Urlaubstipp für Kurzentschlossene: Renmärkning in Malå 8. und 9. Juni 2018

Vor einiger Zeit hatten wir einen längeren Bericht über das Renmärkning (eigentlich: "Kalvmärkning", denn die Kälbchen sollen ja gekennzeichnet werden) hier im Blog  (Bilderstrecke hier).

Auf diesen Artikel hatten wir damals sehr grosses Feedback bekommen. Darunter auch viele Anfragen ob es denn möglich wäre, bei einem Renmärkning live mit dabei zu sein. Lang im vorhinein lässt sich das wegen des Wetters nicht planen. Aber dieses Jahr gab es eine frühe und lange Schönwetterperiode. Deswegen hat das Hotel in Malå kurzfristig ein Wochenendpaket mit Renmärkning schnüren können. Am Wochenende 8. und 9. Juni gibt es die Möglichkeit ein Wochenende im schönen Hotel in Malå zu verbringen, um am Renmärkning teilzunehmen. Enthalten sind Übernachtung im DZ, ein zwei Gänge Menü, freier Eintritt zum Relaxbereich und die Teilnahme am Renmärkning mit einem erfahrenen einheimischen Guide.

Zugegeben, das Angebot kommt sehr kurzfristig. Das ist aber - wie gesagt - dem Wetter geschuldet. Die Anreise erfolgt am besten mit dem Flieger nach Skellefteå und von dort weiter mit einem Mietwagen. Wer besonders kurzfristig disponieren kann, dem bietet sich die Gelegenheit etwas früher anzureisen und gleich noch den schwedischen Nationaltag (mit Feier) "mit zu nehmen".

Mehr Infos und Buchung beim Hotel in Malå (Hinweis zur Buchung: Geht auf Schwedisch, Englisch, Deutsch).

Hinweis: Wir sind mit diesem Angebot nicht verbunden - finden es aber so gut dass wir das Event hier im Blog vorstellen möchten.

Urlaubstipp für Kurzentschlossene: Renmärkning in Malå 8. und 9. Juni 2018

GDPR / DSGVO - Der Wahnsinn hat Methode

Nun ist es also soweit.

Seit heute gilt die am 27.04.2016 verabschiedete General Data Protection Regulation (GDPR) (in Deutschland: Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)) in der gesamten EU. Mit über zwei Jahren Vorlaufzeit scheint sie für viele dennoch wie die sprichwörtliche Grippe "über Nacht" gekommen zu sein. Gut ablesbar an der Panik, die in weiten Teilen der Webwelt in den letzten Tagen ausgebrochen ist.

So wie es scheint, ist die Welt trotz des Inkrafttretens der neuen Vorschriften noch (nicht) unter gegangen und ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass dieses aus diesem Grund auch nicht geschehen wird.

Für mich war die Geschichte eine Gelegenheit mich wieder auf die Juristerei zurück zu besinnen und die neuen Regelungen eingehend zu studieren. Die Lage erinnert mich an das seinerzeitige Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (zu dem ich damals eines der ersten Bücher verfasst hatte).

Alle waren damit beschäftigt, den Untergang der Wirtschaft wegen der einschneidenden Neuregelungen herauf zu beschwören. Im Rückblick muss ich leider feststellen: Die damaligen Neuregelungen haben im Ergebnis so gut wie gar nichts gebracht und denen, die eigentlich geschützt werden sollen, auch so gut wie nicht geholfen.

So ist das in der Juristerei mit dem Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit.

Um es aber gleich vorab zu sagen: Ich finde die GDPR / DSGVO von der Intention her gut.

Die dem Internet in seiner Praxis aus den vergangenen Jahren innewohnende Datensammelwut ist ein unhaltbarer Zustand. Insbesondere, wenn alles mögliche "auf Vorrat" gesammelt wird, denn man meint ja nie zu wissen, wann die gesammelten Daten sich einmal als - meist wirtschaftlich - wertvoll erweisen könnten. Ich verstehe sie als den Versuch dem allgegenwärtigen Trend Menschen zu blossen Daten zu machen, Einhalt zu gebieten. Und das ist gut.

Die ganze Panik der vergangenen Zeit ist vielleicht nur die Schattenseite des Daseins in einer hochtechnologisierten Welt. Oder wie ich einen Kollegen heute sagen hörte: "Glaubst Du in Griechenland herrscht dieselbe Panik? Die haben ganz andere Sorgen".

Sicher ist es so, dass die neuen Regelungen wegen gewohnt schwammiger Formulierungen auch erhebliche Rechtsunsicherheit mit sich bringen. Und das ist in erster Linie schädlich für kleine und mittelständische Unternehmen, die keine eigene Rechtsabteilung haben und auch nicht über das Kapital verfügen, eventuelle Rechtsstreitigkeiten (derer es bedarf um die in manchen Punkten herrschende Unklarheit zu beseitigen) in Gelassenheit austragen zu können.

Und das ist bedauerlich.

Manche der "Grossen" in der Internetwelt dürften Ihre Geschäftsmodelle davon schwimmen sehen, wenn sie die Regelungen wirklich ernst nehmen. Ich denke da in erster Linie an Anbieter sozialer Netzwerke.

Mein Mitleid hält sich hier aber in Grenzen.

Mein ganz persönliches Statement ist:

Als Nutzer will ich nicht, dass meine Daten unnötig gesammelt werden und als Blogbetreiber halte ich es ganz genau so.

Alle Plugins und Erweiterungen, die Daten sammeln könnten, sind hier bereits vor geraumer Zeit raus geflogen. Auch Google Analytics gibt es hier bei mir nicht mehr.

Wozu auch?

Ich mache das hier schliesslich aus Spass und nicht zum Geldverdienen. Alles, was früher einmal automatisiert oder mit Hilfe von Drittanbietern angeboten wurde ist passé. Irgendwelche Cookies gibt es nicht mehr.

Was sich nicht verhindern lässt, ist, dass der Provider bei jedem Seitenaufruf Daten in einem Logfile speichert. Laut Angaben des Providers werden diese Daten nach sieben Tagen gelöscht. Und - ganz ehrlich - ich habe in diese Logfiles noch nie reingeschaut. Meine Zeit ist mir zu schade dafür. Auch die - von einem externen Betreiber bereit gestellte - Kommentarfunktion ist seit gerauer Zeit abgeschaltet worden. Wer etwas sagen möchte (und Feedback ist immer willkommen) schreibt eine altmodische Email. So einfach ist das. Ja und auch eine Datenschutzpolicy habe ich hinzugefügt (in Schwedisch, weil dieser Blog von Schweden aus betrieben wird und primär schwedischem Recht unterliegt).

Kurz und gut:

Liebe Blogleserinnen und Blogleser, ich will Eure Daten nicht haben und versuche alles, um deren Erhebung, Speicherung und Verarbeitung generell zu verhindern.

Am Rande sei noch angemerkt, dass im Internet ein wohl echtes Schreiben aus dem BMI kursiert, in dem die Rechtslage rund um die Fotografie problematisiert wird. Und ehrlich gesagt weiss ich nicht richtig, worüber ich mehr schockiert sein soll: Über die Verkennung der grundlegenden Gewaltenteilung (seit wann hat sich das BMI zur Auslegung von Vorschriften - zudem noch solche der EU - zu äussern, deren Auslegung im Streitfall den Gerichten zugewiesen ist), oder über die geradezu leichtfertige Behauptung, dass die alten Regeln des KUG insoweit den neuen Regeln der DSGVO vorgehen.

In Schweden haben wir es da besser.

Der schwedische Gesetzgeber hat seine Hausaufgaben gemacht und klargestellt, dass Meinungsfreiheit, Journalismus und Kunst von den europäischen Neuregelungen in Schweden ausgenommen sind.

Danke schön.

Manchmal fühle ich mich beobachtet: Der Rauhfusskautz

Vielleicht kennst Du dieses merkwürdige Gefühl.

Ich war vor einigen Tagen mit unserem treuen Vierpfoter an einem langgezogenen Seeufer unterwegs. Wir haben an einer idyllischen Stelle eine Pause eingelegt. Eine kleine bewaldete Landzunge bot eine malerische Kulisse. Entspannung nach einem hektischen Tag stellte sich ein.

Aber irgend etwas stimmte nicht. Wir waren nicht alleine hier. Ich spürte es. Ja noch mehr, ich fühlte mich beobachtet.

Konnte das möglich sein? Im Umkreis von mehreren Kilometern dürfte es doch hier keinen Menschen geben. Unser Vierpfoter war völlig entspannt. Und auch Rentiere oder Elche hatte ich nicht bemerkt.

Ich atmete tief durch und drehte mich langsam und beobachtend im Kreis. In Bodennähe war jedenfalls nichts zu erkennen. Also noch eine Drehung mit den Augen auf Augenhöhe. Und da erspähte ich ihn.

Aus einem ausgedienten Nistkasten wurden wir aufmerksam und neugierig begutachtet. Ein kleiner Rauhfusskautz - bekanntlich ein dämmerungs- und nachtaktiver Vogel - fühlte sich wahrscheinlich bei seinem Tagesschlaf gestört. Mit wachen Augen zwinkerte er mir zu, als ob er fotografiert werden wollte. Nach einem schnellen Bild zogen wir uns dann behutsam zurück um dem Vogel nicht ganz den Schlaf zu rauben. Abenteuer Lappland live. 

Rauhfusskautz in Lappland

"fdGO"? Für die MitleserInnen in Deutschland

Das Bundesverfassungsgericht hat im Urteil des Verbotsprozesses gegen die rechtsextremistische „Sozialistische Reichspartei“ (SRP) vom 23. Oktober 1952 die freiheitliche demokratische Grundordnung (fdGO) als eine Ordnung definiert, „die unter Ausschluss jeglicher Gewalt- und Willkürherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt.

Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zu rechnen: die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, die Unabhängigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.“ (BVerfGE 2, 12 )

Was ist nur schief gelaufen?

fdgo_pflasterstein

Tow-Bars in Sweden: Die wunderbare Welt der Anhängerkupplungen

In den zurückliegenden sechs Monaten habe ich mich viel auf schwedischen Parkplätzen herumgetrieben, um einem eigentümlichen Phänomen auf den Grunde zu gehen.

Wir alle kennen die gute alte Anhängerkupplung. Sie ist ein nützliches technisches Detail in Sachen Fortbewegung und Transport. Aber sie ist anscheinend noch mehr. Wer achtet schon auf Anhängerkupplungen?

Wir alle wissen, dass die Kupplungskugel gut gefettet sein soll und deswegen sitzt auf ihr normalerweise ein schlichtes Käppchen.

Vor einem guten Jahr spazierte ich - in Gedanken versunken - über einen Parkplatz hier in Schweden, als mein Blick plötzlich gebannt von einer Anhängerkupplung angezogen wurde. Was war das? Ein Elch auf der Kupplungskugel? Und so begann ein mehrmonatiger Beobachtungsmarathon, der erstaunliche Ergebnisse zutage förderte. Es scheint Autobesitzer zu geben, für welche die Anhängerkupplung weit mehr als nur ein technisches Detail ist; ja geradezu ein Ausdruck ihrer jeweiligen individuellen Persönlichkeit (lies: Kunst).

Aus den Beobachtungen ist eine neue Bilderserie entsprungen „Tow-Bars“.

-> Zur Serie „Tow-Bars“

Tow-Bars in Sweden: Die wunderbare Welt der Anhängerkupplungen

Köttbullar: Der Kampf um die schwedischen Fleischbällchen hat begonnen

Heute widmen wir uns wieder einmal den aktuellen und wirklich wichtigen Problemen des schwedischen Daseins. Worum gehts?

Natürlich um Köttbullar.

Essen ist schliesslich sehr wichtig und was die Nationalgerichte angeht, verstehen wir Schweden überhaupt keinen Spass!

Es ist mittlerweile schon geradezu eine deutsche Tradition geworden:

Man geht bei IKEA einkaufen und zum Abschluss gibt es bei IKEA FOOD eine Portion Köttbullar. Damit stellt sich dann anscheinend ein Gefühl der Verbundenheit mit unserem geschätzten Land im Norden ein.

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung verkauft IKEA in Deutschland ca. eine Milliarde Köttbullar jährlich. Die Zahl muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Sie unterstreicht die tiefe kulinarische Verbundenheit der Deutschen mit uns Schweden.

Persönliches Zwischenwort

Kurze Zeitreise mit der Zeitmaschine: 45 Jahre rückwärts in der Zeit.

Ich erinnere mich gut an Geburtstagsfeiern bei einem Zweig der Verwandtschaft. Als Kind liebte ich diese Feiern. Nicht nur, weil es dort - aufgrund weiterer verwandtschaftlicher Beziehungen - immer Esszetschnitten (kennt die noch jemand?) für uns Kinder gab. Nein, das Highlight der Feier waren - jedenfalls für mich - die unübertrefflichen Hackfleischbällchen, die meine Tante immer in grösserer Stückzahl produziert hatte.

Wer weiss, vielleicht wurde ja damals schon gänzlich unbewusst die spätere Liebe zu Schweden geweckt? Natürlich war das lange vor der Zeit, in der IKEA populär war. Und niemand hat diese Hackfleichbällchen jemals als "Köttbullar" bezeichnet.

Bevor ich jetzt sentimental werde: zurück in das Hier und Heute!

"Köttbullar" bedeutet - direkt übersetzt - nichts weiter als "Fleischbällchen".

Ein Schatten ist auf das schöne Bild der schwedischen Idylle mit Köttbullar auf dem Essenstisch gefallen und eine ernste Krise wird am Horizont sichtbar, deren Folgen im Moment noch nicht absehbar sind. 

Am 28. April erdreistete sich der offizielle Twitteraccount des Landes Schweden zu einem folgenschweren Tweet (nachzulesen hier). Dort heisst es

„Swedish meatballs are actually based on a recipe King Charles XII brought home from Turkey in the early 18th century. Let‘s stick to the facts!“. 


Die Causa wiegt pikanterweise umso schwerer, als sogar das schwedische Ausseninisterium Mitbetreiber des fraglichen Twitteraccounts „Sweden.se“ ist.

Wie zu erwarten war verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und schlug sich sogar in internationalen Blättern wie z. B.  der New York Times nieder (auch der Spiegel hatte berichtete).

Also wie bitte?

Das inoffizielle schwedische Nationalgericht soll auf einem im 18. Jahrhundert in der Türkei  geklauten Rezept beruhen?

Ungeheuerlich!!


Der Proteststurm war nur eine Frage der Zeit und die Welle des Protestes kam umgehend.

Diverse schwedische Zeitungen haben sogleich konsequent zum Gegenschlag ausgeholt. Die renommierte Zeitung Dagens Nyheter bemühte am 3. Mai einen auf Essenskultur spezialisierten Historiker (Richard Tellström von der Universität in Stockholm) zu einem Artikel über die Thematik. Tellström zeigte sich zutiefst erschüttert über die Aussage. Es seien überhaupt keine Quellen oder Beweise für die ungeheuerliche Behauptung angegeben worden und er stellt die Meldung auf eine Stufe mit den Behauptungen „russischer Trollfabriken“ um sogleich klar zu stellen, dass die Aussage selbstverständlich falsch sei.

Die erste Erwähnung des Begriffes „Köttbulle“ („Fleischbällchen“) stamme bereits aus einem Kochbuch im Jahre 1755. Damals sei allerdings erst der Begriff geprägt worden; die legendären Fleischbällchen seien bereits weit früher in der kulinarischen Geschichte Schwedens nachzuweisen, nämlich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Und er legt auch gleich noch nach und unterstellt dem offiziellen Twitteraccount Schwedens „schlampige Recherche“ und „Effekthascherei“.

Sein Schlusssatz ist klar und deutlich:

Die Köttbullar seien ein durch und durch schwedisches Gericht und die schwedische Urheberschaft sei klar zu belegen (er räumt allerdings ein, dass Gerichte aus geformten Hackfleisch auch bereits frühzeitig in anderen Ländern zu finden gewesen seien). 


Mittlerweile hat auch die schwedischsprachige Wikipedia nachgezogen und bezeichnet die angeblich türkische Herkunft des schwedischen Nationalgerichtes als „Mythos“.
 
Jetzt sind wir alle froh und erleichtert, dass der Skandal geklärt ist und es bleibt zu hoffen, dass sich Wogen rasch wieder glätten.

PS: Ihr dürft jetzt alle wieder zu IKEA shoppen gehen und den Besuch mit Köttbullar abrunden.

PPS: Kein Bild zu diesem Beitrag, denn Köttbullar stehen bei uns seit mehreren Jahren nicht mehr auf unserem Speiseplan. Dafür bevorzugen wir hausgemachte Frikadellen! 

Köttbullar: Der Kampf um die schwedischen Fleischbällchen hat begonnen
“Rettet die schwedischen Köttbullar“

Wo werden sich die Menschen hinwenden, wenn ....

Spuren im Schnee, wohin?