Der Skandal um den Naturfotografen Terje Hellesø: Der Fotograf, die Lügen und die Wahrheit - Eine Doku

Aufmerksamen Bloglesern mit einem guten Gedächtnis ist der Name Terje Hellesø durchaus bereits bekannt. Im September 2011 hatten wir über den - damals brandaktuellen - Fall berichtet.

Im schwedischen Fernsehen SVT wird am 1.12. um 20 Uhr eine Dokumentation zu einem der grössten fotografischen Skandale, die Schweden jemals erlebt hat, gesendet. Die Doku ist bereits jetzt über die Medienplattform SVT Play als Video on demand abrufbar.

Leider weiss ich nicht:

a. wie viele Leser des Schwedischen mächtig sind, und
b. ob es bei SVT ein Geoblocking gibt;

aber ein Versuch, sich die Doku anzusehen, schadet sicher nicht (denn es gibt neben vielen längeren Interviews auch etliche interessante Bilder zu sehen).

Worum geht es?

Terje, der damals ein respektierter und angesehener Naturfotograf war, hatte mit seinen spektakulären Aufnahmen wilder Tiere des Nordens einen renommierten Preis gewonnen. Im nachhinein hatte sich aber herausgestellt, dass die allermeisten der vielen seltenen Tiere mithilfe von Photoshop ins Bild gekommen waren. Das hat ihn nicht nur den Preis, sondern auch binahe seine Karriere und sein Leben gekostet.

Die jetzt vom schwedischen Fernsehen gezeigte Dokumentation beschäftigt sich mit den Hintergründen, persönlichen Auswirkungen und Folgen des Skandals. Sie beginnt mit dem Tag, an dem die Fälschungen entdeckt worden waren.

Terje hatte sich unter einem so hohen Erfolgsdruck gesehen, dass ihm kein anderer Weg als die Fälschungen mehr möglich erschienen waren. An dem Tag, an dem die ganze Geschichte aufgeflogen war, rief er seine Frau an und berichtete ihr, dass er entdeckt worden sei und nicht mehr nach Hause kommen werde. Der Tag endete für ihn in der Psychiatrie. Das, uns seinen Weg zurück in sein heutiges Leben als Fotograf schildert die Doku in entlarvender und zugleich einfühlsamer Weise. Eine echte und handwerklich solide schwedische Dokumentation.

Dem SVT ist zu danken für die Produktion der Doku, die für Fotografen (und überhaupt für alle Kreativen) sehr lehrreich (und abschreckend) ist.

Unser Fazit:
Diese Doku ist ein Muss für alle Fotografen die der Versuchung ausgesetzt sind, ihren Hunger nach Bewunderung auf unredliche Weise stillen zu wollen. Sie zeigt schonungslos die Auswirkungen und den mühsamen Weg zurück in so etwas wie Normalität. Prädikat wertvoll.

Wieder richtiger Winter in Lappland - Unterwegs auf dem Trail

Wegen diverser Nachfragen aus der Leserschaft ein Update zum Winter.

Wieder richtiger Winter in Lappland - Unterwegs auf dem Trail


Ja, mittlerweile herrscht richtiger Winter hier in Lappland. Minus 15 Grad Tagestemperatur und nach zwei sehr schneereichen Tagen jetzt ca. 35-40 cm Schnee. Die ersten Trails für Schneemobile und Langläufer sind bereits gezogen und laden zu langen Spaziergängen durch die kalte, verschneite Landschaft ein.

Schade nur, dass sich dieses Jahr - wegen der aktuellen Situation - nur wenige Besucher und Urlauber zu uns verirren werden können. Aber wir spenden gerne etwas Trost und Anteilnahme für die „Daheimbleibenmüssenden“ in Form von Bildern und Berichten.

Deswegen auch gleich noch ein Bild für’s Herz: Der Sonnenuntergang gegen 14 Uhr auf dem Heimweg.

Bild für’s Herz: Sonnenuntergang in Lappland gegen 14 Uhr


Der Tag nach dem Wintereinbruch, fragmentarische Wahrnehmung und ein Blick auf den Wintertourismus in Lappland in den Zeiten von Corona

Fragmentarische Wahrnehmung in Lappland
Gestern (Freitag, 2020-11-20) - Sonnenaufgang: 8.42 - Sonnenuntergang: 14.16


Die fragmentarische Wahrnehmung der Wirklichkeit kann bisweilen helfen. Ganz ohne das Entstehen einer Filterblase (davon ist ja derzeit wieder viel in den deutschsprachigen Medien zu lesen).

Die fragmentarische Wahrnehmung kann dazu dienen, den Überblick auf das grosse Ganze und die wirklich wichtigen Dinge nicht zu verlieren.

So auch am Tag nach dem wirklichen Wintereinbruch hier in Schwedisch-Lappland. Die 15 cm Neuschnee - und die damit verbundene Arbeit - geraten aus dem Fokus, durch den die Seele berührenden Sonnenaufgang. Ein Zeichen der Hoffnung.

Und Hoffnung brauchen wir in dieser Zeit. In den zurückliegenden Tagen haben wir mit einigen Unternehmern im Tourismus gesprochen. Und das Bild ist - sehr zurückhaltend ausgedrückt - alles andere als rosig. Oder im Klartext: Die Lage ist derzeit eine einzige Katastrophe und etliche Unternehmen werden die Wintersaison wohl wirtschaftlich nicht überleben.

Manche Stimmen betonen den Effekt der „Marktbereinigung“. Es gibt Unternehmen - auch in unserer Region - bei denen wir uns dieser Ansicht anschliessen würden. Ja, es gibt zu viele unseriöse Anbieter und insbesondere zu viele Anbieter von „Hundeschlittenabenteuern“, bei denen die Einhaltung der gesetzlichen Mindeststandards nicht gewährleistet ist.

Täglich erreichen uns derzeit per Mail Spendenaufrufe, mit denen das Überleben grosser Schlittenhundebestände von Auswanderern, die hier in Schweden aufgeschlagen sind, gesichert werden soll. Es ist ein Elend.

Viele selbsternannte Abenteurer, die blauäugig und ohne die nötige nüchterne, realistische Planung und ohne die erforderliche Kapitalunterlage ihren „Traum verwirklicht“ haben, sitzen jetzt ohne finanzielle Mittel und ohne jede Perspektive auf dem Trockenen.

Daher erneut die dringende Bitte an alle Leser, sich vor einer Buchung gründlich zu informieren (Google!) und sich ggf. eine Kopie der Registrierung für einen Schlittenhundebetrieb bei der zuständigen Behörde („Länsstyrelsen“) vorab zusenden zu lassen.

Viele scheinbare Unternehmen sind auch gar keine solchen, sondern werden von Privatpersonen mehr oder weniger „schwarz“ betrieben. Mehr Schein als Sein, oder - wiederum ganz direkt gesagt - Steuerhinterziehung und mehr. Lassen sie sich daher im Zweifelsfall auch einen Nachweis, dass es sich um ein registriertes Unternehmen handelt, zusenden.

Werfen sie bitte auch einen ausführlichen Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Prüfen sie bitte, ob das Unternehmen, bei und mit dem Sie ihren Urlaub verbringen wollen, wirksame AGB für Reiseunternehmen nach den europarechtlichen Vorgaben vorweisen kann. Und denken sie auch daran, dass die von manchen Unternehmen angebotenen Transfers von Flughäfen zu dem Reisedomizil einer Taxilizenz unterliegen.

Gegebenenfalls lassen sie das Angebot vorab von einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt prüfen, denn das ist für Sie günstiger, als später einen üblen Reinfall mit grossen Enttäuschungen und einen Rechtsstreit zu erleben.

Zurück zu den Gesprächen der letzten Tage.

Dennoch, bei den weitaus meisten Unternehmen mit denen wir Kontakt haben, können wir uns mit dem Gedanken der Marktbereinigung nicht anfreunden. Zu viele „gute“ Betriebe und zu viele Schicksale „guter“ Menschen sind mit der äusserst angespannten Lage verbunden.

In diesen Zeiten von Corona werden dringend neue, kreative und - soweit möglich - ansteckungsfreie Konzepte und Modelle benötigt. Und erste Zeichen der Hoffnung haben wir bereits gehört. Wir werden berichten, sobald es hier Spruchreifes zu berichten gibt.

Am Tag vor dem richtigen Wintereinbruch

Heute (2020-11-19) - Sonnenaufgang: 8.39 - Sonnenuntergang: 14.19

Eisblumen - Ein Wunder der Schöpfers
Eisblumen - Ein Wunder des Schöpfers


#things_in_life - november 2020

Wir schauen uns um in dieser Zeit der Isolation, Angst und Dunkelheit und gewinnen eine Einsicht: Die Dinge werden immer merkwürdiger. Die Welt fällt auseinander, jedenfalls die äusserliche Welt. Und manchmal scheint es so zu sein, als sei alles im Nirgendwo stecken geblieben.

Das Jahr 2020 geniesst offensichtlich die Ehre, den Titel „Ende der Illusionen“ zu tragen.

Wir beginnen zu erkennen, dass die Dinge nicht nur so zu sein scheinen, wie wir immer gedacht haben.

Grundlegende Veränderungen in und um uns geschehen. Aber da ist immer noch unsere „kleine heile Welt“, auch wenn sie weit davon entfernt ist, eine perfekte zu sein. Das Chaos um uns herum mit unserer inneren Welt vergleichend scheint es gerechtfertigt sein zu sagen „Es ist leicht, aus sicherer Entfernung mutig zu sein“.

Da sind wir also im Jahr 2020, unabhängig davon, was in der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt geschieht.

Kurz gesagt: es gibt immer noch „things in life“.

-> Zur Serie: #things_in_life - novermber 2020

things_in_life_2020_480