ZDF: Deutscher Fotograf in Lappland

Heute ein Einblick "hinter die Kulissen" des Lapplandblogs.

Vor einigen Wochen hatten wir in Lappland ein Team einer für das ZDF tätigen Produktionsgesellschaft zu Gast. Produzent und Kameramann - beide äusserst professionell und angenehm in der Zusammenarbeit (Danke Markus, danke Gabor!) - haben einen Beitrag für das Format "hallo deutschland" produziert.

Wer einen tieferen Einblick in Form bewegter Bilder haben möchte kann hier den ZDF-Filmbeitrag ansehen.


ZDF: Deutscher Fotograf in Lappland

Die Abschaffung der Sommerzeit: Segen, Fluch oder blosse Wirtschaftsförderung?

Die Zeitumstellung ist für uns ein alter Bekannter, wurde sie doch z. B. in Deutschland bereits 1916 erstmals  eingeführt. Und so haben Generationen von Menschen artig schon in der Schule gelernt, dass die Sommerzeit dem Energiesparen im Allgemeinen dienen würde.

Über die "geklaute Stunde" im Frühjahr haben sich fast alle immer aufgeregt, über die "geschenkte Stunde" im Herbst haben wir uns gefreut. Für alle Landwirte und andere Menschen, die mit Tieren arbeiten, war die Zeitumstellung schon immer ein Horror. 

Nun soll die stromsparende Sommerzeit also wieder abgeschafft werden.

Und das sogar möglichst schnell, wenn es nach dem Willen des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker geht. Na ja, nicht ganz. Nicht nur wegen Juncker allein. Immerhin hatten sich einige Millionen EU-Bürger im Rahmen einer Petition für die Abschaffung ausgesprochen. 

Zitat Juncker:  "Millionen haben geantwortet und sind der Auffassung, dass es so sein sollte, dass die Sommerzeit in Zukunft für alle Zeit gilt. So wird das auch kommen."

Beschlossen ist zwar noch nichts, aber gehen wir einmal davon aus, dass die Zeitumstellung kommen wird.

Schauen wir auf die Begründung, mit der die EU die Sommerzeit seinerzeit eingeführt hat.

Wikipedia belehrt uns: "Für alle anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft war die Integration und Harmonisierung des gemeinsamen Binnenmarktes die treibende Kraft bei der Wiedereinführung der Sommerzeit." 

Aha, es ging also allein um binnenwirtschaftliche Erwägungen. Nicht um Energiesparmassnahmen.

Denken wir nun den Punkt der binnenwirtschaftliche Erwägungen weiter.

Die Sommerzeit soll abgeschafft werden, weil die EU-Bürger es so wollen? Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Wäre es nicht viel plausibler, wenn auch bei der heutigen Abschaffung der Sommerzeit primär wirtschaftliche Erwägungen zugrunde lägen? Die nächste Rezession liegt schliesslich in der Luft und der Konsum muss angekurbelt werden.

Mein Szenario ist folgendes:

Jahrzehntelang mussten die Uhren in allen zeitgebundenen elektrischen und elektronischen Geräten immer wieder von Hand umgestellt werden. Das war nervig und gelang - möglichst komplizierten Interfaces und Menüführungen sei Dank - nicht immer. Wer bereits im vorgerückten Alter war, musste seine Kinder oder Enkel damit beauftragen.

So ca. 25 Jahre nach dem Beginn des Informationszeitalters haben das die Hersteller dann irgendwann auch einmal bemerkt und haben die automatische Sommerzeitumstellung in ihre geräteinterne Software implementiert.

Egal, ob Digitalkamera oder PKW - Alle halbwegs modernen und zeitgemässen zeitgebundenen elektrischen oder elektronischen Geräte  stellen sich seitdem automatisch auf Sommer- und Winterzeit um. Ach ja! Ein Lob auf die bequeme neue digitale Konsumwelt. Alles automatisch. 

Die automatische Zeitumstellung war auch nicht so schwierig, weil diese festen kalendergebundenen Regeln folgte.

So weit so gut.

Jetzt machen wir in der EU die Rolle rückwärts. Künftig soll es keine Sommerzeit mehr geben. Aber in all den in Umlauf befindlichen Geräten ist mittlerweile eine automatische Zeitumstellung mit eingebaut.

Google hat mir leider nicht wirklich dabei geholfen heraus zu finden, inwieweit die automatische Zeitumstellung überhaupt noch bei so manchem Gerät deaktiviert werden kann. Ein Faktencheck im eigenen Haushalt hat zu Tage geführt, dass sich die Automatik bei den meisten Geräten noch deaktivieren lässt. Diese Funktion war aber nicht immer sehr einfach zu finden. (Gut, dass wir hier nicht allen "das brauchst du - das willst du - das musst du heute noch kaufen" - Angeboten im Laufe der Jahre auf den Leim gegangen sind.

Ich stelle daher folgende Behauptung in den Raum:

Ein sehr grosser Teil der immer weniger technikgewandten Verbraucher wird nicht in der Lage sein, die automatische Sommerzeitumstellung in ihren zahlreichen zeitgebundenen Geräten zu deaktivieren und diese in der Folge dessen - voll funktionsfähig - schlichtweg in den Müll werfen um sich neue Geräte zu kaufen.

Wäre ja auch eine charmante Nebenwirkung der Sommerzeit-Abschaffung.

Der Konsum wird zunehmen. Der Rubel (besser: Euro) wird rollen. Ein schönes Fallbeispiel für eine externe "geplante Obsoleszenz" übrigens.

Wir zuvor schon gesagt: Ein Schelm wer Arges dabei denkt...

Sonnenuhr und Sommerzeit
Sonnenuhr: Zeitumstellung mit Spitzhacke und Betonmischer

neue serie: #newvision1 #neuessehen1

Fotografie: Neues Sehen braucht das Land. Neue Perspektiven und neue Motive.

Frei nach Laszlo Moholy-Nagy, einem der Wegbereiter des Bauhauses:

"The photographer is a manipulator of light; photography is a manipulation of light."

-> Zur Serie: #newvision1

Neues Sehen braucht das Land. Neue Perspektiven und neue Motive.

Survivor

Survivor - Elchjagd in Schweden 2018


Wir haben diese schmucke Dame auf den Namen „Survivor“ (übersetzt: Überlebende/r) getauft, denn sie hat zumindest die ersten beiden Wochen der Elchjagd in Västerbotten überlebt. Sehr neugierig stand sie da und hat uns aufmerksam beobachtet. Sie war so gut getarnt, dass ich sie gar nicht bemerkt hatte. Aber den aufmerksamen Blicken von Frau Lapplandblog war sie nicht entgangen.

Irgendwie geradezu fragend, ob sie denn jetzt mit einer Kugel oder nur mit dem Foto abgeschossen werden würde.

In unserem Fall natürlich das Letztere. Nach einigen Minuten hat sie dann eine elegante Hinterhandwende hingelegt und ist im Wald entschwunden.

Die Luft in Lappland ist zur Zeit wieder potentiell "bleihaltig", denn die Saison für die Elchjagd hat begonnen. In den vier nördlichsten Länen (Bundesländern) in Schweden (Norrbotten, Västerbotten, Jämtland und Västernorrland) beginnt die Elchjagd immer am ersten Samstag im September (dieses Jahr der 3.9), in den südlicheren Länen am zweiten Samstag im Oktober. Regionale Sonderregelungen können vorkommen.

Wer es für eine bestimmte Region ganz genau wissen möchte, kann sich hier sachkundig machen.

Was bedeutet die Elchjagd für Besucher und Touristen?

Die Elchjagd ist i. d. R. eine statische Ansitzjagd. Vereinfacht ausgedrückt: Die Jäger sitzen an einem Platz und warten darauf, dass ein Elch in ihrem jeweiligen Schussfeld auftaucht.

Es ist empfehlenswert, in der Jagdzeit die Augen offen zu halten, wenn man wandernd unterwegs sein sollte. Aktuelle Jagdgebiete sind daran zu erkennen, dass am Strassenrand verstreut viele Autos parken und meistens auch Jäger bereits von der Strasse aus sichtbar sind. Manche Jagdgesellschaften (leider viel zu wenige!!) sind sehr vorbildlich und stellen an den Strassen Hinweisschilder über ihr Jagdgebiet auf.

Somit können Spaziergänger, Fahrradfahrer, Angler usw. das ausgewiesene Gebiet meiden und bewegen sich nicht unfreiwillig in bleihaltige Luft hinein. Eine Gewehrkugel kann nämlich einige Kilometer weit fliegen.

Zwar tragen die meisten Jäger auf dem Ansitz Kleidung in Signalfarben, doch das nutzt nichts, wenn wir uns das besonderes Risiko im psychologischen Bereich innerhalb der Jagd anschauen:

Laufen Mensch oder Hund in das Schussfeld eines Elchjägers, ist das Risiko extrem gross, dass auf jeden Fall ein Schuss abgefeuert wird. Die Psyche des Jägers ist völlig auf Elch programmiert, und deswegen wird - wiederum vereinfacht gesagt - jedes Objekt das sich innerhalb seines Schussfeldes bewegt erst einmal mit dem Attribut „Elch“ belegt.

Die Gerichtsakten von Jagdunfällen belegen eindeutig, dass die Mehrzahl der Täter fest davon überzeugt waren, einen Elch beim Schuss vor sich gehabt zu haben (obwohl sich ein Mensch im Regelfall ziemlich deutlich von einem Elch unterscheidet).

Bitte, liebe Besucher: Jagdgebiete grossräumig meiden, Signalfarben tragen und wenn man dennoch in ein Jagdgebiet gerät durch Geräusche (lautes Rufen, Singen, Glöckchen an der Bekleidung o.ä.) auf sich aufmerksam machen. Bleiben Sie auf alle Fälle auf den Wegen.

A propos: Sehr häufig werden bei der Elchjagd auch Jagdhunde (so genannte „Verbeller“, „Stellende Hunde“) eingesetzt. Diese durchziehen mit einem GPS um den Hals mitunter grosse Gebiete um Elche zu stellen. Der Jäger sitzt währenddessen oft am heimischen Ofen, starrt auf seinen Computer oder ein mobiles Telefon und sobald sich das GPS Signal einige Minuten nicht mehr bewegt, schwingt sich der Jäger auf sein Quad und eilt zum Schuss.

Wir kommentieren diese Jagdmethode jetzt einmal nicht, aber es ist in Nordschweden auch eine sehr gängige Praxis.

Wer während der Jagdzeit mit seinem Hund unterwegs ist, muss also immer darauf gefasst sein, auf einem freilaufenden Jagdhund zu treffen. Dieser Hund sieht Ihren Hund möglicherweise als Rivalen um die Beute an und es kann zwischen den beiden Vierbeinern zu ungewollten und unschönen Situationen kommen.

Daher sollten Sie Ihren Hund angeleint halten - und das nicht nur in der Jagdzeit, sondern ganzjährig - denn schwedisch Lappland ist gross. Sehr gross.

Nachlese zur Wahl 2018 in Schweden

Die Wahlen in Schweden am vergangenen Sonntag sind ja hinreichend auch durch die internationale Presse gegangen. Und um das Wahlergebnis (lies: Politik) soll es hier auch keinesfalls gehen. Vielmehr wollen wir einige typisch schwedische Details des Wahlverfahrens und seiner Durchführung hier pointieren.

Die schwedischen Wahlen und ihre Tücken. 2014 hatten wir uns aus Anlass der letzten Wahlrunde in Schweden schon einmal den schwedischen Wahlmysterien gewidmet und dabei auch den Punkt mit den Wahlzetteln beleuchtet den dieses Jahr (endlich) die Wahlbeobachter von der OSZE kritisiert haben.

Dieses Jahr haben uns aber weniger die Wahlzettel irritiert, als vielmehr die Wahlkuverts, in welche die Wahlzettel reinkommen. Aus düsterer Erinnerung vergangener deutscher Zeiten ist uns erinnerlich, dass die Wahlkuverts bei der Wahl im Wahllokal (im Gegensatz zur Briefwahl) so aufgebaut waren, dass die Lasche des Kuverts einfach eingeschlagen wird, bevor das Kuvert mit dem Wahlzettel in die Urne kommt (falls das bei Wahlen in Deutschland mittlerweile anders sein sollte, sind wir für einen Hinweis dankbar. Schöner Nebeneffekt dieser Lösung ist, dass die Kuverts - sofern sie noch ansehnlich aussehen - bei der jeweils nächsten Wahl wieder verwendet werden können.

Im „umweltfreundlichen“ Schweden läuft das anders. Hier müssen die Wahlkuverts zugeklebt werden. Das ist befremdlich, denn damit werden sie zum Wegwerfartikel. Zum anderen schmeckte die am vergangenen Sonntag verwendete Gummierung der Kuverts einfach nur eklig. Und in Ermangelung eines Briefbefeuchters in der Wahlkabine bleibt einem keine Alternative, als das Kuvert abzulecken.

Unser besonderes Augenmerk wurde auf die Wahlkuverts fokussiert, weil Frau Lapplandblog bei der Abgabe ihrer Kuverts - jeweils eines mit dem Wahlzettel für die Kommunalwahl, die Wahl zum Landsting und die Wahl zum Riksdagen - ermahnt wurde, die Kuverts doch bitte vollständig zu zu kleben und nicht nur die Mitte der Kuvertlasche feucht anzupunkten. Nun ist ein Wahllokal nicht der angemessene Platz, um Diskussionen mit den Wahlhelfern zu beginnen und deswegen haben wir es auch nicht getan. Aber ziemlich komisch ist das mit den zwingend vollständig zugeklebten Kuverts schon allzumal in Schweden, das sich gerne als so umweltfreundlich präsentiert.

Ein anderer erwähnenswerter Punkt war die Lokalität des Wahllokales. Weil die Gemeindehalle (Folkets Hus) gerade wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, ist die Kommune auf ein Gemeindehaus ausgewichen. Bürgernahe Kirche ist eine lobenswerte Sache, aber der Weg zum Wahllokal im Keller des Gemeindehauses war mit Plakaten dekoriert, die mit Bibelzitaten gefüllt waren. In einem Gemeindehaus, in dem Jugendarbeit betrieben wird, ist auch das nicht ungewöhnlich. Aber für Wähler, die einem anderen (oder keinem) Glauben angehören, ist auch das ziemlich merkwürdig (zumal es wohl kein Problem gewesen wäre, die christlich gestalteten Plakate für den Wahltag abzuhängen).

Ein weiterer Punkt hat uns schliesslich köstlich erheitert. Am Kopfende des Wahllokales befand sich wie ein mittiger Blickfang eine Tür zu einem Vorratsraum. An dieser Tür prangte ein grosses Schild mit der Aufschrift (übersetzt): „Vorrat - der Zugang ist nur Leitern gestattet“. Ausser uns ist vermutlich niemandem der feine und tiefsinnige Humor des Schildtextes in Bezug zu Politikern aufgefallen :-)

Ansonsten verlief der Wahltag - wie nicht anders erwartet - ruhig und harmonisch. Die Wahllokale waren von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ab 20.00 Uhr warteten grosse Teile der schwedischen Bevölkerung vor dem Fernseher oder vor dem Internet auf die ersten Ergebnisse. Aber bei der Publizierung der aktuellen Auszählungsergebnisse gab es dann eine peinliche Panne. Die komplette Homepage der schwedischen Wahlbehörde („Valmyndigheten“), auf der die aktuellen Auszählungsergebnisse publiziert werden, ist gegen 21 Uhr ausgefallen. Für eine knappe Stunde gab es dann erst einmal keine realen Auszählungsergebnisse, sondern nur die Ergebnisse der Prognoseinstitute.

Bilder zu diesem Blogintrag gibt es leider keine, weil das Fotografieren des Wahllokales in den „heiligen Hallen“ leider nicht gestattet war. Aber die Meldung zum Ausfall der Homepage der Wahlbehörde hängen wir gerne als Screenshot hier an.

Homepage der Wahlbehörde ausgefallen