzer in arktischen Breiten lautet daher: Alle Bäume fällen, die bei Sturm auf das Haus fallen könnten!

Sturmwarnungen sollten in Lappland ernst genommen werden. Der zweite Tipp lautet, alles, was irgendwie weg geweht werden könnte, in Sicherheit zu bringen. Manchmal ist es geradezu grotesk, welche Gegenstände aus der entfernten Nachbarschaft nach einer Sturmnacht im eigenen Vorgarten zu finden sind.

Der dritte Tipp ist, bei Sturm das Haus nicht zu verlassen, vor allem nicht Auto zu fahren (wenn es nicht lebensnotwendig erforderlich ist).

Stromausfälle und Stürme: Das Stromleitungsnetz ist in unseren Regionen sehr weitläufig. Bei schweren Stürmen fallen regelmässig Bäume auf Leitungen, was zu Stromausfällen führt. In begrenztem Rahmen sind die hiesigen Netzbetreiber ganz gut gerüstet für solche Fälle, und die Ausfälle halten sich im Rahmen von einigen Stunden.

Übersteigen die Schäden aber von Anzahl und Streuung her ein bestimmtes Niveau, kommen die Einsatztrupps an ihre Grenzen.

Im Klartext: Stromausfälle können dann sehr lange andauern. Das können dann schon mal 24 Stunden sein. Auf den ersten Blick hört sich das nicht so dramatisch an (und im Sommer ist es das auch nicht). Jetzt reden wir aber über Winterzeit und Minusgrade. Elektrobetriebene Geräte sind allgegenwärtig, auch in den meisten Heizsystemen. Viele Haushalte haben hier z. B. ausschliesslich nur noch Wärmepumpen oder Erdwärmeanlagen. Diese sind zwar sehr sparsam, sehr praktisch und sehr bequem. Doch ohne Strom sind sie sofort ausser Gefecht.

Auch wer eine klassische Holzheizung hat sollte sich Gedanken machen, inwieweit er auf eine elektrisch betriebene Umwälzpumpe angewiesen ist. In älteren Häusern sind oft noch Heizungsleitungen mit grossem Durchmesser verbaut, die eine Selbstzirkulation im System ermöglichen. Ist das der Fall, ist Entspannung angesagt: Die Holzheizung kann vorsichtig und langsam aufgeheizt werden, bis der Warmwasserkreislauf von selbst in Gang kommt.

Die Schwedische Energiebehörde hat eine - interessante und zugleich erschreckende - Internetseite, auf der die Abkühlung für verschiedene Häusertypen nachvollzogen werden kann.

Die Unterschiede sind recht gross und das romantische Holzhaus im alten Stil kann sich schnell zur Kältefalle entwickeln: Nach 24 Stunden sind bei minus 10 Grad Aussentemperatur bereits bedrohlich geringe Temperaturwerte erreicht.

Tipp Nummer 4 lautet deswegen: Alternative Heizsysteme vorsehen, z. B. Beistellöfen mit Holz, Gas oder Petroleumbetrieb. Und zwar rechtzeitig. Details bitte mit dem zuständigen Schornsteinfeger abklären und an die gute Belüftung von Innenräumen denken. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 5: Kerzen, Teelichter und Petroleumlampen (nebst Brennstoff) bevorraten. Die Petroleumlampen bitte auch in guten Zeiten ausprobieren und äusserste Vorsicht beim Betrieb in Innenräumen walten lassen. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 6: Wie sieht es mit der Wasserversorgung aus? Viele Häuser auf den Dörfern und fast alle entlegenen Häuser haben eigene Brunnen. Heutzutage werden die Pumpen mit Strom betrieben. Ein Stromausfall führt dann unmittelbar dazu, dass es kein Wasser mehr gibt. Das ist nicht ohne. Die Faustformel sagt, ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und drei Monate ohne Nahrung auskommen. Beim Wasser ist da natürlich nur an das Trinkwasser gedacht. Im Haushalt erfüllt Wasser nun aber noch viele zusätzliche Aufgaben, z. B. für die Persönliche Hygiene, die Toilettenspülung, den Abwasch, usw. Deswegen: Entweder zusätzlich ein mechanisches Pumpwerk installieren oder immer einige Kanister auf Vorrat haben. Und auch wer keinen eigenen Brunnen hat, sollte, falls der Stromausfall länger als drei Stunden andauert zur Sicherheit beginnen, einige Kanister und die Badewanne zu füllen.

Tipp Nummer 7: Nahrungsmittelvorräte, die auch kalt verzehrt werden können!

Tipp Nummer 8: Taschenlampen bevorraten (moderne LED Typen mit geringem Stromverbrauch). Batterievorrat (einmal pro Jahr verbrauchen und austauschen).

Tipp Nummer 9: Kommunikation – wie kann man Hilfe rufen, wenn es erforderlich werden sollte? Das gute alte Festnetz in Lappland funktioniert tatsächlich noch ohne Strom. Allerdings nur da, wo es überhaupt noch Festnetz gibt. In vielen Regionen wurde das alte Netz bereits abgebaut. Die Mobiltelefonsendemasten haben oft eine eigene Notstromversorgung. Also immer ein voll geladenes Mobiltelefon im Regal haben und dieses auch wirklich nur im Notfall verwenden. Ein batteriebetriebenes Radio sollte auch zur Hand sein.

Tipp Nummer 10: Wenn es wirklich bedrohlich wird: Ist kein alternatives Heizsystem vorhanden und sinkt die Temperatur im Haus unter plus fünf Grad, muss gehandelt werden. Sehr schnell besteht dann die Gefahr, dass Wasserleitungen und eine wasserbetriebene Heizung einfrieren. Geschieht das, hat das ganze Haus meistens nur noch Schrottwert. Und das bedeutet: Wasser aus den Leitungen und dem Heizungssystem ablassen. In Schweden bezeichnet man das als „kaltstellen“. Das ist hier ein ganz gewöhnlicher Vorgang, wenn Häuser den Winter über nicht genutzt werden. Das Verfahren dazu sollte natürlich in warmen Zeiten gut geübt worden sein. Nichts ist ärgerlicher, als entweder nicht zu wissen, wie man das macht, oder festzustellen, dass der entscheidende Absperrhahn zugerostet ist. Beim Ablassen aus den Wasserleitungen die Wasserhähne im Haus aufdrehen, damit auch wirklich alles Wasser aus den Leitungen fliessen kann.

Wer noch weitere Ideen oder Tipps hat: Gerne in den Kommentaren posten!

Umgefallener Baum nach Sturm
Ein Sturm fällt schnell auch grosse Bäume -
und wehe, wenn diese auf Stromleitungen fallen...


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Der "Kölapp" - des Schwedens liebster Zettel

Üblicherweise wird den Briten die beinahe unendliche Geduld nachgesagt. Nach einigen Jahren in Schweden bin ich allerdings davon überzeugt, dass das nicht stimmt. In Wahrheit übertreffen die Schweden die Briten bei weitem.

Provokativ formuliert: Schweden warten gerne. Und wie so vieles in Schweden ist auch das Warten sehr strukturiert und gut durchorganisiert.

Ich erinnere mich gut an eine Begebenheit vor etlichen Jahren. Erst einige Wochen in Schweden, ging ich als Kunde in ein Elektronikfachgeschäft. Artig erzogen stellte ich mich an der Schlange an, und nach einer Viertelstunde war ich an der Reihe. Die freundliche Verkäuferin blickte auf meine leeren Hände und fragte mich vorwurfsvoll nach meiner Nummer. Die Fragezeichen waren mir offenbar ins Gesicht geschrieben und sie nahm sich die Zeit, mich in das schwedische System des "Kölapp", des "Wartezettels" einzuweisen.

Und das funktioniert so: An viel frequentierten Orten, d.h. Geschäften oder Behörden mit grösserem Besucher- oder Kundenandrang gibt es in der Nähe des Eingangs einen Kasten mit einem grossen Knopf darauf. Heutzutage sind das meistens Thermodrucker. Auf Knopfdruck spuckt der Kasten einen kleinen Zettel aus, auf dem in grossen Lettern eine Zahl steht. Der Zettel enthält die eigene Nummer in der Warteschlange. Irgendwo über den Schaltern oder der Theke hängt dann eine Anzeigetafel (meistens mit roten LEDs), auf denen eine Nummer angezeigt wird. Nach jedem abgefertigten Kunden wird eine neue Nummer auf der Anzeigetafel sichtbar. So weiss man, wann man an der Reihe ist.

Das System hat verschiedene Vorteile: 

- Das Warten wird deutlich entspannter. Zwar bilden sich mancherorts noch Schlangen, aber in der Regel können die Kunden "frei" warten und dabei im Geschäft umhergehen. Das dürfte gut für den Umsatz sein, denn - je länger die Wartezeit - desto mehr Spontankäufe.

- Das System vermittelt dem Wartenden Sicherheit, denn der Kunde muss "seinen" Platz in der Warteschlange nicht hüten und verteidigen. Alles geht geruhsamer und entspannter zu. 

Natürlich macht die moderne Technik auch vor dem altbewährten Kölapp nicht Halt. Mittlerweile gibt es auch digitale "Warteschlangenlösungen". 

SMS-System: Das bereits zu Anfang des neuen Jahrtausends erprobte SMS-System beruht auf dem SMS-Dienst. Der Kunde schickt eine SMS an eine spezielle Nummer des Geschäftes oder der Behörde, die er besuchen möchte. Dann erhält er eine SMS mit seiner Wartenummer und der aktuellen Nummer in der Schlange zurück. Damit lässt sich bereits "auf Distanz" die Wartezeit abschätzen. Oft sind die digitalen Systeme auch so eingerichtet, dass eine weitere Erinnerungs-SMS gesendet wird, wenn nur noch fünf oder zehn Nummern vor der eigenen Nummer sind. 

Apps und cloudbasierte Lösungen: Mittlerweile gibt es aber auch ganz moderne Systeme (z. B. q-channel), die eigene Apps und Clouddienste nutzen. Das bietet für den Kunden den Vorteil, dass er die Warteschlange und den Fortschritt in Echtzeit verfolgen kann. Sehr modern, sehr charmant, aber für mich geht nichts über den kleinen Zettel mit der Nummer darauf.

Der
Ein klassischer Kölapp - hier ein Beispiel aus der Apotheke

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Ett fyrfaldigt leve för H.K.H. Kronprinsessan Victoria! Hipp, hipp - Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!

Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria, Herzogin von Västergötland, begeht heute Ihren 37. Geburtstag

Die besten Glückwünsche von uns!

Der feierliche Tag, der in Schweden mit allgemeiner Beflaggung begangen wird gibt Anlass, schwedische Geburtstagsbräuche zu betrachten.

Wer sich das erste Mal auf eine schwedische Feier (z. B. Geburtstag, Hochzeit, Jubiläum) verirrt, ist möglicherweise verwundert. Denn irgendwann erhebt sich einer der Beteiligten - für den neuen Besucher meist völlig unerwartet - und stimmt ein "Hipp hipp" an. 

Das klingt dann - am Beispiel der Kronprinzessin - so: "Ett fyrfaldigt leve för H.K.H. Kronprinsessan Victoria! Hipp, hipp.", woraufhin alle übrigen Beteiligten mit "Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!" antworten. 

Die schwedische Besonderheit bei der Sache sind die vier "Hurra!". Im Rest der Welt, z. B. in der angelsächsischen Welt - wird mit drei "Hurray!" geantwortet. Wo kommt der Unterschied her?

Dazu müssen wir etwas in die Geschichte abtauchen. In der spätmittelalterlichen Militärwelt gab es Kennungen. Mit diesen gaben sich verschiedene Truppenteile - hauptsächlich zur See - untereinander zu erkennen. Seit 1635 verwendeten die schwedischen Streitkräfte eine Kennung, die aus zwei schnell aufeinander folgenden Kanonenschüssen besteht. Diese Kennung wird als "Svensk lösen" bezeichnet. 

Befand sich der König an Bord, wurde eine doppelte Kennung, also vier Kanonenschüsse in schneller Abfolge, gegeben. Diese besondere Ehrerbietung wurde in der folgenden Zeit die Grundlage für allgemeine Ehrerbietungen, zunächst für aus- und inländische Repräsentanten und Hoheiten, dann auch für bürgerliche Feierlichkeiten, wie z. B. Geburts- und Namenstage.

Die erste Anwendung des vierfachen Saluts wird aus dem Jahre 1672 berichtet, als König Karl XI mündig wurde. Soweit es die Quellen belegen waren es Studenten in Uppsala, die - ausgehend von der militärischen Salutpraxis - als Erste den vierfachen Salut in der Form des "Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!" verwendet haben sollen. In der Zeit davor, gab es für Normalsterbliche (lies: Bürgerliche) auch in Schweden nur ein dreifaches "Hurra!". 

Wie es in der Geschichtsforschung so ist, gibt es aber auch hier eine abweichende Lesart. Die verweist auf eine andere Entstehungsgeschichte. Die Universität in Lund soll 1863 Besuch polnischer Abgesandter gehabt haben. Die Verantwortlichen sollen nun befürchtet haben, dass die Polen ein dreifaches "Hurra!" als russische Kennung missverstehen würden, denn der russische Salut bestand aus drei schnellen Kanonenschüssen. Daher habe man sich kurzerhand dazu entschlossen, statt drei "Hurra!" eben vier "Hurra!" zu verwenden. Diese Version wird allerdings als recht unwahrscheinlicher Ursprung des heutigen Brauches angesehen. 

Jedenfalls ist in Schweden heute das vierfache "Hurra!" die gängige Praxis. In ganz Schweden? Nein. Ein kleiner Teil der Region Skåne ist bis heute abtrünnig und hält am dreifachen "Hurra!" fest. Das soll seinen Grund in der geschichtlichen Verbundenheit zwischen Skåne und Dänemark haben. Denn in Dänemark gilt seit Alters her die militärische Kennung aus drei schnellfolgenden Kanonenschüssen. Alles nicht so einfach...

Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria - unübliche Perspektive - Outtake aus einer Reportage über das Königshaus
Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria
(unübliche Perspektive - Outtake aus einer Reportage über das Königshaus)


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Work-Life-Balance in Lappland und: Internetzugang im Norden

Die Aussicht ist malerisch. Das Wasser rauscht leise und eine sanfte Brise streicht über den Strand. Ich sitze an meinem für heute gewählten Arbeitsplatz mit meinem Laptop auf dem Schoss und dem Telefon in der Tasche. Eine kleine Bucht an einem See, weitab von der Zivilisation.

Der "Digital Lifestyle" macht es möglich. Und das lockt auch viele digitale Nomaden als Auswanderer an den Polarkreis in Schweden. 

Der Breitbandausbau in der Region ist - gemessen an der Bevölkerungsdichte - sehr gut. In unserem kleinen und beschaulichen Dorf haben wir z. B. 100 Mbit/s Glasfaseranbindung. Wer ausserhalb des mit Breitband erschlossenen Gebietes wohnt, kann auf Internet via Funk ausweichen (3G Geschwindigkeit, bester Anbieter: net1) oder über das Mobilfunknetz gehen. Die beste Netzabdeckung im Norden hat klar Telia (der Nachfolger des ehemaligen staatlichen Televerkets). 3G gibt es in den ländlichen Gebieten ausserhalb grösserer Ortschaften nicht flächendeckend, aber 2G Datenverbindung (EDGE) funktioniert überall. 

Was bedeutet das? Solange ich nicht bei der Arbeit auf grosse Datenvolumina via Internet zugreifen muss, ist mobiles Arbeiten auch in der Natur problemlos möglich (vorausgesetzt, die Akkus sind voll geladen und ein Auto Ladeadapter ist zur Sicherheit mit dabei).  

Und so habe ich den Tag über an einem neuen Buchmanuskript gearbeitet, zwischendrin einige Fische auf dem Feuer gebraten und nebenbei die Aussicht bei Wind und Wetter genossen. Geheimtipp: Das beruhigende Naturambiente ist auch für wichtige Telefonate paradiesisch.

Lappland: Arbeitsplatz in der Natur
Die Aussicht von meinem heutigen Arbeitsplatz


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Triohålning und Bürolocher - Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden überwinden

Einleitung

Heute soll es um eine der vielen, kleinen Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden gehen. Eine Klippe, die durchaus auch einigen Unterhaltungswert mit sich bringt (und satirische Züge trägt). 

In der europäischen Unternehmens- und Wirtschaftswelt sollte doch alles auf Standards und Normen beruhen. Die Standardisierung schreitet voran, fehlende Standards können zum Handelshemmnis werden und sich als ziemlich störend erweisen. Darum soll es heute gehen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an den Artikel  "Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?"

Ein ganz ähnliches Problem gibt es auch im Bereich der schwedischen Büroheftung und Aktenablage.


Geschichte

Für diejenigen unter uns, die dem papierlosen Büro der Zukunft (sic!) zum Trotz, immer noch mit Papierkram zu tun haben, sind Aktenordner und Locher Alltagsgeräte. Den Aktenlocher (kurz: Locher) hat Friedrich Soennecken erfunden und 1886 dafür auch vom damaligen Kaiserlichen Patentamt ein Patent erhalten. Der Aktenordner stammt von Leitz.

Das Duo "Locher und Leitz" trat seinen Siegeszug durch Büros und Haushalte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an. Gelocht und geheftet wurde natürlich in der ganzen Welt. Und da ergab sich das Problem der Standardisierung. Die Lochung musste vereinheitlicht werden, um dem Archivierungschaos - insbesondere bei länderübergreifender Korrspondenz und Aktenablage - Herr zu werden.


Problem

Hier fingen die Probleme an. Es gibt verschiedene Standards für die Aktenlochung. Nun leben wir ja in Europa und man sollte meinen, dass es einen europaweiten, einheitlichen Standard geben müsste. Im Prinzip ja. Aber eben nur im Prinzip.

Genau genommen ist das Problem noch viel schlimmer, denn es gibt ja einen - sogar internationalen - Standard für die Papierlochung im Büro. Dieser Standard hört auf den Namen ISO 838 und stammt in der aktuellen Version aus dem Jahre 1974. Wir alle wissen wie die Standard-Lochung aussieht, denn sie begleitet uns ein Leben lang durch den Alltag. Wer es ganz wisenschaftlich haben möchte, kann hier die Beschreibung des Standards bei der  International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) kurz "ISO" herunterladen.

Aber nicht alle Länder folgen dem internationalen Standard.

Auf europäischer Ebene folgen (fast) alle Länder diesem Standard. Fast alle Länder? Ja fast, denn das Königreich Schweden hat seinen eigenen Standard für die Lochung und für Aktenordner.


"Triohålning" (Triolochung) heisst das Zauberwort.

Und zur Triolochung gehört der Trioordner. Und um die Verwirrung noch gröser zu machen, besteht die Triolochung nicht etwas nur aus drei, sondern aus vier Löchern. Erfunden wurde das System 1899 von Andreas Tengwall in Helsingborg. Genau genommen wurde zuerst der Ordner und dann der zu ihm passende Locher erfunden. 

Der Clou am Trioordner ist, dass er - im Gegensatz zu den im Rest Europas gebräuchlichen Ordnern - an einer beliebigen Stelle flach aufgeklappt werden kann (jedenfalls, soweit er nicht "überladen" ist). Im aufgeklappten Ordner können dann - wenn auch etwas hakelig - die Blätter vorwärts und rückwärts - umgeblättert werden.

Die bittere Pille ist die Inkompatibilität zwischen der ISO 838 und der schwedischen Trio-Lochung. Locht man Blätter nach beiden Standards (und vom nordamerikanischen Dreilochsystem wollen wir gar nicht erst anfangen), wird der linke Papierrand ziemlich "dünn" und wenig haltbar.

Wer also sein Unternehmen nach Schweden verlagern möchte, sollte sich auf den Systemwechsel vorbereiten und keine grossen Bestände an leeren zentraleuropäischen Aktenordnern mitbringen.


Rückblick

Beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mit etwas Wehmut an die Zeit meines Referendariates beim Landgericht Heidelberg zurück. Heidelberg liegt bekanntlich in Baden. Und in Baden gab es seinerzeit auch noch einen eigenen Standard für die Aktenheftung. Dieser hörte folgerichtig auf den Namen "badische Aktenheftung" und basierte auf zwei kleinen Löchern am oberen linken Papierrand (in der Bürovitrine hüte ich heute noch einen original badischen Aktenlocher). Die Heftung der Akte erfolgte über eine kleine Schnur, die durch die Löcher gefädelt und dann auf der Rückseite der Akte verknotet wurde. Die Kunst, die "richtigen" Knoten zu erlernen, war seinerzeit integraler Bestandteil der Juristenausbildung. Mein bürotechnischer Weitblick in Sachen Aktenlochung war also von frühen Zeiten her bereits geweitet. Vielleicht fiel mir deshalb die Adaption der schwedischen Triolochung nicht besonders schwer...


Ausblick

Der digitale Hoffnungsschimmer glimmt am Horizont und hört auf den Namen "papierloses Büro". Allerings scheint mir die Zukunft nicht ganz so rosig zu sein. Seit 15 Jahren verfolgt mich der Begriff. Aber mit jeder neuen Runde der neuen, papierlosen Welt, ist es immer nur noch mehr Papier geworden. Schade um all die Bäume, die sinnlos gefällt werden.

Sollten wir es aber eines Tages schaffen auf rein-digital umzustellen, wäre zumindest das Locher- und Aktenordner Normierungs Problem vom Tisch. Dafür hätten wir dann mindestens 100 neue (lies: unterschiedliche und inkompatible) Dateistandards am Bein :-)

Triohålning - schwedischer Triolocher - Bürolocher
Schwedischer Triolocher - stanzt vier Löcher nach schwedischem Standard

Triopärm - schwedischer Trioordner - Aktenordner
Schwedischer Trioordner - inkompatibel zum Rest der Welt

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Blackout, oder: Lappland im Schein der Petroleumlampe

Blackout, oder: Lappland im Schein der Petroleumlampe

Im Herbst und am Winteranfang sind heftige Stürme in Lappland an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich daran. Manchmal fegen aber regelrechte Rekordstürme über das Land. Und die hinterlassen ihre Spuren.

In der vergangenen Woche war es wieder einmal soweit: Vom schwedischen Wetteramt wurde eine akute Warnung ausgefertigt und was dann einige Stunden später kam, war im negativen Sinne rekordverdächtig. Im Inland von Västerbotten hinterliess der schwere, orkanartige Sturm eine Schneise der Verwüstung.

In manchen Gebieten wurde der Wald hektarweise „umgemäht“. Viele kleine Nebenhäuser und Wartehäuschen an Bushaltestellen wurden Opfer der Windstärke: sie wurden einfach „vom Winde verweht“; manche landeten in weitem Umkreis vom ursprünglichen Standort in Einzelteilen. Manche Bäume fielen auch auf bewohnte Häuser und richteten teilweise schwere Schäden an.

Das Stromleitungsnetz ist in unseren Regionen sehr weitläufig. Bei schweren Stürmen fallen regelmässig Bäume auf Leitungen, was zu Stromausfällen führt. In begrenztem Rahmen sind die hiesigen Netzbetreiber ganz gut gerüstet für solche Fälle. Übersteigen die Schäden aber von Anzahl und Streuung her ein bestimmtes Niveau, kommen die Einsatztrupps an ihre Grenzen. Im Klartext: Stromausfälle können dann sehr lange andauern. Am vergangenen Wochenende waren es bei uns 24 Stunden. Und so versammelte sich die Familie also um die Petroleumlampe: Eine Zeit ohne Internet und Telefon, in der sich oft die tiefgründigsten Gespräche ergeben.

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Der Tag, an dem das Festnetz verschwand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

"Ist Anja zuhause?" - "Kann ich bitte Markus sprechen?". Ja, so war es in der guten alten Zeit. Jeder Haushalt hatte sein Telefon, das von der ganzen Familie genutzt und untereinander geteilt wurde. Wer erinnert sich nicht noch an die Telefonbelagerung durch haushaltsangehörige Teenager. Und das Familientelefon stand immer an einem zentralen Platz. Heimliche Telefonate waren fast unmöglich.
 
Doch damit ist jetzt Schluss. In weiten Teilen von Väster- und Norrbotten jedenfalls. Dort werden gerade die oberirdischen Telefonleitungen des guten alten Festnetzes abgebaut. Auf lange Sicht soll in den nächsten Jahren ganz Schweden von der Abrüstung betroffen sein. Insgesamt eine Million Telefonleitungsmasten sollen in den nächsten acht Jahren in ganz Schweden werden abgebaut.
 
Der Hintergrund liegt in einer deutlichen Veränderung. Nach der Statistik des schwedischen Post- und Telestyrelsens haben heutzutage 97% aller Schweden ein Mobiltelefon. Nur noch 76% der Haushalte haben einen Festnetzanschluss (Tendenz stark sinkend). In Haushalten, in denen nur Personen unter 25 Jahren leben, sind es sogar nur noch 65 Prozent. Ausserdem haben Umfragen ergeben, dass 31 Prozent der Befragten sich ein Leben ohne festen Telefonanschluss vorstellen.
 
So werden in naher Zukunft in einem ersten Schritt 50.000 Haushalte in 200 Kommunen ihr Festnetz verlieren. Heute zog sich der Abrisstrupp auch durch unser kleines Dorf. Gemischte Gefühle bei den Zuschauern. Schliesslich funktionieren Mobiltelefone nur, wenn das Stromnetz funktioniert. Das alte Festnetz hat auch bei Stromausfällen - die im Winter hier durchaus häufiger vorkommen - noch funktioniert. Viele Menschen sorgen sich, dass Notrufe in Zukunft nicht mehr möglich sind. Nutzer des SOS-Alarmsystemes - meist ältere oder behinderte Menschen - stehen vor noch grösseren Fragezeichen.

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Noch gen Himmel zeigend, liegt es nun am Boden:
Das Festnetz im Inland von Västerbotten


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Auswandern als Filter

Einige klare, offene, aber hoffentlich heilsame Worte für alle Auswanderer und solche, die es werden wollen.

Ich erinnere mich gut. Vor etwa 25 Jahren habe ich – als damals noch aktiver Musiker - im Fachblatt Musik Magazin eines der sehr raren Interviews mit Jack Bruce gelesen. Dieses war abgelaufen wie immer. Nach einem „warming up“ ist der Interviewer auf Jacks Zeit mit „The Cream“ zu sprechen gekommen. Jack brach das Interview daraufhin (sinngemäss) mit den Worten ab: Cream war 1966 bis 1968. Das ist jetzt 20 Jahre her und damit Schnee von gestern. Du hast mich nicht nach meinen aktuellen Bands und Projekten gefragt, für die ich heute brenne.

Eine traurige Geschichte, die aber leider sehr gut zu Auswanderungserfahrungen passt.
Auswanderer sei Dir bewusst: Die Kontakte zu den Menschen, mit denen Du früher in Deinem „alten Wohnsitzland“ zu tun hattest, dünnen sich aus. Ab und an meldet sich manchmal jemand. Dann aber in aller Regel aus Neu-Gier und mit Anknüpfung an „die gute alte Zeit“.

Auswanderer, erwarte nicht, dass grosses Interesse an Dir als Mensch und daran, wie es Dir in Deinem neuen Leben und in Deiner neuen Heimat geht, besteht. Nein, leider ist es in aller Regel die Gier nach Spektakulärem und natürlich der Trieb der Anderen, etwas über sich selbst zu erzählen.

Auswanderer, sei beruhigt: Der räumliche Abstand und ein ganz anderes Leben erleichtern es Dir, die psychologischen Hintergründe und Mechanismen zu erkennen.  Du wirst immer ruhiger schlafen und immer öfter wird ein Lächeln über Dein Gesicht huschen…

So, das musste mal raus.

Wenn Du eine Auswanderung planst und zur Vorbereitung dafür gerne gecoacht werden willst, darfst Du gerne Kontakt mit uns aufnehmen.  

Das Sieb der „Freunde“ und Bekannten
Das Sieb der „Freunde“ und Bekannten - nur wenige „bleiben hängen“

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Kleine Schwedische Kaffeekunde

Rein statistisch haben die Finnen den größten Kaffeekonsum der Welt, dicht gefolgt von den Norwegern und den Schweden (Quelle: Wikipedia).
 
Im Jahr 2011 entfielen auf jeden Schweden 6.329,2 Gramm Kaffee. Das gibt so etwa 3 Tassen pro Tag (Quelle: Euromonitor - PDF).
 
Zieht man Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ab, dürfte die tatsächliche Zahl bei den "aktiven Kaffeetrinkern" deutlich höher liegen. Nach meinen eigenen Erfahrungen dürfte der Praxiswert bei ca. 6 Tassen liegen. Das hat auch mit der schwedischen Eigenart der Fikapausen zu tun.
 
Interessanterweise gibt es in der schwedischen Kaffeekultur einige Besonderheiten, die dem Tourist oder Einwanderer vielleicht nicht bekannt sind. Deswegen hier einige Erklärungen.
 
Die Verwirrung fängt bereits beim Einkauf an. In Schweden gibt es nämlich zwei unterschiedliche Kaffearten. Dem ungeübten Auge fällt das vielleicht nicht auf. Quillt dann aber später der Kaffee aus dem Filter der Kaffeemaschine sind Ärger und Verwirrung gross.

Schwedische Kaffeekunde: Bryggkaffee und Kokkaffee
Zum Verwechseln ähnlich: Bryggkaffee und Kokkaffee

 
Die unterschiedlichen Sorten hören auf den Namen "Brygg", bzw. "Kok".

Der Bryggkaffee ist für die aus Mitteleuropa bekannte Kaffeemaschine bestimmt.

Der Kokkaffee hingegen ist für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. In Deutschland ist die Kaffeezubereitung durch Perkolation heutzutage nahezu völlig in Vergessenheit geraten. Bekannt ist es vielleicht durch die kleinen Espresso-Perkolatoren, die ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub in südeuropäische Länder sind.

Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör
Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör

Die in Schweden gebräuchlichen Perkolatoren arbeiten nach demselben Prinzip, sind aber einige Nummern grösser. Der "Kokkaffee" ist nun für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. Der Geschmack des durch Perkolation hergestellten Kaffees ist speziell. Er ist sehr stark und enthält normalerweise viel "Kaffeesatz". Der gröbere Kokkaffe der beim Kontakt mit dem kochenden Wasser stark aufquillt kann auch in normalen Kaffeemaschinen verwendet werden, wenn die Dosierung auf etwa die Hälfte verringert wird.
 
Beim Einkauf deswegen bitte auf die Bezeichnung und die Symbole auf den Kaffeepaketen achten. Das Symbol mit der stilisierten Kanne steht für den Kokkaffe, das Symbol mit dem stilisierten Porzellanfilter für Bryggkaffee.

Und welche Kaffeesorte ist nun die Beste? Die Geschmäcker gehen auseinander. Ein schwedischer Klassiker ist der "Löfbergs Lila". Vom Geschmack her ist er allerdings nicht mit mitteleuropäischem Kaffee zu vergleichen. Und noch eine Besonderheit: Schweden trinken ihren Kaffee gerne stark. Was in Mitteleuropa am oberen Ende der Stärkeskala liegt, ist hier gerade einmal knapp unter dem Durchschnitt. Dafür werden die Tassen in Schweden normalerweise nur ungefähr halb- bis zweidrittelvoll gemacht. Und wer es perfekt machen möchte, serviert seinen Gästen Würfelzucker und keinen Streuzucker.

 Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Achten Sie auf die eingekreisten Symbole


Was uns zu der alten schwedischen Weisheit führt: Alles darf geschehen. Aber dass kein Kaffe im Haus ist, wenn ein Besucher vor der Tür steht, ist eine Katastrophe. In diesem Sinne.
 
 

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Wintervorbereitungen in Lappland (heute: Mobilität und Auto)

Das erste reale Schneetraining der Saison in Lappland haben wir in den letzten Tagen bereits absolviert. Regional lagen bereits bis zu 30 cm frischer Neuschnee.
 
Höchste Zeit, die letzten Wintervorbereitungen zu treffen. Einige Tipps für den Umgang mit der Kälte hatte ich vor einiger Zeit hier schon einmal gebloggt.
 
Und einge Tipps zum Autofahren und zu Reifen mit Spikes gibt es hier nach zu lesen.
 
Heute soll es um eine weitere wichtige Vorbereitungsmassnahmen gehen, an die Auswanderer und Touristen gleichermassen denken sollten.

Wir beginnen mit der Vorbereitung von Tür- und Zündschlössern.
 
Bald fallen die Temperaturen in Lappland. Schnell sind es - gerade in den Nächten - minus 15 bis minus 20 Grad. Befindet sich dann auch nur ein wenig Feuchtigkeit im Türschloss, gibt es - gleich ob an der Hausür oder am Auto - kein Herein mehr. Von den "altbewährten" Methoden (z. B. Schlüssel mit dem Feuerzeug aufwärmen, usw.) können wir nur dringend abraten. Moderne Tür- und Zündschlösser enthalten nämlich oft Teile aus Plastik. Ein Auftauversuch mit den klassischen und brachialen Methoden führt schnell zur Zerstörung und zu teuren Reparaturen (und wenn es dumm läuft, auch zu einer Nacht im Freien bei tiefen Minusgraden).
 
Am besten ist es daher, vorzubeugen. Die Schlösser sollten spätestens jetzt mit speziellem Öl behandelt werden. Das Låsolja ("Schlossöl", "Lock oil") - zwei Beispiele sind links im Bild zu sehen -  kommt in einer handlichen Sprühflasche daher. Ein kurzer Sprühstoss in alle Schlösser spart jede Menge Ärger.
 
Und wenn es doch einmal geschehen sollte (z. B. weil Sie das rechtzeitige Ölen dennoch vergessen haben sollten), hilft Låsespay ("Enteiser", "Lock de-icer") - rechts im Bild. Das Auftauspray kommt in einer noch handlicheren Flasche (ist ja auch logisch, denn es gehört in die Jacken- oder Handtasche und nicht IN das Auto). Das Prinzip ist dasselbe: Ein kurzer Sprühstoss ins Schloss und nach wenigen Minuten ist dasselbige aufgetaut. Dann bitte nicht vergessen, anschliessend gleich noch das normale Schlossöl hinterher sprühen, damit Ihnen künftige Probleme in der Wintersaison erspart bleiben.
 
Wenn Sie ein ganz modernes Auto mit berührungslosem Tür- und Zündschloss via Sender haben sollten Sie daran denken, die Batterien im Sender zu prüfen und ggf. auszutauschen.
 
Für alle Autotypen gilt: Die Türgummis sind Ihnen dankbar, wenn Sie sanft mit Glycerin eingerieben werden. Das beugt dem Anfrieren vor.
 
Nicht zu vergessen sind dann noch: Neue Scheibenwischer, frischer Frostschutz für die Scheibenwaschanlage und ggf. eine Prüfung des Glykolgehaltes in der Kühlerflüssigkeit. Am besten legen Sie den Scheibenfrostschutz und den Frostschutz in der Kühlerflüssigkeit auf minus 40 Grad aus.
 
Wegen des Diesels müssen Sie sich keine Sorgen machen: Nordisches Winterdiesel ist für Temperaturen von minus 35 bis minus 40 Grad ausgelegt. Falls Sie eine lange Anreise im Winter haben, sollten Sie so schnell (und ggf. so oft) wie möglich in Schweden zutanken, um möglichst schnell vollständigen Temperaturschutz haben.

 Nützliches Trio: Schlossöl und Auftauspray
„Nützliches Trio: Schlossöl und Auftauspray“

 

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Alternative Energieeffektivität (Wie oft wärmt Holz?)

Der vor der Tür stehende arktische Winter gibt Anlass zu einer Betrachtung zum Thema Energieeffektivität:

Holz – die hier in Lappland trotz Windkraft, Erdwärme und der zunehmenden Verbreitung von Luft-Wärmepumpen immer noch gebräuchlichste Heizform - ist ein überaus effektiver Wärmelieferant. Die Anwender werden mehrfach gut durchgewärmt. Eigentlich mindestens siebenmal...

1. Bäume müssen gefällt werden. In voller Montur (Helm, Sicherheitsstiefel, Schutzausrüstung...) geht es in den Wald. Schritt eins ist es dabei den Baum „sicher“ auf den Erdboden zu bringen.

2. Dann wird der Baum von allen Ästen befreit. Die dickeren Äste werden, ebenso wie der Stamm in ca. ein Meter lange Stücke zerlegt.

3. Dieselben werden auf einen Anhänger verladen und nach Hause gekarrt.

4. Um dort auf Ofenlänge geschnitten zu werden.

5. Nicht zu vergessen, dass die Stücke dann noch gespalten werden müssen.

6. Und da wir gerade dabei sind, werden die Scheite dann an einen zugigen aber wassergeschützten Platz gekarrt und schön gestapelt.

7. Wenn sie dann getrocknet sind, geht es wieder auf die Reise. Diesmal in Richtung Keller und zum Ofen.

8. Schliesslich und endlich wandern die Scheite dann in den Ofen, um dort letztmalig einen Wärmeschub zu liefern :)

Alternative Energieeffektivität
„Wunderholz - Hat schon sechsmal warm gemacht...“

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Channel Lappland Folge 1: Forgotten Places and lost families

Ein neues Format hält Einzug: Der Channel Lappland. In loser Reihenfolge präsentieren wir Ihnen künftig Reportagen und Tipps für Ihren Trip nach Lappland.

In der ersten Folge geht es um Hintergrundinformationen zu unserem Projekt "Forgotten places and lost families" über Urbanisierung in Schweden. Folgen Sie uns zu einem mystischen Platz irgendwo im tiefen Wald und lernen Sie einen weithin unbekannten Abschnitt der schwedischen Geschichte kennen.

(Tipp: Klick auf den Play-Button)



Eine bymahlemiuts Produktion 2012.

[Update 3/9/2012 wegen technischer Probleme: Austausch der FLV-player application. Wir bitten um Nachsicht. Danke!]

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Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden

Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich gerade ein persönliches Projekt vorgestellt, dass mich die letzten Monate sehr beschäftigt hat.

Es geht um die seit mehr als 100 Jahren fortschreitende Urbanisierung in Schweden (insbesondere Nordschweden, bzw. Lappland). 

Die Landflucht hat ihre Spuren hinterlassen: Massen verlassener Häuser und Gehöfte. Oft sehen diese so aus, als hätten die früheren Bewohner ihre alte Heimat "Hals über Kopf" verlassen (müssen?). Manchmal stehen die jahrzehntealten Marmeladengläser noch im Schrank, oder der Tisch ist noch gedeckt. Gespenstisch und zugleich unglaublich faszinierend. 

-> Mehr Details (auf Englisch) und eine Galerie mit einigen Bildern gibt es hier.

Die ganze Bilderserie wird demnächst als Teil einer Wanderausstellung unterwegs sein. Sobald ich die genauen Daten dazu habe, gibt es hier ein Update.

Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden
„Forgotten places and lost families“


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2.500 KW und eine Steckdose - Augen auf: Windkraft in Lappland

Aktuelle Entwicklungen in Lappland: In vielen Kommunen in Västerbotten spriessen derzeit die Windkraftwerke wie Unkraut aus dem Boden. 

So ein Windkraftwerk ist einhundert Meter hoch und hat eine Flügellänge von 50 Metern. Die Leistung beträgt ca. 2.500 KW (= 2,5 MW) je Kraftwerk. Im Regelfall stehen um die 10 bis 25 in Reih und Glied (wobei es auch deutlich grössere Windparks gibt). 

Eine merkwürdige Sache ist mir aber bei der letzten Reportage ins Auge gestochen: 2.500 KW und eine Steckdose. Direkt neben dem riesigen Windkraftwerk steht eine Steckdose. Ein Anschluss für den Motorwärmer im Winter. Als ob das grosse Windrad gerade mal genug Leistung für diese eine Steckdose hätte.  

2.500 KW und eine Steckdose - Windkraft in Lappland
„2.500 KW und eine Steckdose“


Am Rande noch ein Tipp für Urlauber, Auswanderer und Hauskäufer: Wenn Sie Ruhe und Natur lieben, sollten Sie sich vor Ihrem Lapplandurlaub, bzw. Ihrem Immobilienerwerb einen Überblick über die Windkraftsituation im Zielgebiet verschaffen. Die Windräder produzieren nämlich nicht nur Strom, sondern auch jede Menge Krach...

Summary: Hint - If you want to spend your holidays in Lapland or if you're thinking about buying a dacha or a house then please keep your eyes open for windmills. You should also observe the local planning, because windmills do not only produce electricity but also a lot of noise...

Sammanfattning: Stalltips - Om du vill tillbringa din semester i Lappland skulle du vara uppmärksamt om det finns vindkraftverk i det området du siktar pa. Det gäller självklart också när du vill köpa en sommarstuga eller ett hus. För vindkraftverken producerar inte bara elektricitet utan att riktigt mycket ljud...  

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Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube

Heute widmen wir uns einem echten Highlight der schwedischen Essenskultur: Kalles Kaviar aus der Tube.

Die charakteristischen blauen Tuben (die es mit diversen Geschmacksrichtungen auch in anderen Farben gibt), dürfen auf keinem "Fikabord" (Pausentisch) in Schweden fehlen. Wer mit dem Begriff der Fika (noch) nichts anfangen kann, bitte zuerst den Artikel dazu lesen.

Der kultige Tubenkaviar wird seit 1954 von Abba Seafood hergestellt und vertrieben. Die Firma mit dem guten Riecher für die schwedischen Geschmacksnerven hatte das Rezept 1954 von einem reisenden Händler erworben. Kalles enthält Rogen vom Kabeljau und vom Dorsch (vom Köhlerfisch, einer Dorschart, um ganz genau zu sein), Zucker, Salz, Kartoffelmehl und Tomatenpüree. Die genauen Anteile und eventuelle weitere Inhaltsstoffe sind gut gehütetes Betriebsgeheimnis. Jedenfalls erwies sich der Brotaufstrich aus der Tube von Anfang an als Verkaufsschlager, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. 

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Hier die seltene Kalles-Minitube“


Kalles Kaviar hat übrigens auch eine fotografische Komponente: Zu Beginn des Vertriebs hatten die Tuben nur eine nüchterne Aufschrift. Ein Werbefachmann bestand 1955 darauf, dass ein Logo auf die Tube müsse. Ein blonder und blauäugiger Junge müsse es sein. Der damalige Geschäftsführer von Abba Seafood, Christian Ameln, hatte einen Sohn, der dem Wunschbild recht nahe kam. Also wurden kurzerhand die Familienalben gewälzt und so gelangte das Bild von Sohn Carl auf die Tube. Und bis zum heutigen Tage prangt es dort. Das Bild war übrigens von der Frau Mama aufgenommen worden. Fotografisches Fazit: Bilder sammeln. Man weiss ja nie...

Zurück zum Kaviar: Der Verkauf lief so gut, dass bereits im ersten Vertriebsjahr über eine Million Tuben verkauft wurden. Heute beläuft sich die verkaufte Menge auf ca. 2.600 Tonnen pro Jahr. 

Kalles hat übrigens auch eine sehr nette Homepage auf der man sich u.a. aus einem eigenen Passbild einen sog. "Kaviatar" (einen etwas anderen Avatar) erstellen kann. 

Im Laufe der Zeit hat Kalles auch in feineren Restaurants und Hotels Einzug gehalten. So staunte ich nicht schlecht, als ich vor einigen Tagen eine luxuriöse Ausführung des Tubenkaviars auf dem Frühstücksbuffet eines Hotels der - sagen wir mal - "gehobenen Kategorie" entdeckt habe.

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Die Luxusausführung für Hotels und Restaurants“


Schliesslich zum Geschmack. Was soll ich sagen? Er ist schwer zu beschreiben und ist - wie der Name schon sagt - eben eine Geschmackssache. Aus Einwandererperspektive würde ich - höflich formuliert - sagen: Die interkulturelle Kompetenz stösst bisweilen an ihre Grenzen, wenn es um die Geschmacksnerven geht. Zu lange wurden diese an bestimmte Geschmacksrichtungen gewöhnt. Aber ich möchte Sie trotzdem ermutigen: Wenn Sie die Gelegenheit haben, greifen Sie zu und probieren Sie selbst. Und als typisch schwedisches Reisemitbringsel ist Kalles auch ideal geeignet!

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[Update] Die "Minus-40-Grad-Woche" mit Galerie und Mathematik

Zugegeben, es kostet Überwindung. Aber es lohnt sich. Wirklich.

Worum geht es? Die bislang kälteste Woche des Jahres in Lappland liegt hinter uns. Die sibirisch-arktische Kältewelle hat uns Temperaturen bis zu minus 40 Grad beschert. Das ist auch für hiesige Breitengrade recht kühl und frisch. Bei diesen Temperaturen kommt das Leben zum Erliegen. Nur wer unbedingt muss, verlässt noch das Haus.

Die Kälte bringt auch eine lebensfeindliche Stille mit sich. Es ist totenstill draussen, ja die ganze Natur ist wie tot.

Es hat Überwindung gekostet, trotzdem jeden Tag mindestens eine Stunde mit der Kamera raus zu gehen. Dick eingehüllt in mehrere Schichten Kleidung und mit fetter Pelzmütze. Aber es hat sich gelohnt. Das Licht war einfach absolut traumhaft und die Stille extrem inspirierend.

Minus 40 Grad sind aus einem weiteren Grund faszinierend: Bei exakt dieser Temperatur entspricht der Temperaturwert in Celsius genau dem Wert in Fahrenheit.

Bekanntlich lautet die Umrechnung F=Cx1.8+32 und C=(F-32)÷ 1.8, wobei 0 Grad C = +32 Grad °F sind. Das führt dazu, dass minus 40 Grad Celsius exakt minus 40 Grad Fahrenheit entsprechen.

Ich habe eine Galerie mit einigen Bildern - teils persönliche Bilder, teils Musterstücke aus Auftragsproduktionen - zusammen gestellt [Update 17.02. - neue Bilder ergänzt]:

-> Zur Galerie „Die minus 40 Grad Woche“

-> To the gallery „The week with 40 dergrees below zero“


Traumhaftes Licht bei minus 40 Grad C/F in Lappland
„Traumhaftes Licht bei minus 40 Grad C/F in Lappland“

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There's an open door - waiting for you

Für Benjamin und alle anderen Trauernden

Am Nullpunkt. Auf dem Friedhof.
Neu anfangen. Neu orientieren. Vielleicht auswandern?

Eine Tür steht Dir offen.
Gibt Dir den Blick frei auf ein Paradies am Horizont.

Doch bedenke:
Im Sommer ist es unerreichbar.

Der Weg dorthin ist nur unter den schwierigsten Bedingungen möglich.

Die Kälte beschert Dir das Eis, das Dir den Weg über den See ermöglicht.
Der Wind ebnet Dir die Schneeverwehungen, damit Du klare Sicht behälst
und Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst.
Der Schnee lädt Dich ein, ein Iglu zur Rast auf der Reise zu bauen.

Siehst Du die Schwierigkeiten, oder die Chance?
Bist Du bereit durch die Tür zu gehen, die sich Dir geöffnet hat?

There's an open door - waiting for you - Friedhof in Sorsele
„There's an open door - waiting for you“
Beifang aus dem Graveyard-Projekt
Alter Friedhof Sorsele


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2012 naht

2012 naht ... - Eine kurze Unterbrechung unseres Winterschlafes am Polarkreis mit Rückblick, Ausblick, Änderungen und Neuigkeiten

Nun schreiben wir also bald 2012. Viel wird gemunkelt über dieses Jahr. Wir bleiben aber mit beiden Beinen auf dem Boden und starten in das neue Jahr mit einigen Weiterentwicklungen.

Relaunch 2012

Zum Jahreswechsel haben wir unsere Fotografie-Homepage komplett neu designed und dort auch einen separaten Fotografie-Blog aufgelegt. Dazu gleich mehr.

Auch hier im Lapplandblog hat sich etwas verändert beim Design und den Inhalten. Vor allem geht es uns um Vereinfachung und Reduktion, sodass Lesbarkeit und Verständlichkeit immer weiter optimiert werden.

Spannungsfeld Fotografie und Lappland

Hier im Lapplandblog haben wir bislang immer mit der Spannung zwischen rein fotografischen und auf Lappland bezogenen Beiträgen gelebt. Um auch dies weiter zu vereinfachen, gibt es jetzt den separaten Fotografie-Blog. Dort bloggen wir ab 2012 auf Englisch.

Aber keine Sorge: Natürlich geht es auch hier im Lapplandblog weiter. Hier bleibt es bei Deutsch und gelegentlichem Schwedisch. Natürlich gibt es auch hier weiterhin viele Bilder und auch das ein oder andere fotografische Thema. Allerdings mehr mit Bezug zu Auswandern, Urlaub, Tourismus, Reisen und - natürlich - dem Schwerpunkt Schwedisch-Lappland.

Experiment soziale Medien

2011 war für uns ein offensiv experimentelles Jahr in Sachen soziale Medien. Stammlesern wird auffallen, dass die Buttons zu Google+Facebook und Twitter mit dem Relaunch wieder aus der Seitenleiste verschwunden sind.

Warum? Wir haben im vergangenen Jahr viel experimentiert, Vorträge zum Thema soziale Medien gehalten und Artikel dazu geschrieben. Rein persönlich haben uns die derzeit verfügbaren Plattformen aber schlichtweg (noch) nicht richtig "begeistert" (wobei Google+ auf dem richtigen Weg zu sein scheint). 

Aber: Zu viel Zeit geht bei der Beschäftigung mit den virtuellen Welten verloren. Und Hand aufs Herz: Nur wenige neue Beziehungen mit echtem Tiefgang sind hinzu gekommen. Natürlich sind wir auch weiterhin auf den bisherigen Plattformen aktiv. Nur gehen wir das ab 2012 viel entspannter und mit viel geringerer Priorität an. Wer Kontakt zu uns aufnehmen möchte, tut das am besten via Mail oder Telefon :-)

Was hat sich sonst so getan?

- Malå durfte seine Ambulanzstation behalten. Die Proteste, die wir über einen längeren Zeitraum fotografisch begleitet haben, haben schliesslich Erfolg gezeitigt. 

- Der weitere Ausbau der Windkraft in Västerbotten wird aus der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Auch hier bilden sich Bürgerinitiativen und erste Proteste beginnen.

- Die Einwanderer strömen nach wie vor ungebremst hierher. Leider erleben wir immer wieder schlimme Tragödien. Viele beginnen beim Hauskauf. Hier haben sich teilweise regelrechte Mondpreise etabliert Aus aktuellem Anlass möchten wir deswegen nochmals auf unsere Tipps zum Immobilienkauf in Lappland hinweisen. Unsere Tipps helfen hoffentlich, einige Katastrophen und menschliche Tragödien zu verhindern.

Und jetzt allen Leserinnen und Lesern einen guten Start
in das neue und spannende Jahr 2012!


Irisierende Wolken Photometeore in Lappland
„Apokalyptischer Touch“


Behind the scenes: Passend zum Jahreswechsel 2011/2012 ein Bild mit "apokalyptischem Touch". Ein Naturschauspiel, das den arktischen Winter auszeichnet: Irisierende Wolken (Photometeore). Ein farbenfrohes Spektakel, das in Verbindung mit dem Sonnenuntergang und verhangenem Himmel endzeitliche Gefühle hervorrufen kann. Die Uferlinie ist übrigens absichtlich nach rechts abschüssig. Eine Reminiszenz an die brodelnde Wirtschaftskrise. Nebenbei: Sehr romantisch war der Anblick ebenfalls. 
 

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Stranded II - Gestrandet II

Lappland ist bekanntlich wasser- und seenreich. Verlassene Boote in entlegenen Seen üben eine besondere Faszination auf mich aus. Manche sehen noch beinahe brauchbar aus, andere sind kaum noch zu identifizieren.

Die Symbolik ist stark: Das "Gestrandet sein".

Eine Fortsetzung zu diesem früheren Blogeintrag zum Thema aus dem Juli.

Gestrandet und doch voller Hoffnung


Gestrandet.

Auch gestrandete Boote können Zeichen der Hoffnung setzen.

Angekommen. Aus Altem wächst Neues. 

Unerwartet.

Grün ist die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht.

Als ein Zeichen des "Angekommenseins" schlägt Dein Boot plötzlich Wurzeln. 

Doch bricht es gleichzeitig Brücken ab. 

Einem Samenkorn gleich wird das Boot als Nährboden verzehrt. 

Ahoi ade.

Wie wird die Ernte werden?

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Rädda ambulansen i Malå - Ein heisser Winteranfang

Rädda ambulansen i Malå
„Wir weigern uns, wenn die Ambulanz künftig eine Stunde braucht“


Wer in das Inland Lapplands zieht, weiss, dass ihn eigentlich Natur und Ruhe erwarten. Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Wären da nicht einige "Störfaktoren" mit im Spiel.

Einer davon hört auf den Namen "Windkraft" und es regt sich in der Region ein zunehmender Widerstand gegen weitere Windkraftetablierungen. Denn in etlichen Kommunen ist es mit Ruhe und Natur nicht mehr weit her. So regt sich nun auch in Malå eine Bürgerinitiative, die binnen Tagen 450 Protestunterschriften gegen die Erteilung weiterer Baugenehmigungen für Windkraftanlagen gesammelt hat. Die hiesigen Medien haben ausführlich darüber berichtet (z.B. hier in der Tageszeitung „Norran“ und hier im Regionalfernsehen).

Ein weiterer Störfaktor liegt in der Reaktion der zuständigen Landesverwaltung auf die Bevölkerungsentwicklung. Es ist ein offenes statistisches Geheimnis, dass die Bevölkerung im Inland immer älter wird und zudem deutlich schrumpft. Als Konsequenz daraus werden viele Gemeinwohldienste gekürzt. Jüngster Wurf der Planer ist das Vorhaben, den Krankentransport und Rettungsdienst zusammen zu streichen (Bericht in der Tageszeitung "Norran" hier und hier).

Und so landete auch Malå mit auf der Streichliste des Landstinges. Allerdings hatte man dort die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn in Malå ist nun der Protestgeist erwacht. Auch hier hat sich - unter der Federführung der Företagarna (Unternehmervereinigung) - spontan eine Initiative gegründet. Diese hatte am Samstag zur ersten Kundgebung und Demonstration auf dem Marktplatz eingeladen. Rund 500 Teilnehmer versammelten sich dort, um ihrem Unmut Luft zu machen. Ein sehr gutes Resultat bei knapp 3.500 Einwohnern in der Kommune. Die meisten der Teilnehmer unterzeichneten eine Protestpetition. Wir waren für Sie vor Ort und haben einige Eindrücke eingefangen.

-> Hier gehts zur Galerie „Rädda ambulansen i Malå - 22.10.2011“

-> Klick här så kommer du till bildspelet „Rädda ambulansen i Malå 22/10-2011“

-> To the gallery „Rädda ambulansen i Malå 2011-10-11“



Rädda ambulansen i Malå
„Radio Västerbotten im Einsatz bei der Kundgebung“

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Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update: Jetzt mit Rezept]

Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update 5.10.2011: Jetzt mit Rezept]


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„Kanelbullens dag - Fotografiert bei Dungers in Malå“



Behind the scenes: Andere Länder, andere Sitten, andere Gedenk- und Aktionstage

Die Gedenk- und Feiertage eines Landes geben tiefe und wertvolle kulturelle Einblicke. Beging Deutschland gestern den Nationaltag, feiert Schweden heute den "Kanelbullens dag", den "Tag der Zimtschnecke" (Kanel = Zimt, Bullar = Kringel). Wahrscheinlich ist das Phänomen leicht dadurch erklärbar, dass der süsse Kringel ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Fikakultur ist.

Erfunden hat den Gedenktag der "Hembakningsråd" ("Heimbackvereinigung") und seit 1999 wird - stets am 4. Oktober - die Zimtschnecke gefeiert. Es gibt dafür auch eine eigens eingerichtete Webseite.

Wie wird der Tag begangen? Natürlich mit Kanelbullar! Und natürlich am besten mit selbst gebackenen. Wer das zeitlich nicht schafft, kann am 4. Oktober landesweit auf ein grosses Angebot zurückgreifen. Und viele Cafés bieten an diesem Tag Kaffee mit Kanelbullar zum Sonderpreis an.

Nachtrag / Update 5.10.2011:

Auf Wunsch vieler Leser verrate ich hier unser praxiserprobtes Rezept für Kanelbullar nach echter schwedischer Art. Die Angaben beziehen sich auf ca. 20 Bullar.

Zutaten für den Teig
1 Halbes Päckchen frische Hefe
50 gr. Butter
300 ml Milch
100 gr. Zucker
1 Prise Salz
500 gr. Mehl

Zutaten für die Füllung
50 gr. Butter
2 Teelöffel Zimt
100 gr. Zucker

Zutaten für die Glasur
1 Ei
Hagelzucker
Gehobelte Mandeln

Zubereitung
Hefe in eine Schüssel bröckeln. Butter schmelzen (Mikrowelle oder Herd) und in die Schüssel geben. Milch (am besten leicht angewärmt, handwarm, ca. 35 Grad) zugeben. Rühren, bis sich die Hefe aufgelöst hat.

Dann Zucker, Salz und Mehl zugeben. Gut durchkneten (am besten mit Küchenmaschine), bis der Teig geschmeidig wird. Dann ca. 30 Minuten gehen lassen.

Butter für die Füllung schmelzen (Mikrowelle oder Herd); dann mit Zucker und Zimt vermischen.

Ofen auf ca. 225 Grad vorheizen.

Teig nochmals von Hand durchkneten und möglichst rechteckig ausrollen; ggf. Teig aufteilen. Füllung auf den Teig streichen und Teig von der langen Seite her aufrollen. Rolle dann in ca. 2 cm breite Stücke schneiden. Röllchen mit der Schnittkante nach unten auf Backpapier legen und nochmals ca 15 Minuten gehen lassen. Dann mit aufgeschlagenem Ei bepinseln und mit Hagelzucker und/oder gehobelten Mandeln bestreuen. Dann ca. 10-12 Minuten bei ca. 225 Grad ausbacken.

Vor dem Verzehr gut abkühlen lassen :)

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Fredagsmys

Der Freitagabend ist in Schweden geradezu "heilig". Er ist der Familie und guten Freunden gewidmet.
Seit einigen Jahren hat sich ein modernes Ritual herausgebildet: Die
Fredagsmys

Fredagsmys?


"Fredag" steht für Freitag und "mysa" bedeutet "es gemütlich haben". 

Freitags legt sich ab ca. 18 Uhr eine ausgeprägte Ruhe über Schweden. Das Verkehrsaufkommen geht deutlich zurück und auf den Strassen wird es still. Die Häuser sind erleuchtet. Schweden macht es sich kollektiv gemütlich.  
Die Fredagsmys schlägt wieder zu. Am späten Freitagnachmittag klingt die Arbeitswoche aus und die Familie oder gute Freunde sammeln sich, um den Beginn des Wochenendes zu zelebrieren. Das Ritual ist eingebettet in gutes Essen (oft Fertiggerichte), Süssigkeiten, Knabbereien und (oft alkoholische) Getränke. Auch der Fernseher (bzw. DVD-Player) spielt eine grosse Rolle. 

Sogar Forscher haben die Fredagsmys schon unter die Lupe genommen und dabei heraus gefunden, dass das Phänomen zum Ausklang der Arbeitswoche stresslindernd wirkt. 

Die Wirtschaft freut sich. Viele Fertiggerichte und allerlei ungesunde Dinge werden speziell mit der Eignung für den "besonderen" Freitagabend beworben. Und im Systembolaget, der staatlichen Kette, die zum Verkauf von alkoholischen Getränken befugt ist, herrscht am Freitag ab ca. 12 Uhr Hochbetrieb.

Auch in den sozialen Medien spiegelt sich die Fredagsmys deutlich wieder. Die Statusmeldungen werden entspannter und handeln dann um Essen, Getränke und Filmempfehlungen. Es gibt sogar eigens eine Fanpage auf Facebook "Vi som älskar Fredagsmys" ("Wir, die wie die Fredagsmys lieben").

Hier haben bereits knapp 350.000 Menschen auf "Gefällt mir!" geklickt. Das entspricht in etwas 2% der schwedischen Bevölkerung. Interessant ist eine Umfrage, die auf der Facebook-Seite unter den Fans durchgeführt wurde. Bei der Frage, was  die Fredagsmys für den Einzelnen bedeutet, steht an erster Stelle die Entspannung, gefolgt von Gemeinschaft / Gesellschaft und dem guten Abendessen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für alle Aus- und Einwanderer: Besuchen Sie NIEMALS ungefragt und/oder ohne ausdrückliche Einladung "echte" Schweden an einem Freitag nach der Mittagszeit. Das wird als ungehöriger Eingriff in die Familie aufgefasst. 

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Die schwedische Krone im Laufe der Zeit - Eine Geschichtsstunde aus dem Geldbeutel

Heute ein kleiner Rundgang durch die Geschichte der schwedischen Währung, der Krone. Ein Blick auf das Kleingeld im Geldbeutel hat gestern nämlich einen geschichtlichen Abriss der letzten 70 Jahre zutage gefördert. In Schweden sind - wie anderswo auch - Münzen aus verschiedenen Zeitepochen im Umlauf. Gestern verirrte sich allerdings ein sehr seltener Sonderling ins Kleingeld: Eine Münze aus dem Jahre 1942.

Schwedische Ein-Kronen-Münzen im Laufe der Zeit - Wappenseite
„Ein-Kronen-Münzen im Laufe der Zeit: Wappenseite“


Die schwedische Krone, die eigentlich noch in je 100 Öre aufgeteilt ist, gibt es seit 1873. Vorläufer der Krone war der Riksdaler (“Reichstaler”). Genau genommen war die erste Krone noch gar keine rein schwedische Münze, sondern die Gemeinschaftswährung der Skandinavischen Währungsunion für Dänemark, Island, Norwegen und Schweden. Die rein-schwedische Krone gibt es seit 1924. 

Interessanterweise sind aber noch immer alle Kronen-Münzen, die ab 1875 ausgegeben worden sind, nach wie vor als gesetzliche Zahlungsmittel zugelassen. Ein Blick aufs Wechselgeld lohnt also, denn es besteht die Chance auf Raritäten zu stossen.

Die Öre gibt es übrigens nicht mehr als Barzahlungsmittel. Zum 30. September 2010 wurde die bis dahin noch in Umlauf befindliche 50-Öre-Münze aus dem Verkehr gezogen. Rein zahlungstechnisch macht das auch Sinn, denn bei einem Kurs von 1 SEK = 0,1095 EUR (Stand 1. Juli 2011) war der Zahlungswert der 50-Öre-Münzen nahezu unbedeutend gering. 

In den Preisangaben taucht die Öre aber noch auf. Ein im Zuge der Ausserkurssetzung eingeführtes Gesetz bestimmt nun für Barzahlungen, dass Beträge von 1-49 Öre hinter dem Komma auf die nächste Krone abgerundet, und Beträge von über 50 Öre auf die nächste Krone aufgerundet werden. Bei Kartenzahlungen wird allerdings nach wie vor auf die Öre genau abgerechnet. Beträgt der Kaufpreis an der Kasse also z. B. 9,50 Kronen (d.h. 9 Kronen 50 Öre) ist der Barzahlungspreis 10 Kronen, der Kartenzahlungspreis indes 9,50 Kronen.

Nun aber von der Öre zurück zur Krone. Traditionell trägt die Ein-Kronen-Münze immer das Bild des amtierenden schwedischen Königs (bzw. künftig der Königin) auf der einen Seite und das Staatswappen oder eine Krone auf der anderen. Um das Konterfei des Monarchen (bzw. der Monarchin) ist das königliche Motto des jeweiligen Staatsoberhauptes in die Münze geprägt.

Das älteste Stück im Geldbeutel - auf dem Foto bei 12 Uhr - stammte also aus dem Jahre 1942. Damals war Gustav V König. Sein Motto lautete “Med folket för Fosterlandet” („Mit dem Volk für das Heimatland“). Auf der Vorderseite prangt das sehr schöne alte Wappen.

Münze Nummer 2 - auf dem Foto bei 15 Uhr - ist der derzeit wohl am häufigsten in Umlauf befindliche Typ. Sie wurde von 1976-2000 ausgegeben. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahre 1983 und trägt den amtierenden König Karl XVI Gustaf - abstrahiert dargestellt - auf sich mit seinem Motto “För Sverige i Tiden”. 

Münze Nummer 3 - auf dem Foto bei 18 Uhr - ist die neuere Version der Nummer 2 (ausgegeben seit 2001) mit einem deutlich schöneren Monarchenbild und stammt aus dem Jahre 2009.

Die Nummer 4 schliesslich - auf dem Foto bei 21 Uhr - ist eine besondere Gedenkmünze aus dem Jahre 2009, welche der besonderen Verbindung von Finnland und Schweden gewidmet ist. Statt eines Wappens trägt sie das Bild eines unterbrochenen Linienfeldes auf der einen Seite. Auf der anderen Seite befindet sich ein Bild des Königs. Sie ist nicht sehr häufig, aber durchaus tatsächlich im Umlauf zu finden.   

Schwedische Ein-Kronen-Münzen im Laufe der Zeit - Monarchenseite
„Ein-Kronen-Münzen im Laufe der Zeit: Monarchenseite“


Eine sehr seltene Münze fehlt leider noch in der Sammlung (und auf dem Foto): Im Jahre 2000 gab es zum neuen Jahrtausend eine Ein-Kronen-Münze in sehr geringer Sonderauflage. Auf dieser Sonderprägung sind unter dem Staatswappen die Initialen des Königs eingeprägt. Sollte sich diese Prägung einmal in den Geldbeutel verirren, werde ich ein Foto nachreichen.

Neben den im regulären Umlauf vorkommenden Münzen gibt es natürlich noch eine Vielzahl von Sonderprägungen in verschiedenen Nennwerten (10 SKR - 1.000 SKR) zu besonderen Anlässen, darunter etliche Silber- und Goldmünzen. Diese sind zwar ebenso als Zahlungsmittel zugelassen, dürften aber nicht im tatsächlichen Umlauf vorkommen. Eine Übersicht über die Sonderprägungen bis zum Jahre 2004 gibt es in dieser Broschüre der schwedischen Reichsbank.

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Wohnungsnot?

Wohnungsnot?
„Wohnungsnot?“


Behind the scenes: Wohnungsnot?

Viele Inlandskommunen in Lappland befinden sich derzeit “auf dem absteigenden Ast” wie es so schön heisst.

Junge Menschen ziehen - spätestens zur Gymnasialausbildung - in die Städte. Und meistens bleiben Sie dann auch nach dem Abschluss der Ausbildung dort.

Die Bevölkerung hier altert. Häuser stehen zuerst leer und verfallen dann häufig (wenn sie denn nicht malerisch belegen sind und dann von den Familien als Sommerhäuser (“Sommarstuga”) weiter genutzt werden).

Der Wohnungsbau kommt vielerorts zu Erliegen. Warum sollen auch neue Wohnungen gebaut werden, wenn alle Statistiken darauf hindeuten, dass die Bevölkerung dramatisch schwindet.

Diese Fakten mögen bitte auch alle, die sich mit dem Gedanken ans Auswandern nach Lappland beschäftigen, auf dem Schirm behalten. Führt der Bevölkerungsschwund doch auch zum schleichenden Abbau der allgemeinen Grundversorgung in vielen Bereichen.

Im Rahmen eines Auftrages war ich in der vergangenen Woche in Vännäs und konnte mir dort ein Bild des Ernstes der Lage verschaffen.

Dennoch: Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt. Eine schöne Symbolik im Bild and ich auf der Rückseite der Schule in Vännas. Hier gibt es offenbar ein Wohnungs-Überangebot. Allerdings nur für Vögel.


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Postcard from Lapland

Postcard from Lapland
„Postcard from Lapland“


Behind the scenes: Heute wieder einmal in Farbe. Am Sonntag hat das Wetter uns zu seiner besten Seite eingeladen. Sonnenschein auf Eis und Schnee ergibt traumhaften güldenen Bodennebel. Jetzt ist die perfekte Jahreszeit, um einen Winterurlaub in Lappland zu verbringen: Die Tage sind schon wieder deutlich länger und bei Sonnenschein erscheinen minus 15 Grad wie ein lauer Frühlingstag.

Oder warum nicht gleich hierher umziehen? Das Inland entvölkert sich beständig (Zahlen und Fakten gibt es hier in einem aktuellen Artikel auf Norran). Platz und Immobilien gibt es in Fülle. Erste Wahl für Naturliebhaber!



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Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010

Und hier ist das Weihnachtsgeschenk für alle unsere werten Leserinnen und Leser:

Ein Kalender für 2011 mit schönen Bildern aus Lappland. Download hier (PDF - 9.1 MB). Einfach selbst ausdrucken oder ab in den Copyshop.  Am schönsten mit Spiralbindung. 


And here comes the christmas gift for all our dear readers:

A beautiful calendar for 2011 which lovely pictures from Lapland. Donload here (PDF - 9.1 MB). Just print out by yourself or get it printed at a print shop. Best with spiral binding. 


Nu finns det vår julklapp igen för alla våra kära läsare:

En kalender för 2011 med snygga foton från Lappland. Download här (PDF - 9,1 MB). Det är bara att skriva ut den (själv eller på tryckeriet). Bäst med spiral binding. 

Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010
„Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010“


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Traumimmobilie II

Traumimmobilien in Lappland II
„Traumimmobilien“ - Freier Blick auf die unberührte Natur durch luftige Wände :)

Behind the scenes: Nummer 2 aus der Serie zu vermeintlichen „Traumimmobilien“ in Lappland. Bei diesem schönen Objekt ist zwar der freie Blick auf die Natur - und das sogar ohne störendes Fensterglas (-> Fotografenparadies) - garantiert. Freilich zieht es etwas durch die Ritzen. Deswegen immer dran denken: „Renovierungsbedürftig? - Tipps zum Immobilienkauf in Schweden / Lappland“.

Rein fotografisch sind solche Halbruinen in Feld und Flur allerdings eine echte Fundgrube, die mich immer wieder begeistert!


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Traumimmobilie I

Traumimmobilie in Lappland I
„Traumimmobilien“ - Von aussen oft noch irgendwie hübsch

Behind the scenes: Die grosse Resonanz auf den Artikel „Renovierungsbedürftig? - Tipps zum Immobilienkauf in Schweden / Lappland“ hätte ich nicht erwartet. Viele Mails sind eingegangen mit teilweise erschütterndem Inhalt. Deswegen an alle, die sich hier in Lappland ein Haus oder Sommerhaus („Sommarstuga“) kaufen wollen, nochmals der dringende Rat: Augen auf und gründlich recherchieren!
Ich habe das Thema mit einer kleinen Serie, die ich in den nächsten Tagen hier sukzessive posten werde, auch nochmals visualisiert.


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Renovierungsbedürftig? - Tipps zum Immobilienkauf in Schweden / Lappland

Heute einige Worte und Tipps zu einem Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt. In den zurückliegenden Jahren haben haben wir viele Auswanderer kennen gelernt, die sich in Schweden (insbesondere hier in Lappland) niedergelassen haben. Beinahe alle haben eine Immobilie hier erworben. Sehr viele haben dabei - aus verschiedenen Gründen - heftige Bauchlandungen erlebt. Gerade in der vergangenen Woche habe ich wieder eine so haarsträubende Geschichte gehört, dass ich nun ein paar Zeilen zum Thema schreibe (und mir damit bestimmt nicht nur Freunde mache - aber es muss gesagt und geschrieben werden). Weitere Infos und Tipps zum Auswandern mit Plan gibt es übrigens in unserem Anfang 2011 erscheinenden Buch „Auswandern mit Plan“.

Worauf sollten Sie also achten, beim Immobilienkauf in Schweden (insb. Norrland / Lappland):

1. Nehmen Sie sich Zeit. Treffen Sie NIEMALS impulsive Schnellentscheidungen! 

2. Recherchieren Sie ausführlich über Ihr Zielgebiet und tragen Sie so viele Informationen wie möglich zusammen. Im Web finden Sie eine beinahe unendliche Informationsfülle. 

Bewerten Sie alle Informationen nüchtern: Eine "bezaubernde Alleinlage im Wald" kann bei minus 25 Grad im tiefsten Winter zum Horrortrip werden, wenn Sie Ihren Weg dorthin selbst räumen müssen. Denken Sie an alle Aspekte und auch daran, dass Sie einmal älter werden könnten.

3. Planen Sie eine Reise in Ihr Zielgebiet und besichtigen Sie alle Objekte selbst. Setzen Sie sich niemals selbst unter Druck! Denken Sie bitte an die unterschiedlichen Jahreszeiten. Bei einer Schneehöhe von eineinhalb Metern sieht alles ganz anders aus, als im Sommer.

Soweit Sie der Sprache nicht hinreichend mächtig sind, nehmen Sie eine(n) einheimischen Sprachkundigen mit. Das sollte kein Beauftragter oder Mitarbeiter eines Maklerbüros sein. 

Fragen Sie dann vor Ort intensiv bei ortsansässigen Organisationen und Einheimischen nach. Ansprechpartner können z.B. sein: Die Gemeindeverwaltung (kommune) und ortsansässige Handwerker. Auch die ortsansässigen Banken sind wichtige Ansprechpartner und haben meist sehr gute Informationen und eine gute Übersicht über den lokalen Immobilienmarkt. Vergessen Sie nicht, die (potentiellen neuen) Nachbarn zu fragen. Die wissen nämlich in aller Regel interessante Details. Vergessen Sie auch nicht, sich nach der grossflächigen Planung zu erkundigen (z.B. die Frage, ob in der Nachbarschaft ein Windpark entstehen soll, oder ob Mineralrechte vergeben wurden (Grubenausbau), usw.).

Und bitte vergessen Sie - besonders, wenn Sie von Nicht-Schweden kaufen - nicht zu fragen, warum das Objekt verkauft wird.

4. Lassen Sie Ihr Traumhaus von einem ortsansässigen Fachmann begutachten. Gerade im Inland sind die Häuser völlig anders als in Kerneuropa gebaut. Oft stammen die Häuser aus einer Zeit, in der es noch keine richtigen Bauvorschriften gab. Es handelt sich in der Regel um Holzhäuser. Diese sind mit häufig von Problemen geplagt und mit Mängeln behaftet, die in Kerneuropa in dieser Form unbekannt sind (z.B. häufig ausgeprägte Schimmelprobleme ("Mögel"), die zu Gesundheitsgefährdungen und erheblichem Beseitigungsaufwand führen). Über ortsansässige Bausachverständige kann Ihnen meistens das Bauamt auf der jeweiligen Gemeinde einen Tipp geben. Auch Banken sind hier wieder gute Informationsquellen. Beachten Sie das nicht, kann der Traum sehr schnell zum Albtraum werden. 

5. Vergleichen Sie die Preise mit denen auf dem innerschwedischen Markt. Makler, die auf Auswanderer spezialisiert sind, vermitteln oft Objekte zu völlig überhöhten Preisen. Mehrfach habe ich von 5 bis 10-fach überhöhten Preisen gehört.

Für Ihre Marktrecherchen bieten sich die innerschwedischen Plattformen an. Die wichtigsten Links zur Immobiliensuche auf dem schwedischen Markt sind:

www.blocket.se und www.hemnet.se

6. Der Immobilienkauf geht einfach und schlicht vonstatten. Es gibt keine zwingende notarielle Beurkundung. Es genügt eine Vereinbarung auf dem sprichwörtlichen "Butterbrotpapier". Seien Sie bitte auch hier sehr zurückhaltend und vorsichtig. Wenn Sie sprachlich nicht verstehen, was Sie unterschreiben, dann unterschreiben Sie bitte nicht. Holen Sie Expertenrat ein. Auch hier sind die ortsansässigen Banken oft eine wertvolle Hilfe. Über die Bank bekommen Sie z.B. schnell und unkompliziert Grundbuchauskünfte und Hinweise zu eventuellen Belastungen.

7. Zu guter Letzt: Wir wünschen Ihnen für Ihr Auswanderungs- oder Immobilienprojekt von Herzen alles Gute. Planen Sie, denken Sie und handeln Sie bitte wohlüberlegt!

Renovierungsbedürftig / In need of some repair
- Renovierungsbedürftig? / In need of some repair? -


 

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"Alltag in Schweden" von Delia Kübeck in der zweiten Auflage erschienen

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Im April 2009 war die erste Auflage des Ratgebers für Auswanderer „Alltag in Schweden“ von Delia Kübeck erschienen. Ich hatte hier darüber berichtet.

Kürzlich ist nun bereits die aktualisierte zweite Auflage dieses sehr empfehlenswerten Buches erschienen. Geradezu ein „muss“ für alle, die ans „Umziehen“ nach Schweden denken. Eine hervorragende Information über alle wichtigen Grundlagen. Natürlich empfehlen wir in jedem Fall eine zusätzliche individuelle Beratung und einen individuellen Auswanderungsplan.

Die zweite Auflage ist unter der ISBN 978-3-934918-51-1 ab sofort im Buchhandel erhältlich. Am einfachsten können Sie das Buch hier direkt bei Amazon bestellen:



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Richtig Auswandern (2)

Eine weitere wichtige Regel:

Deine Zeit und Dein Zeitbegriff sind nicht das Mass aller Dinge!

Nimm Dir Zeit!

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Fika

Wieder ein solches Motiv, das sich im “Augenwinkel” beim Vorbeifahren bemerkbar gemacht hat. Dieses deutliche Gefühl, dass da eben etwas besonderes am Strassenrand zu sehen war. Also: Blick in den Rückspiegel, Bremsen, Anhalten, Schauen, Fühlen, Knipsen.

Fika


Einige Arbeiter hatten sich eine Sitzgruppe im Freien eingerichtet, um die Fikapause in der Sonne verbringen zu können. Ein wunderbares Motiv, um einige Zeilen über die Institution der Fikapause in Schweden zu schreiben.

Die Fika

Eine schwedische Institution, die den Alltag prägt: Die Fika. Was steckt dahinter?

Oft wird der Begriff Fika mit “Kaffeepause” übersetzt. Das trifft den Kern aber nicht richtig. Denn zum einen gibt es in aller Regel auch einen Happen dazu, zum anderen - viel wichtiger - dient die Fikapause dem sozialen Austausch.

Gerade “auf Arbeit” ist die Fika keine echte Pause, sondern eine lebendige Informationsrunde, in der alle Themen - private wie berufliche - auf einer wunderbar informellen Basis angesprochen und diskutiert werden.

Deswegen ist es treffender, die Fika als eine Art typisch schwedische Institution zu verstehen. Die klassische Morgenfika liegt übrigens zeitlich ungefähr gegen 9 Uhr 15, die Mittagsfika gegen 15 Uhr 15. Aber auch Abends ist eine Fikapause essentieller Bestandteil fast jeder Veranstaltung.

Übrigens: Richtig und völlig zutreffend ist es, dass Schweden in Sachen Kaffeeverbrauch beinahe an der Weltspitze liegt. Einige statistische Auswertungen in grafischer Form (Verbrauch pro Person in Kg, Liter, und Tassen pro Tag) gibts übrigens hier auf der Seite kaffeinformation.se.

Das geflügelte Wort dazu lautet: Das Schlimmste, das geschehen kann ist, unerwarteten Besuch zu bekommen, und keinen Kaffee im Haus zu haben :)


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Richtig Auswandern (1)

Die vielleicht wichtigste Grundregel:

Sage niemals „Das weiss ich (alles schon)“.

Denn dem ist nicht so, und Du verbaust Dir damit jede Menge Beziehungen, Einsichten, Erkenntnisse, usw.

Frage stattdessen und höre aufmerksam und mit echtem Interesse zu!


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Neue Serie: Auswandern, aber bitte richtig

Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit dem Phänomen der Auswanderung in allen seinen Facetten. Für die meisten Fälle ist Auswanderung übrigens schlicht das falsche Wort. Innerhalb der Europäischen Union (EU) wäre Umzug das treffendere Wort. Denn von z.B. Deutschland oder Österreich nach Schweden zieht man eher lediglich um. Wir bleiben hier trotzdem beim Begriff Auswandern, weil er in diesem Zusammenhang besser eingeführt ist. Bitte aber im Hinterkopf behalten, dass innerhalb der EU das Wort Umzug treffender ist.

Zurück zum Thema. Es scheint (leider?!) einen Bedarf nach analytischen Artikeln zum Thema zu geben. Wir haben mit sehr vielen Auswanderern gesprochen und uns viele persönliche (Weg-)Geschichten angehört. Manche sehr erfreulich, andere leider - wenn auch oft aus nachvollziehbaren Gründen - äusserst unerfreulich.

Deswegen haben wir uns zu einer kleinen Serie unter dem Titel “Richtig Auswandern” mit einigen provokativen aber hilfreichen Thesen entschlossen, die das Thema aus ungewohnten Perspektiven betrachten angehen.

Keine Angst: Es geht nicht um die Selbstverständlichkeiten, für die es bereits massenweise hochwertige Literatur in Form von Büchern und Anleitungen gibt. Dass sich potentielle Auswanderer gehörig mit den organisatorischen und rechtlichen “Basics” vertraut machen, setzen wir einfach mal voraus. Obwohl auch hier leider Zweifel angebracht sind. Ein Blick in einschlägige Foren zur Frage, wie und wo eine Personnennummer in Schweden beantragt wird, weckt Schwindelgefühle ob des Unsinns der teilweise verzapft wird. Das Unverständnis wird umso grösser, als es - wie gesagt - zu den grundlegenden Fragen für beinahe alle Auswanderungsländer dieser Erde mittlerweile hochwertige Literatur gibt.

Nein, hier soll und wird es um die Dinge gehen, die mehr grundlegend und “sophisticated” sind. Wir haben die Serie so designed, dass wir einen Beitrag pro Woche dazu posten werden. Denn eigentlich geht es hier im Blog ja viel mehr um Kunst und Fotografie.

Am wichtigsten ist es, dass Sie vor Ihrer Auswanderung strukturiert und strageisch vorgehen. Erstellen Sie Ihren persönlichen Auswanderungsplan. Genau so, wie Sie für eine Geschäftsgründung einen Businessplan erstellen würden. Einen wunderbaren Beitrag von Seth Godin zur Frage, was ein Businessplan eigentlich enthalten sollte finden Sie übrigens hier (Englisch).

So, das war der “Pilotbeitrag”. Richtig einsteigen werden wir mit These 1 in einigen Tagen. Stay tuned!


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Wissenswertes über Västerbotten

Wussten Sie schon:

- dass Västerbotten ein Achtel der Fläche Schwedens ausmacht, aber nur 2,8 der schwedischen Bevölkerung in Västerbotten wohnen und leben?

- dass sich die kleinste Kommune Schwedens - Bjurholm - in Västerbotten befindet undam 31.12.2008 nur 2.516 Einwohner auf 1.316 Quadratkilometern hatte?

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Sürströmmingspremiär i Lappland / Sürströmmingspremiär in Lappland

Sürströmmingspremiär Sürströmming

Am dritten Donnerstag im August ist der Startschuss für die Sürströmmingssaison in Schweden. Für die einen ist Sürströmming einfach “Stinkefisch”, für andere eine Delikatesse. Was verbirgt sich hinter dieser schwedischen Spezialität?

Hauptbestandteil des Surströmming sind eingelegte Ostseeheringe. Diese werden im Frühjahr gefangen und dann in Salzlake eingelegt, wo sie zu gären anfangen. Etwa einen Monat vor dem Start der Saison werden die Fische eingedost und gären in den Dosen dann weiter. Das führt dazu, dass sich die Dosen mit zunehmenden Alter ausbeulen und der Druck in den Dosen mehr und mehr zunimmt.

Der Start für die Sürströmmingssaison (dritter Donnerstag im August) war bis 1998 durch eine Königliche Richtlinie aus dem Jahr 1937 geregelt. Damit sollte gewährleistet werden, dass der Fisch fertig gereift und für den Verzehr verwendbar ist. Diese Richtlinie wurde 1998 aufgehoben; das “klassische Datum” ist aber erhalten geblieben.

So haben auch wir am Donnerstag den Beginn der Sürströmmingssaison mit einem “Sürströmings-Fest” gefeiert und das natürlich auch fotografisch dokumentiert.

Eine Anleitung zum “Sürströmmen”:

Die Dose mit den vergorenen Fischen sollte unbedingt draussen geöffnet werde. Am besten ist es zunächst unter einer Plastiktüte ein Loch in den Deckel der Dose zu stechen, damit der Überdruck aus der Dose entweichen kann. Ist der Inhalt der Dose bereits gut vergoren kann es sein, dass einem dabei eine Fontäne der Salzlake entgegen kommt (daher in der Plastiktüte anstechen!). Sogleich verbreitet sich der Duft aus der Dose, der von manchen als unerträglich, von anderen als “Duft Lapplands” empfunden wird. Dann wird die Dose (immer doch draussen) mit einem Dosenöffner geöffnet und nach innen gebracht. Wenn das Wetter partout zu schlecht ist, um zum Öffnen der Dose nach aussen zu gehen, kann der Deckel der Dose auch alternativ im Haus unter Wasser (Badewanne oder Eimer) angestochen werden.

Einige Heringe werden filetiert und auf mit Butter bestrichenes, hartes oder weiches Tunnbröd gelegt.

Zum Surströmming benötigt man weiter: Kartoffeln (bevorzugt Mandelpotatis), gehackte Zwiebeln (rote sind besonders fotogen), Saure Sahne und in Scheiben geschnittene Tomaten. Das alles wird auf dem Esstisch angerichtet.

Man nimmt sich nun einen Fisch aus der Dose, schlitzt diesen am Bauch auf und breitet ihn aus. Die - eventuell vorhandenen - Innereien werden herausgekratzt und das Rückgrat mit den Gräten (am einfachsten mit einer Gabel) entfernt. Dann kratzt man das Fleisch ab. Die Reste kommen gleich auf einen Abfallteller.

Dann legt man eine Scheibe Tunnbröd auf den Teller und eine Kartoffel darauf. Diese wird mit der Gabel zerdrückt und gleichmässig verteilt.  Auf die Kartoffel verstreicht man sodann gleichmässig den essbaren Teil des Fisches. Darüber kommt eine gleichmässige Schicht Saure Sahne (geht auch in der Reihenfolge anders herum). Schliesslich werden die zerhackten Zwiebeln darüber gestreut und Tomatenscheiben darauf gelegt. Und fertig ist das Sürströmming. Jetzt heisst es Atem anhalten, reinbeissen und essen :)

Traditionell wird zum Sürströmming kalte Milch getrunken, was die Magenverträglichkeit deutlich erhöhen soll.

Sürströmming wird relativ langsam und mit Bedacht verzehrt. So hat auch der sehr eigene Duft genug Zeit, sich in Küche, Esszimmer und Wohnung zu verteilen. Die Nase gewöhnt sich schnell an den Geruch. Sollten Sie das Zimmer oder Haus aber kurz veranlassen, werden Sie sich beim Wiederkommen schon sehr über den intensiven Duft wundern :)

Die Sürströmmingssaison ist für echte Schwedenfans übrigens ein willkommener Anlass für einen Urlaub oder Kurzurlaub in Schweden. 

Schliesslich noch etwas Statistik: Norra Västerbotten hat in der Printausgabe am Donnerstag berichtet, dass in Norrland dieses Jahr 650 Tonnen Sürströmmingsfisch für den Verkauf vorbereitet wurden. 

Damit Sie Sürströmming richtig nachvollziehen (und auch zu Hause essen) können, haben wir eine Bildergalerie für Sie zusammen gestellt.
  
-> Hier gehts zur Galerie: Sürströmmingspremiär

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Sürströmmingspremiär


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TIPP - Neuerscheinung: Alltag in Schweden - Auswandern, Leben und Arbeiten

-> UPDATE JUNI 2010: MITTLERWEILE LIEGT DIE ZWEITE AUFLAGE VOR. MEHR DAZU HIER.

Vor ein paar Tagen ist mir eine sehr interessante Neuerscheinung auf den Schreibtisch geflattert: Das neue Buch „Alltag in Schweden - Auswandern, Leben und Arbeiten“ von Delia Kübeck, erschienen im Conbook-Verlag.

Das Werk verspricht, ein praktischer Ratgeber für alle Neuankömmlinge zu sein. Und das ausführliche Inhaltsverzeichnis macht wirklich Laune. In 33 Kapiteln findet sich so ziemlich alles, wonach üblicherweise gefragt wird.

Mir scheint das Werk nicht erst für die Neuankömmlinge, sondern generell für alle ernsthaft am Thema Auswanderung Interessierten ein echter Geheimtipp zu sein.

Wer gleich noch mehr wissen will findet auf der Homepage des Conbook Verlages hier mehrere Leseproben als PDFs.

Das Buch wandert jetzt auf meinen Nachttisch und ich freue mich sehr auf die Lektüre. Eine umfassende Rezension folgt nach der detaillierteren Lektüre :)

Am einfachsten können Sie das Buch direkt hier bei Amazon bestellen:



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Neue Behörde in Schweden: Transportstyrelsen

Eine wichtige Information:

Zum 1.1.2009 hat eine neue Behörde in Schweden die Arbeit aufgenommen, der Transportstyrelsen.

Die neue Behörde ist nun für alle Fragen der Luftfahrt, Seefahrt, Eisenbahn und des Strassenverkehrs zuständig. So erfolgen z. B. Online-Anmeldungen bzw. Abmeldungen von KfZ seit dem 1.1. dieses Jahres über den Transportstyrelsen.


Zum 1.1.2010 wird die Behörde auch die Zuständigkeit für Führerscheinsachen übernehmen, die bislang noch bei den Landesverwaltungen (Länsstyrelsen) liegt.

Die Homepage der neuen Behörde finden Sie hier. Wer des Schwedischen (noch) nicht mächtig ist: Etliche Teile der Homepage sind auch auf Englisch verfügbar.

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En ny blogg från Malå / Ein neues Blog aus Malå

Neue Einwohner in Malå aus Holland:

Vor zwei Wochen sind Saskia und Frank nach Malå gezogen.

Über Ihre spannenden Erlebnisse und Erfahrungen bloggen die beiden hier (auf Holländisch).

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Rezension: Hiltrud Baier - Schwedenträume - Neubeginn im hohen Norden

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Kürzlich habe ich berichtet, dass mit ein Rezensionsexemplar des neuen Werkes von Hiltrud Baier auf den Schreibtisch geflattert ist.

„Schwedenträume - Neubeginn im hohen Norden“ heisst das neue Werk, das gerade im Books on Demand Verlag erschienen ist.

Es ist ein Buch über die Liebe und über das Auswandern. Wobei ich mich frage, ob es in Europa nicht vielleicht in Zukunft nur noch “umziehen” statt “auswandern” heissen müsste. Aber das ist eine andere Frage.

Hiltrud nimmt uns mit auf Ihre ganz persönliche Reise und die beginnt mit der Liebe. Noch in Deutschland lernt Sie Tom, Ihren neuen Partner kennen, der Ihr nach kurzer Zeit eröffnet, dass er demnächst nach Schweden auswandern wird. Zunächst ist Sie wie erschlagen, doch die Liebe siegt. Zunächst die Liebe zum Tom, dann die Liebe zu Schweden.

So nimmt uns Hiltrud in Ihrem Buch mit auf Ihre oft nicht ganz problemlose Reise. Das Buch ist dabei sehr ansprechend nach Monaten gegliedert (ein Jahr von April bis März).

Mit gefällt die Beschreibung Ihres “Loslösungsprozesses” sehr gut. Wer das persönlich auch schon erlebt hat wird wissen, was ich damit meine.

Faszinierend ist, wie Hiltrud in Ihre ganz persönliche Geschichte jede Menge wertvoller Informationen über Schweden, die hiesige Mentalität, das Alltagsleben mit den Alltagssorgen und auch spezielle Themen, wie z. B. Behördenkontakte, integriert.

Das macht das Werk zur hochaktuellen Informationsquelle für alle, die sich auch mit dem Gedanken ans „Umziehen“ nach Schweden befassen. Ein Beispiel: Hiltrud schildert sehr schön - und nach eigenen Erfahrungen absolut zutreffend - wie man sich in Schweden richtig bewirbt.

Auch die von Ihr geschilderten Probleme mit dem Erlernen der Sprache sind plastisch und hilfreich aufbereitet. Sie schildert Ihren Alltag ganz ehrlich und authentisch.

Mein einziges Minus ist typographischer Natur: Der Satzspiegel mit sehr sparsamen Trennungen und einem für mein Auge sehr unruhigen “Flatterrand” ist unschön. Aber das lässt sich in der nächsten Auflage bestimmt noch perfektionieren.

Fazit: Die Autorin nimmt uns mit auf eine spannende, lehrreiche und unterhaltsame Reise. Ein gut und angenehm lesbares Werk, das ich allen über Auswanderung nach Schweden nachdenkenden Menschen sehr empfehlen möchte. Ein echter Lesetipp!

Und dem Schluss des Buches nach zu schliessen, wird es bald auch noch einen Band 2 mit weiteren Einsichten und Informationen geben.

Mehr zum Werk und zur Autorin finden Sie auf dieser Website.

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Schwedenträume - Neubeginn im hohen Norden

Gerade flattert mir das neueste Buch von Hiltrud Baier „Schwedenträume - Neubeginn im hohen Norden“ als Rezensionsexemplar auf den Schreibtisch. Hiltrud berichtet übers Auswandern und die unglaubliche Schönheit Lapplands - da kann ich nur zustimmen.

Weitere Infos gibt es auf Hiltruds Homepage www.norrbooks.com. Das Buch ist bereits als Abendlektüre für die nächste Woche gebucht und eine ausführliche Rezension folgt.

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En vecka med Jan och Giedo / Eine Woche mit Jan und Giedo

Eine sehr schöne und angefüllte Woche ist vorüber gegangen. Jan von der Mierden und Giedo Vissers waren zwei Holländer in Lappland zu Besuch, die hierher auswandern wollen. Jan und Giedo waren sozusagen die "Vorhut" für die beiden Familien, die sich wahrscheinlich im Laufe des Jahres hier niederlassen wollen.

Auch Norra Västerbotten hat hier über die Rundreise der hoffentlich bald hier eintreffenden neuen Lappländer berichtet.

Jan und Giedo sind in den 7 Tagen, die die beiden hier waren, übrigens insgesamt 2.740 Km gefahren. Die beiden haben sich wirklich gründlich und vorbildlich informiert. Tack Jan, tack Giedo!

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Falls Sie sich auch mit dem Gedanken tragen, hierher umzusiedeln:

Üblicherweise schlagen wir allen Interessenten eine "Rundtour" durch die Kommunen Malå, Norsjö, Lycksele und Skellefteå vor. Normalerweise verteilen wir dieses Programm auf eine Woche. Selbstverständlich sind wir aber flexibel und können ganz individuell auch einen anderen "Zuschnitt" anbieten.

Für die Anreise zur "Schnuppertour" empfehlen wir Ihnen, nach Arvidsjaur oder Lycksele zu fliegen. Die günstigsten Flüge haben Sie, wenn Sie einen Billigflug nach Stockholm-Arlanda wählen und dann mit Skyways (http://www.skyways.se/) innerschwedisch weiterfliegen. Zu den Anreisemöglichkeiten werde ich demnächst noch etwas ausführlicher schreiben.

Wenn Sie Malå, Norsjö und Lycksele besuchen, steht Ihnen unsere Ferienwohung zur Verfügung; für den Aufenthalt in Skellefteå, empfehlen wir dort den Stiftsgården (eine günstige Unterkunft, die von der Svenskakyrka betrieben wird).

Wenn Sie spezielle Fragen haben dürfen Sie mich selbstverständlich gerne jederzeit kontaktieren.

Übrigens: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie sich mit dem Leben hier arrangieren können, bieten wir Ihnen auch längere "Schnupperaufenthalte" (von bis zu 3 Monaten Dauer) an. Sprechen Sie uns einfach an.

Ich würde mich sehr freuen, Sie bald hier in Lappland begrüssen zu dürfen!

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