Rezension: “Stockfotografie” von Robert Kneschke

-
this shot by petra fuelbert -
Intro
Zu diesem Buch kommt mir ein bedeutungsschwerer
Satz in den Sinn:
Know-How ist wie Liebe: Es wächst und nimmt
zu, wenn es weiter gegeben und geteilt
wird.
Ich lasse die Katze gleich zu Beginn aus dem
Sack: “Stockfotografie” von Robert Kneschke ist
ein Buch, das mich begeistert. Und das aus
einer ganzen Reihe von Gründen.
Und noch etwas möchte ich gleich am Anfang
klarstellen: Ich ziehe ich meinen Hut, dass
Robert in diesem Buch eine so unglaublich
grosse Fülle an wertvollem und verwertbarem
Know-How weitergibt. Alle Achtung und ein
grosses Kompliment. Denn Robert ist einer der
nicht allzu vielen Fotografen in Deutschland,
die von reinem Stock ganz gut leben können. Er
hätte also eigentlich gar keinen Grund, grosse
Teile seines Know-Hows so offen zu teilen.
Die Rezension
Wie immer zuerst zu den
“Äusserlichkeiten”: Das Buch
kommt im Format etwas über DIN A5 daher (17x24
cm) und hat 416 Seiten. Das Druckbild ist sehr
angenehm. Wichtige Hinweise und Anmerkungen
sind praktisch und zugänglich in kleine graue
Kästchen an den Layoutrand gerückt. Mich stört
einzig, dass das Papier etwas zu sehr “glänzt”.
Ich habe die Leselampe direkt über meinem
Schreibtisch, was das Lesen teilweise erschwert
hat. Keine grosses Problem allerdings, denn bei
40 Grad Neigung auf dem Leseständer sind die
Reflektionen wieder verschwunden.
In anderen Rezensionen wurde bereits darauf
hingewiesen, dass der Hauptteil des Buches in
Schwarz/Weiss gehalten ist. Ab Seite 385 findet
sich im Anhang B ein farbiger Bildteil. Ich
finde diese Lösung sehr gut, denn dadurch
werden Druckkosten gespart. Und das schlägt
sich unmittelbar im Preis nieder: Mit 24,95
Euro ist das Buch ein echtes
Schnäppchen.
Vergleichende Anmerkung dazu am Rande:
Vor einigen Monaten hatte ich mir - mehr aus
Neugier - ein anderes Buch zum Thema
Stockfotografie bestellt, das mich masslos
enttäuscht hatte. Dieses bot in knapp über 100
Seiten für 14,95 Euro nur äusserst spärlichen
Inhalt (nichts verwertbares) und war schlicht
ein Totalausfall. Schade um jeden Baum, der für
das Buch gefällt werden musste. Ganz anders
indes “der Kneschke”: Geballtes Know-How zum
sensationsverdächtigen
Preis-/Leistungsverhältnis!
Nun aber zum Inhalt. Autor und
Lektor haben eine sehr gute Arbeit abgeliefert.
Das Buch zeichnet sich durchgängig durch eine
flüssige, gut lesbare und trotzdem der
jeweiligen Problemtiefe angemessene Sprache
aus. Das Lesen selbst längerer Textpassagen ist
angenehm und nicht anstrengend.
Das Buch besteht aus zwei
Hauptteilen. Im ersten Teil (Teil A,
Seite 13-174, Kapitel 1-14) geht es ums
“Fotos machen”. Im zweiten
Teil (Teil B, Seite 175-362, Kapitel 15-30)
gehts es dann ums “Fotos
verkaufen”. Ergänzend kommen 2 Anhänge
hinzu. Im bereits erwähnten Anhang B finden
sich viele Farbfotografien. Im Anhang A finden
sich ein gut gemachtes Glossar, Textmuster und
jede Menge aktuelle Weblinks.
Der Verlagswerbung nach richtet sich das Buch
“sowohl an Neulinge in dem Bereich der
Stockfotografie, die mit ihrem Hobby ein paar
Euro nebenbei verdienen wollen, als auch an
Hobby-Fotografen, die schon seit Jahren Fotos
verkaufen und nun den Sprung in die Profi-Liga
schaffen wollen.” Eine grosse Herausforderung,
diese unterschiedlichen Niveaus “unter einen
Hut zu bringen”. Kann das Werk diesem Anspruch
genügen? Meiner Ansicht nach ja, denn die
sehr gute und detaillierte
Gliederung gibt dem fortgeschrittenen
Leser die Möglichkeit, sich zunächst gezielt
seinen Wunschthemen zu widmen.
Kleiner Exkurs dazu: Angenommen ein
potentieller Buchkäufer versteht sich bereits
gut auf die technisch-fotografischen Aspekte
und ist primär an der Funktionsweise des
Stockfotografie-Marktes und an den Feinheiten
der Verkaufsseite interessiert. Dieser Leser
würde im ersten Teil des Buches auf 4 Kapitel
verzichten können. Würde sich der Rest des
Buches dann trotzdem noch lohnen? Absolut, denn
immerhin blieben noch 26 Kapitel mit wichtigem
Inhalt übrig. Ergo: Wer sich schon auf die
Grundlagen der Fotografie versteht und sich
speziell mit dem Fotoverkauf über Stock
beschäftigen möchte, liegt mit dem Buch auch
völlig richtig. Denn gerade in den
Stock-spezifischen Kapiteln kann Robert sein
Insiderwissen besonders gut
ausspielen und an die Leserin und den Leser
bringen.
Übrigens: Die bereits “fotokundigen” Leser
sollten in jedem Fall der Versuchung
widerstehen, lediglich den zweiten Teil des
Buches zu lesen. Denn auch im ersten Teil
stecken jede Menge spezifische Informationen
zur Stockfotografie. Das fängt schon mit der -
eigentlich ziemlich grundlegenden Frage - nach
den geeigneten Motiven für Stock in den
Kapiteln 5 und 6 an.
Zurück zur Gliederung:
Gliederungen sind im Regelfall ein genereller
Masstab dafür, wieviel sich ein Autor mit der
Materie auseinander gesetzt, und diese
durchdrungen hat. Und an dieser Stelle kann ich
Robert nur ein dickes Lob aussprechen. Es ist
ihm gelungen, das Thema umfassend abzudecken
und übersichtlich und nachvollziehbar zu
gliedern. Die einzelnen Kapitel (und
grösstenteils auch Unterabschnitte) sind aus
sich selbst heraus verständlich (d.h. sie sind
„einzeln“ lesbar).
In diesen Zusammenhang gleich noch ein
weiteres dickes Lob: Manche
Punkte verraten, wie intensiv Robert in der
Materie beheimatet ist. Wichtige Punkte, die
allerdings nicht ohne weiteres offensichtlich
sind. Als ein Beispiel seien die Ausführungen
in Kapitel 20.5 genannt. Dort geht es um die
Sensibilisierung für die Frage, was mit den bei
Bildagenturen online gestellten Bildern beim
Tod des Fotografs geschieht. Robert bietet
natürlich keine erschöpfende erbrechtliche
Aufarbeitung der Frage. Das ist selbstredend,
denn dies ist Sache der Spezialisten und würde
vom Umfang her an den Umfang von Roberts Buch
heranreichen. Aber er sieht das Problem, greift
es auf und gibt einige sehr gute Praxistipps,
an was der Fotograf sinnvollerweise zu
Lebzeiten denken sollte, um die Situation für
seine Erben (bzw. einen Vermächtnisnehmer)
handhabbar zu machen.
Das führt uns zu einem weiteren Einwand, der
grundsätzlich allen Handbüchern und Kompendien
gegenüber gebracht werden kann. Ist der
Tiefgang bei allen behandelten
Themen - und das sind ja nicht wenige -
ausreichend? Die Antwort fällt geteilt aus. Wer
ein fototechnisches Grundlagenbuch sucht, liegt
hier vermutlich falsch, auch wenn Robert viele
grundsätzliche Fragen in diesem Bereich
mitbehandelt. Wer einen umfassenden
Rechtsratgeber zum Fotorecht sucht, liegt auch
falsch. Denn in diesem Buch geht es zunächst um
Stockfotografie-spezifisches
Know-How und die Verzahnung
dessen mit verschiedenen anderen fotografischen
und nichtfotografischen Themen. Und
gerade diese Verzahnungen, z.B. mit dem
Erbrecht, machen das Buch besonders wertvoll
(ohne in den Randbereichen ein spezielles
Fachbuch oder eine Beratung ersetzen zu können
und vermutlich auch zu wollen).
Interessant finde ich übrigens auch, dass
Robert seine Weitsicht und die Einsicht in die
Dynamik der Materie beweist, indem er sich auch
den Themen Stockaudio und Stockvideo annimmt.
Besonders spannend wird es dann natürlich im
zweiten Teil des Buches. Hier legt Robert einen
ersten Schwerpunkt auf die in der Praxis
besonders wichtige und besonders oft vor
Probleme stellende
Verschlagwortung. Anschaulich
und mit vielen Tipps - und wertvollen Links -
erklärt und beschreibt er die verschiedenen
Möglichkeiten.
Besonders informativ und hilfreich sind auch
die Tipps und Hinweise zur Auswahl der
passenden Agentur nebst einer aktuellen
Übersicht von 17 Agenturen, die derzeit
“trendy” sind. Auch das Thema Statistik
und Beurteilung derselben kommt nicht
zu kurz. Schliesslich gilt es ja, die eigenen
Portfolios immer weiter zu optimieren.
Hilfreich schliesslich auch die Hinweise im
Kapitel 26 (Versicherungen und Vereine),
insbsondere der Hinweis zur
Berufsgenossenschaft Druck und Papier. Gerade
weil die Pflichtmitgliedschaft in
Berufsgenossenschaften für diverse
Berufsgruppen ein lang veraltetes
Markthindernis ist (das schön längst
abgeschafft sein sollte), ist es z. B.
besonders wichtig zu wissen, dass deren
Damoklesschwert über praktisch allen
Stockfotografen schwebt.
Das Kapitel zum Thema Steuern - leider oft ein
abschreckendes Thema in vielen Büchern - wird
dem Leser praxisnah vermittelt. Ich hätte
vielleicht noch den Hinweis ergänzt, dass die
Inanspruchnahme externer Hilfe dem
Stockfotografen hier die Möglichkeit bietet,
sich mehr auf sein Kerngeschäft zu
konzentrieren. Erstaunlich und unerwartet
schliesslich ein - allerdings sehr kurzes -
Kapitel zu möglichen Berufserkrankungen.
Wiederum sehr hilfreich - und zugleich auch
sehr sympathisch - ist das Kapitel 29, in dem
Robert nicht nur die Einnahmen
verschiedener international bekannter
Stockfotografen, sondern auch Teile seiner
eigenen Zahlen zusammen getragen hat. Das hilft
dem Leser, ein “Gefühl” für das Marktvolumen
und die zu erzielende Grösse individueller
“Kuchenstücke” zu gewinnen.
Fazit: Robert
Kneschke zeigt in diesem umfangreichen,
aktuellen und unterhaltsamen Buch auf, was ein
gutes, d.h. gut verkäufliches, Stockfoto
ausmacht und wie Sie Stockfotos bestmöglich
verkaufen können. Er behandelt nicht nur die
Kernbereiche der Thematik ausführlich, sondern
widmet sich auch vielen verzahnten Themen, die
im Zusammenhang mit der Stockfotografie stehen.
Von mir gibt es für das Buch eine klare
Bestnote mit Empfehlung!
Hier gibt es
Leseproben auf der Homepage des
Verlages, auf der das Buch auch
direkt bestellt werden kann.
