Im Test: NoiseControl für MacOS X von ThePlugin Site

Im Test: NoiseControl für MacOS X von ThePlugin Site

Einleitung

Vergangene Woche, genauer am 16., flatterte eine Pressemeldung von ThePlugin Site ins Haus. NoiseControl, das neueste Plugin aus der Serie „PhotoWiz“ liegt jetzt auch für MacOS X vor.

Regelmässige Blogleser wissen es bereits. Ich bin ein grosser Fan der unter dem Namen „PhotoWiz“ vertriebenen Photoshop-Plugins der kleinen deutschen Softwareschmiede ThePlugin Site aus Nürnberg. Und die Pressemeldung zu NoiseControl hat natürlich sofort mein Interesse erweckt.

B/W-Styler, Contrast Master und Color Washer aus der Serie „PhotoWiz“ haben wir früher bereits getestet.

Hinweis: Screenshots und illustrative Beispiele zum Test von NoiseControl finden sich in der Galerie zum Testbericht (neues Fenster).

Eine Demoversion des Plugins kann hier beim Hersteller angefordert werden.


Stichwort: Entrauschen digitaler Bilder

Das neue Plugin NoiseControl widmet sich - wie schon der Name verrät - der Noise Reduction, auf gut Deutsch: dem Entrauschen von digitalen Bildern.

Bevor es in den ausführlichen Test geht, einige Vorbemerkungen zum Verständnis.

Moderne DSLRs haben - verglichen mit früheren Digitalkameragenerationen - von Haus aus ein sehr gutes Rauschverhalten. Waren ISO 1600 bei der guten alten D1H (oder ISO 800 bei der D1X) eine wirklich grosse Herausforderung, sind heute ISO 6400 mit der D3 ganz gut zu hantieren.

Viele kostenbewusste Anwender, insbesondere jene, die ihr Geld mit Fotos verdienen und die nicht regelmässig und häufig auf hohe ISO-Werte zurückgreifen müssen, setzen aber ot noch ältere Kameras ein. Warum auch wechseln, wenn ein Kamerawechsel ausser Kosten keine Resultate einbringt?

Zum anderen gibt es - kommerziell wie nicht-kommerziell - aus verschiedenen Gründen immer wieder Aufnahmen, die mit kleinem Sensor gemacht werden. Dort schlägt das Rauschen bei höheren ISO-Werten dann in aller Regel richtig zu.

Schliesslich gibt es die Gruppe der „Pixel-Peeper“, bei denen immer alles in 100%-Ansicht perfekt sein muss. Mit den Jahren habe ich mich in dieser Hinsicht stark verändert. Am „pixel peeping“ habe ich keine Freude mehr. Pragmatismus lautet die Devise.

Für mich ist mittlerweile der intendierte Verwendungszweck der Aufnahmen entscheidend. Bilder für den hochauflösenden Druck müssen selbstverständlich hochoptimiert sein. Schon für die Tageszeitung kann und darf der Nachbearbeitungsaufwand aber viel geringer sein. Trotzdem ist bei bestimmten Verwendungsarten das saubere Entrauschen Pflicht.


Entrauschen und der Workflow

Das Entrauschen hat auch viel mit dem Workflow zu tun. Wenn nicht gerade Zeitdruck herrscht, arbeite ich häufig mit RAW. Im RAW-Workflow verwende ich Bibble. Meiner Meinung nach der beste (und vor allem auch der schnellste) RAW-Konverter auf dem Markt. In Bibble ist standardmässig die Basisversion von Noise Ninja integriert. Für die normalen Fälle ist die Noise Reduction also bereits im RAW-Workflow angesiedelt. Noise Ninja hat aber seine Eigenheiten und kann mit manchen Rauschmustern aus bestimmten Kameras nicht umgehen.

Bei den Aufnahmen aus dem Sigmas ist die Entwicklung mit SPP angesagt. Hier gefällt die Sigma eigene Entrauschung eher selten.
Und ausserdem gibt es immer wieder einmal Situationen, bei denen ich mit out-of-the-cam JPGs arbeiten muss.

Aus verschiedenen Gründen ist also eine zusätzliche Lösung zum Entrauschen angesagt. Bislang habe ich dafür NeatImage unter Photoshop eingesetzt. Und hier kommt nun NoiseControl ins Spiel. Das neue Plugin muss gegen das altbewährte NeatImage (v4.7 Pro) antreten.


NoiseControl im Überblick

Dir Installation des Plugins ist völlig unkompliziert und geht rasch vonstatten. Der Installer prüft, welche Host-fähigen Applikationen sich auf der Festplatte befinden und fragt nach, für welches Programm das Plugin installiert werden soll. NoiseControl ist mit einer Vielzahl an Host-Applikationen kompatibel. Eine genaue Liste findet sich auf der Seite des Herstellers.

NoiseControl wird - wie die meisten andern Photoshop-Plugins auch - über das Filter-Menü aufgerufen. Dort findet sich nach der Installation ein Unterpunkt „Photo Wiz“ unter dem sich NoiseControl aufrufen lässt.

Das Plugin lässt sich in den Preferences auf Deutsch oder Englisch einstellen. Wird dort dann noch der Reiter „Hilfe“ ausgewählt, werden zu fast allen Einstellungsmöglichkeiten sehr gute und verständliche („kontextsensitive“) Hilfetexte angezeigt.

NoiseControl bietet zwei Modi: Einfachmodus und Hauptmodus. Für den Einstieg bietet sich der Einfachmodus an. Im Hauptmodus fühlt sich der Anwender möglicherweise erst einmal erschlagen von den vielen Optionen und Einstellmöglichkeiten. Wer schon mit anderen Plugins aus der PhotoWiz Serie gearbeitet hat, wird sich bei der Bedienung gleich heimisch fühlen.

Nähern wir uns dem Plugin also über den Einfachmodus. Auf der linken Fensterseite findet sich die Vorschau. Am besten bewährt sich dort Split-View bei 100% (wichtig!). Mir einem Klick auf Reset (oben rechts) werden alle evtl. vom vorherigen Einsatz gespeicherten Werte wieder auf Standard gesetzt.

Wie andere Plugins zum Entrauschen bietet NoiseControl eine Auto-Analyse. Die Auto-Analyse kann sowohl das gesamte Bild, wie auch nur bestimmte Bildbereiche in die Analyse einbeziehen.

Zusätzlich können die von der Auto-Analyss gefundenen Einstellungen manuell verfeinert werden. Im Einfachmodus ist die Anzahl der Optionen erfrischend und clever beschränkt, um den Anwender erst einmal nicht unnötig zu verwirren.

Sind die idealen Werte gefunden, können die Einstellungen als kameraspezifisches Preset für einen bestimmten ISO-Wert gespeichert werden. Einige allgemeine Presets werden zur Verdeutlichung des Funktionsumfanges ab Werk mitgeliefert. Sind einmal eigene Presets erstellt, können diese automatisch „passend“ zu den EXIF-Daten im Bild abgerufen und angewendet werden.

Wer tiefer einsteigen will, schaltet in den Hauptmodus um. Der Auto-Tab sieht dort zwar aus, wie im Einfachmodus. Unter den weiteren Tabs (Manuell, Ton, Farbe, Korrektur) finden sich dann allerdings jede Menge Möglichkeiten zum Finetuning. Die kontextsensitive Hilfe und die hervorragende Dokumentation sind dabei von grosser Hilfe. Die Arbeit im Hauptmodus verlangt dem Anwender einiges ab, führt aber zu den besten Resultaten. Und die können dann - wie bereits gesagt - als kamera- und ISO-spezifische Presets gespeichert werden.


Im praktischen Test

Für den Test habe ich meine „Rausch-Königin“ eingesetzt: eine ältere Leica D-Lux 2. Sie hat bereits in der niedrigsten ISO-Stufe (ISO 80) einiges an Rauschen anzubieten und steigert sich dann bis hin zum eigentlich Unerträglichen bei ISO 400. Ich habe mehrere out-of-the-cam JPGs mit verschiedenen ISO-Werten aufgenommen und sowohl mit NeatImage (dort mit den über die Jahre von mir verfeinerten Einstellungen), als auch mit NoiseControl (im Einfachmodus mit Anpassungen) nachbearbeitet. Die Resultate sind als 100%-Crops in der Bildergalerie zum Test zu sehen. Alle Bilder sind mit ISO-Wert und verwendeter Software gekennzeichnet.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mit NoiseControl bei diesen Beispielen nicht im Hauptmodus experimentiert habe. Weiteres Finetuning ist hier also ohne weiteres noch möglich. Bei NeatImage ist zu berücksichtigen, dass das Plugin ab Werk mit einem Spezialprofil für die verwendete Kamera versehen ist und auf meine über 3 Jahren hinweg verfeinerten Individualeinstellungen zurück greift. Insofern sind die Testvoraussetzungen günstiger für NeatImage, was in der Bewertung zu berücksichtigen ist.

In Sachen Geschwindigkeit ist NoiseControl deutlich langsamer als NeatImage. Die Resultate sprechen aber für sich. Und sind die richtigen Einstellungen einmal gefunden, lassen sich Bilder in NoiseControl auch bequem als Batch bearbeiten.

NeatImage liefert im Vergleich mehr „plastikartige“ Ergebnisse. NoiseControl ist angenehmer und nicht so „glattgebügelt“. Die Kontraste bei NeatImage sind viel deutlicher ausgeprägt. Wohl auch eine Folge der harten Herangehensweise. Mir gefallen die Resultate von NoiseControl deutlich besser. Sie sehen viel „natürlicher“ aus.


Fazit

Auch mit NoiseControl ist Plugin Site wieder ein grosser Wurf gelungen.

Vom Anwender wird (zunächst einmal) mehr verlangt, als bei anderen Plugins. Der investierte Aufwand zahlt sich aber aus. Die Resultate sprechen für sich und bieten ein natürlich und organisch entrauschtes Bild ohne der Gefahr zu erliegen, die Entrauschung zugunsten eines „Plastik-Looks“ zu übertreiben.

Wer Noise Reduction benötigt, sollte in jedem Fall einen Blick auf NoiseControl werfen, um sich selbst überzeugen zu können.

Der vergleichsweise günstige Preis von USD 50 macht das Plugin zusätzlich attraktiv.

-> Screenshots und illustrative Beispiele finden sich in der Galerie zum Testbericht (neues Fenster).


Zusammenfassende Bewertung

Jeweils auf Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut):

Funktionalität: 5
Anwenderfreundlichkeit: 4,5
Geschwindigkeit: 4
Praktischer Nutzen: 5
Verfügbarkeit: 5
Preis-/Leistungsverhältnis: 5

Gesamtbewertung: 4,75

Unser Fazit: “Must have”

blog comments powered by Disqus