Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!

Aufmerksame Leser kennen die Rubrik „Europäisches“ schon. Hier geht es um die existentiellen Probleme der Menschheit und des täglichen Lebens, derer sich die EU in Form allgemeinverbindlicher Regelungen zur Erhaltung von Weltfrieden und Umwelt (sprich: Klima) unbedingt schleunigst annehmen sollte.

Während des dramatischen Kälteeinbruchs der vergangenen Tage in Lappland - das Thermometer sank bedenklich nahe an die Grenze von minus 40 C - habe ich wesentliche Teile des Tages damit verbracht, Holz in den Ofen zu stapeln. Aber um die jüngste Kälte soll es hier nur mittelbar gehen.

Jedenfalls: Manchmal ging der Ofen aus und ich musste ihn neu anfeuern. Dazu eignen sich alte Zeitungen ganz besonders, womit übrigens zugleich auch klar beweisen wäre, dass die Zukunft des klassischen Journalismus zumindest in kalten Regionen gesichert ist. Vielleicht freilich mit einem anderen Geschäftsmodell, denn die Zeitung von gestern brennt eben so gut, wie die von heute. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion, die zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden kann.

Als ich also so mein Anfeuerpapier auf dem Holz verteilte, fiel mir eine grosse Tüte mit Toilettenpapierrollenkernen in die Hände. Sehr schön, denn die brennen sehr gut. Eines fiel mir aber auf: In Länge, Wandungsstärke und Durchmesser unterschieden sich die Toilettenpapierkernrollen. Sehr merkwürdig. Und während ich dann ans Zündeln ging und in die Flammen starrte, entfaltete sich die ganze Tragweite vor meinem geistigen Auge: Im Unterschied zur Grösse von Eiskugeln (über die wir hier schon ausführlich gesprochen hatten) ist die Erforderlichkeit allgemeiner europarechtlicher Vorschriften zu Toilettenpapierkernrollen äusserst akut. Schliesslich handelt es sich um einen Artikel des täglichen Bedarfs in der allgemeinen Bevölkerung.

Nach aktuellen Statistiken liegt der Durchschnitt an verbrauchtem Toilettenpapier in der EU bei satten 13 Kg (in Deutschland liegt er bezeichnenderweise sogar noch darüber: 15 Kg).

Können Sie sich vorstellen, über wie viele Toilettenpapierrollen wir also reden?

Rechnen wir doch einmal: Das durchschnittliche Gewicht einer Toilettenpapierrolle liegt bei 100 Gramm. Wir teilen 13 Kilo durch 100 Gramm und es ergeben sich 130 Toilettenpapierrollen pro Jahr und EU-Bürger. Die EU hat derzeit 508 Millionen Einwohner. Das ergibt 66040000000 (auf Deutsch ungefähr 66 Milliarden) Toilettenpapierrollen pro Jahr in der gesamten EU. Eine völlig unvorstellbare Menge. Sammeln Sie einmal 10 Toilettenpapierkernrollen und legen Sie diese vor sich auf den Tisch; und jetzt stellen Sie sich 66 Milliarden Stück davon vor.

Wie ich bereits erwähnt habe, unterscheiden sich die im Feldversuch untersuchten Toilettenpapierkernrollen in Länge, Wandungsstärke und Durchmesser (schwacher Trost: immerhin sind sie alle aus Recyclingspapier hergestellt).

Kurz und gut: Ein Fall von Intransparenz und Irreführung par excellence. Der Verbraucher muss geradezu getäuscht werden. Denn selbst wenn der Rollendurchmesser aussen gemessen derselbe ist, sagt das überhaupt nichts über die Menge an Papier auf der Rolle aus, wenn die Kerne unterschiedlich sind. Von den feinen Unterscheidungen zwischen ein-, zwei-, drei- und vierlagigem Papier wollen wir einmal ganz absehen. A propos: Wenn wir schon bei Neuregelungen sind, dann machen wir gleich das zweilagige Toilettenpapier zum Standard. Etwas Luxus wird dabei gegen Belange des Umweltschutzes abgewogen. Die Struktur für die Prägung und ein alternatives Muster legen wir auch gleich fest.

Hinzu kommt ein Weiteres: 66 Milliarden Toilettenpapierkernrollen schreien geradezu nach Wiederverwertung. Ein neues Recyclingsystem muss her. Da werden 66 Milliarden Stück eines wertvollen und recyclingfähigen Gebrauchsproduktes jährlich einfach weggeworfen. Ein unvorstellbarer Skandal.

Nebenbei gäbe es noch einen weiteren interessanten Aspekt der Gleichheit: Es soll doch tatsächlich EU-Länder gegen, in denen das Toilettenpapier (noch) nicht auf Rollen im Handel ist. Das ist gleich der nächste Skandal, der im Zuge einer umfassenden Regelung mit erledigt werden könnte.

Während meine Gedanken heisslaufen und ich mich mit Frau Lapplandblog darüber austausche - Sie holt übrigens zunächst das Fieberthermometer, was ich nicht ganz verstehe - wirft Sie den klugen Gedanken in den Ring, dass es ein Hygieneproblem geben könnte. Aber kein Problem, dass nicht durch eine saubere Normierung und juristische Regelungen gelöst werden könnte. Der EU-Einheits-Toilettenpapierrollenkern muss aus einem gewichtsarmen desinfizierbaren Recyclingplastik hergestellt werden, dass mindestens eine bestimmte Anzahl von Wiederverwertungs- sprich Desinfektionszyklen toleriert (Vorschlag: zehn).

Liebe Eu-Kommission, meine Vorschläge für eine neue EU-Rechtsverordnung zur Einführung und Vereinheitlichung von Toilettenpapierrollenkernen sind:

1. Regelungen zur Verbindlichkeit des Feilhaltens von Toilettenpapier auf Rollen.

2. Vorschriften zur EU-weiten Verbindlichkeit des zweilagigen Toilettenpapiers samt Regelungen über die zu verwendenden Papierarten. Ausnahmen für hochrangige Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens können vorgesehen werden.

3. Regelungen zu Länge, Wandungsstärke, Durchmesser und Gewicht der Toilettenpapierrollenkerne.

4. Regelungen zu den zulässigen Materialien der Toilettenpapierrollenkerne.

5. Vorschriften über die Einführung eines neuen europaweiten Recyclingsystemes; insbesondere zu den einzuhaltenden Desinfektions- und Hygienestandards.

Dieser Vorschlag ist übrigens alternativlos, wenn der Niedergang von Wirtschaft und Umwelt noch abgewendet werden soll.

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Der Stein des Anstosses und die Wurzel des Übels: Toilettenpapierrollenkerne

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