Fototipp: Polarlichter (Nordlichter, Aurora borealis) richtig fotografieren [Update: 03.10.2016]

Heute soll es um das Fotografieren von Polarlichtern (Nordlichtern, Aurora borealis) gehen. Ein Artikel, den ich eigentlich schon seit einiger Zeit in der Mache habe. Leider haben die atmosphärischen Bedingungen in dieser Wintersaison nicht mitgespielt. Wir hatten praktisch keine Polarlichter. Teils weil es einfach keine gab, teils weil der Himmel bedeckt war. Ärgerlich, aber kein Grund das technische Know-How nicht zu teilen :) Und hoffentlich kann ich in dieser Saison noch ein paar aktuelle Bilder nachreichen.

Übrigens: Die Inuit - eskimoischen Volksgruppe, die im arktischen Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland lebt - hat ein Sprichwort, wonach das Ende der Polarlichter auch das Ende der Menschen bedeutet.

Ans Werk:

Bevor es ans Fotografieren geht, müssen also zuerst einmal die Polarlichter her. Hier hilft eine sehr gute Webseite, auf der die Polarlicht-Aktivität in den nordpolaren Regionen dokumentiert ist. Anschliessend ist der lokale Wetterbericht gefragt. Und wenn es dann (endlich!) Polarlichter und klaren Himmel hat, kann es ans Werk gehen.

Zuerst müssen einige Einstellungen an der Kamera vorgenommen werden:

Auslöser: Kamera auf Fernauslöser - oder Selbstauslöser - damit nichts verwackelt.

ISO: Hängt mit der Belichtungszeit zusammen. Viele Polarlichter haben bezaubernde Details. Diese gehen in der Regel ab ca. 30 Sekunden Belichtung verloren. Um kürzere Belichtungszeiten zu erreichen, können entweder die ISO hochgeschraubt, oder lichtstärkere Linsen verwendet werden. Auf die Objektive komme ich später nochmals zurück. Zurück zur ISO. Hier gilt es, den Spagat zwischen Rauschen und kurzer Belichtungszeit zu finden. Persönlich gehe ich relativ unproblematisch bis ISO 400. Das hängt aber sehr von der verwendeten Kamera ab. Ausprobieren und kritisch in der 100%-Ansicht begutachten!

Welche Linse? Um die Belichtung möglichst kurz zu halten, darf es gerne eine sehr lichtstarke Linse sein. Für Nikonisten wäre das 28mm f1.4 optimal (leider aber sehr teuer und nur schlecht - wenn überhaupt - zu bekommen). Ein 50mm f1.4 ist deutlichst günstiger, aber an DX meistens schon viel zu lang. Natürlich kann auch ein f2.8er WW-Zoom zum Einsatz kommen (was aber die Belichtungszeiten schon wieder deutlich nach oben befördert). Reizvolle Effekte sind auch mit einem Fisheye zu erzielen.

Fokus: Auf MF stellen und dann auf unendlich fokussieren. Achtung: AFS-Linsen aus dem Hause Nikon haben in der Regel keinen festen Fokus bei unendlich! Ggf. also noch bei Tageslicht auf unendlich und den Fokusring dann bitte nicht mehr bewegen :)

Okularabdeckung: Ein kleines Plastikteil (hört bei Nikon auf den Namen DK-5), das auf den Sucher gesteckt wird. So wird verhindert, dass in den Sucher einfallendes Licht sich im Bild niederschlägt.

Ein gutes und stabiles Stativ ist natürlich auch unbedingt erforderlich.

Und dann geht es ans Experimentieren. Ich fange i.d.R. bei 10 Sekunden an und gehe dann in 5-Sekunden-Schritten nach oben. Die Belichtungszeit hängt nach meinen Erfahrungen auch sehr von den Mondverhältnissen ab.

Ausdauer und Geduld sind gefragt. Und in der Nachbearbeitung können behutsames Entrauschen und Schärfen erforderlich sein.

Übrigens: Winternächte sind in den Polarregionen im Regelfall ziemlich kalt. Deswegen auch immer an die Tipps zum Fotografieren in der Kälte denken!


[Update 03.10.2016: Neuen Link zum Aurora-Forecast eingefügt, weil der alte Link nicht mehr aktuell war]