Könnt Ihr Euch noch an Eure Schulzeit erinnern?

- Ein Gastbeitrag von Frau Lapplandblog -

Damals?

Unser Rektor, der unsere Grundschule leitete, hatte eine Prothese. Arm ab. Wegen des Krieges. Er war streng und ging im Stechschritt über den Schulhof. In den Fluren schlich er aber regelrecht. Fast lautlos. So, als ob er nicht entdeckt werden wollte. Von irgendwem.

Die Mathematiklehrerin war eine Persönlichkeit, die du als Schüler von weitem hören konntest. So laut klackten die Metallnägel unter ihren Schuhsohlen auf dem Holzboden des Schulflures. Sie hatte pechschwarze Haare, die zu einer imposanten Frisur hochgesteckt waren. Mathematisch gesehen waren bei ihr Körperlänge gleich Körperbreite.
Mit Hilfe von Langarmblusen versteckte sie die Nummer auf dem linken Unterarm.

Der Schulsport glich einem nach Körpergrössen der Schülerschaft geordneten extrem herausfordernden Bewegungsunterricht.

Leibesertüchtigung stand auf dem Stundenplan. Das war die amtliche Bezeichnung für das Fach Sport. Der Sportlehrer, immer mit einer Trillerpfeife in den Mundwinkeln, aus denen sein Sabber lange Fäden zog, erschien wie nur eine Hälfte Mensch. Die andere Körperseite überliess er dem Schlachtfeld.

Unser Geschichtslehrer hatte dunkelbraune Ringe unter seinen Augen. Seine ganze Haut war grau und dünn wie Pergament. Der ganze Mann machte den Eindruck, dass der nächste Windstoss ihn über die Strasse werfen könnte. Die knochigen Finger blätterten immer hektisch im Schulbuch herum und seine Stimme klang befehlend aber dünn. Ohne Kraft.

Oft sah ich ihn am Fenster stehen. Oben im dritten Stock. Er starrte hinunter in den Pausenhof, wo wir Schüler uns befanden und unser Schulbrot assen. Ich beobachtete ihn oft. Dort oben. Hinter dem Fenster. Mir schien es hin und wieder, dass er mit schluckte, nachdem ich mit meinem Brot fertig kauen war. Hin und wieder legte ich ihm nach der Schulstunde mein Schulbrot ohne Kommentar auf seinen Lehrerpult und verliess das Klassenzimmer.

Unsere Lehrerschaft war damals ein bunt zusammen gewürfelter Haufen Menschen. Ihre Erlebnispäckchen konnte ich täglich auf ihren Rücken sehen. Der eine trug es hoch erhobenen Hauptes, der andere wiederum schien unter der Last des Päckchens beinahe zusammen zu brechen.

Die einen übermässig streng, die anderen wurden im Laufe der Jahre ein wenig fröhlicher. Ihre Mundwinkel wirkten entspannter, die Körperfülle von manchen wuchs an, das Klacken von Metallnägeln in ausgelatschtem und geflicktem Schuhwerk wich einer geschmeidigen Ledersohle. (Ich konnte es riechen. Sass ich doch ganz vorne. Es freute mich für sie.)

Die Schulklingel, die die Pausen oder den Schulschluss ankündigte, war so schrill, dass es noch Minuten nach dem Verhallen des Tones in den Ohren klingelte.

Mein Jahrgang sass noch steif wie Broccoli im Unterricht. Wehe du hast mit deinem Nachbarn geplappert. Schon der Gedanke daran wurde auf wundersame Art und Weise von den Lehrkörpern erkannt und sofortige Sanktionen angedroht.
Hast du es als Schüler geschafft einmal doch zum Nachbarn zu flüstern flogen punktgenau Schlüsselbund oder Kreide in deine Richtung.

Zuhören im Unterricht und Auswendiglernen. Das war Schulalltag. Hausaufgaben bis zum Abwinken. Fast so viele Stunden lang, wie morgens der Schulunterricht der in einem grauen Steingebäude mit riesigen rotleuchtenden Sandsteintreppenstiegen stattgefunden hatte.

Das Geländer handwerklich ein Meisterwerk aus Metall, so dick wie die Unterärme der Schülerschaft. Als Handlauf ein dickes sehr gut gemasertes Holz, das auf geschwungenen Metallornamenten ruhte. Die Putzfrau hatte allerhand Arbeit.

Nicht zu vergessen der Hausmeister. Stets sichtbar mit einem alten, komisch blauen Kittel mit zwei grossen Seitentaschen und einer Reihe schwarzen Vierlochknöpfen.

Er nahm die Arbeit, die ihm übertragen wurde, sehr ernst. Pedantisch ernst. Und brüllen konnte er! Wow! Der hatte ein Organ, da fiel jeder Vogel vom Ast, wenn er loslegte.

Die zuständigen Ministerien nahmen damals jeden, der irgendwie die vorhergehende Zeit überlebt hatte, und sie waren die Lehrer- Hausmeister- und Putzgeneration, die den Neubeginn im Schulwesen mit gestalteten. Ich bin ihnen heute noch sehr dankbar für ihre Geduld, ihr Wissen, was sie uns übermittelten. Es war die Grundlage für meine persönliche Zukunft.

Irgendwann meinten damals unsere Eltern-Erwachsenen, es herrsche Lehrermangel. Weil ein paar Schulstunden ausgefallen waren. Meist in Hauswirtschaft und Kunst.

Es wurden in kürzester Zeit direkt von der Universität Junglehrer eingestellt.

Mit Birkenstock an den Füssen und selbst gestrickten Schlabberpullis. Die anderen gingen immer noch zu Fuss oder fuhren Fahrrad, die Jungen bevorzugten Käfer, Opel oder Fiat.

Unsere Eltern konnten es nicht fassen, was sie dann auf dem Elternabend sahen. Junge, flippige, satte, konsumgierige Wesen, die keine Lebenserfahrung hatten.

"Die sollen unseren Kindern was beibringen?"

Der Verfall im Gesamten war vorprogrammiert.

Heute verweigert eine ganze Schülerschaft den Unterricht.
Weswegen eigentlich?

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The last wilderness... (article in english)

Lapland is home to the last remaining areas of extensive wilderness in Europe. Throughout Europe, the last remaining areas of extensive wilderness are limited to the Arctic regions, and they remain sparsely inhabited and relatively unexploited up to the present day.

But this given impression is severely misleading. Partly because of the sheer size of the area we are talking about. The area of Lapland is about 110.000 square kilometers in size. You have to be willing to take a closer look, otherwise you will miss the small but important details everywhere.

Swedes in general tend to have the attitude of being chosen to save the planet. They often say and confess that they like to keep it sustainable while at the same time driving excessively with their snowmobiles in the winter, leaving their cars running on the parking lot when they are shopping, finding joy in hunting endangered species - like wolves - to near extinction, and so on. There are many more examples. In short: listen swedes - people do not believe what you say, they only believe what you do. So much about that.

There is a lot of talk about climate change these days but it seems as if we have lost sight of the environmental protection and the sense of our responsibility for nature in general. We all have heard about the omnipresent plastics in the oceans. Every year, 8 million metric tons of plastics enter our ocean on top of the estimated 150 million metric tons that currently circulate our marine environments. It’s a catastrophe for many species that ingest plastic and simply die. The marine life has come near to it’s end: the oceans are dying.

Let’s change the geographic focus back to Lapland. Europe’s last remaining wilderness is no longer as untouched as it may seem. Far away from that: the so called „untouched“ nature is nowadays widely filled with garbage. Most of the swedes are regarding nature to be a huge garbage bin.

For the last months I travelled around some very remote places in Lapland to look for traces of environmental pollution. In this part of the project I am focusing on the remains of individuals.

What I found on my travels are the remains of irresponsible people that treated nature as if we had a spare planet in stock.

The omnipresent pollution is so severe that the chances for a recovery are not existing. Even though the situation is not yet as severe as with the plastics in the oceans of the world there are some tricky psychological mechanisms behind the human perception that lead ordinary people to assume that the situation is not that bad. Humans tend to be unable to recognize exponential developments until it is literally too late.

My unpleasant conclusion: We have passed the point of no return and we will have to live with the outcomes (as long as we can).

-> Link to the gallery: „The last wilderness“

The last wilderness in Europe and what we have made of it

Die Perversion geht weiter: Food of the Future

Ein schwedischer Wissenschaftler namens Magnus Söderlund (Link) hat im schwedischen Fernsehkanal TV4 in Sendung vom 3.9.2019 (Link) von seinem Vortrag bei der Gastro summit Messe in Stockholm (Link) berichtet, in dem er dafür geworben hat, dass wir Menschen in Zukunft Kannibalen werden und menschliches Fleisch essen sollen. Dieser Akt würde das Klima retten (Link).

Fragen:

- Sollen die essbaren Menschen dann im Labor dafür gezüchtet werden, oder kann es auch mein Nachbar sein?

- Welche Standards wird die EU uns aus Brüssel auferlegen, damit die essbaren Menschen den bestehenden Vorschriften zur Lebensmittelsicherheiten angepasst werden können?

- Wo gibt es die entsprechenden Ausbildungsstätten für die dann benötigten Spezialisten, die prüfen, ob das jeweilige Menschenfleisch verzehrbar ist, oder fällt der Akt solch einer Prüfung gleich unter den Berufszweig der Pathologen?

- Wie sieht die Preisgestaltung aus? Wird Kiloware auch günstiger wie bisher bei anderen Fleischsorten angeboten, als einzelne Stücke?

- Wo kann ich einsehen, welche menschlichen Fleischstücke die besten sind? Gibt es hierzu schon eine Liste?

- Ist es der Oberschenkel, der Oberarm, die am zartesten sind? Oder ist es die Niere meines Mitmenschen?

- Wann werden die Justizministerien Europas die Gesetzeslage so ändern, dass Kannibalismus straffrei ist?

Fragen über Fragen...

Unsere Tageskarte:

Zarte Nierchen,
eines frisch geschlachteten 35 Jahren jungen, gut durchtrainierten Bauarbeiters,
serviert auf einem Blutpuddingspiegel.

Dazu empfehlen wir Bratkartoffel aus dem 3D-Drucker.

Alles fürs Klima.

Ja, ja. So manche Ideologie hat ihre Tücken.

Geliefert wie bestellt.

Vielleicht doch lieber vegetarisch - Die Perversion geht weiter: Food of the Future

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1972 - 2019

Genau hinschauen und genau zuhören!

Und wer gut in Mathematik ist, möge 1+1 zusammen zählen!

Sage nicht: "Davon habe ich nichts gewusst." Das hatten wir schon einmal.

Kollateralschäden - Windkraft in Lappland

Der Begriff Kollateralschaden bezeichnet in der räumlichen Umgebung eines Ziels entstehende an sich unbeabsichtigte oder eventuell „in Kauf genommene“ Schäden aller Art.


Kollateralschäden sind mittlerweile ein gängiges Phänomen im Bereich der Kriegsführung und bei kapitalistischen Wirtschaftssystemen. Wir widmen uns heute dem letztgenannten Bereich.

Im Rahmen von auf Gewinnoptimierung angelegten Systemen werden Kosten gerne „sozialisiert“ (d. h. auf die Allgemeinheit umgelegt, z. B. durch Steuern) oder es werden Rohstoffe und/oder andere benötigte Zutaten aus der nicht einzelnen Subjekten eigentumsrechtlich zugeordneten Natur entnommen.

Im Klartext: Chemiemüll und Plastik werden z. B. einfach in die Ozeane gekippt. Kostet erst einmal nichts. Die langfristige Katastrophe kratzt die Konzerne nicht. Wenn die entstehenden Probleme sich später einmal zum Risiko für die Allgemeinheit entwickeln, dann wird schon irgendein Staatswesen auf Kosten der Steuerzahler - die bekanntlich hauptsächlich aus Beziehern kleinerer und mittlerer Einkünfte bestehen - einspringen.

In den Medien wird der Kausalzusammenhang selten problematisiert. Über die Katastrophen wird gerne und ausgiebig berichtet. Dass es sich um systemimmanente Probleme handelt, und was gegen die Ursache der Probleme eigentlich zu tun wäre, das ist ein Tabu in den Medien.

Jetzt aber zur Windkraft. Die Windmühlen schiessen in Lappland überall aus dem Boden. Europas grösster Windpark wird gerade in der Piteå kommun gebaut (1100 Windkraftwerke). Auch an zahlreichen anderen Orten in Lappland entstehen rekordverdächtige Anlagen.

Der Wind, ja der kommt ja aus der Natur. Der produzierte Strom, ja der wird in Schweden gar nicht gebraucht, sondern wird in das übrige Europa exportiert.

Die Kolleteralschäden, ja die gibt es auch zuhauf. Nur schauen fast alle (insbesondere die etablierten Medien) geflissentlich weg. Die Gunst der Lokalbevölkerung wurde über grosszügige Pachtverträge und Zuwendungen erkauft. Und die „öffentliche Meinung“ in den Medien ist generell jedem Wahnsinn geneigt, insofern er auch nur im Entferntesten nach Arbeitsplätzen riecht.

Die Rentiere der samischen Rentierzüchter leiden unter der Windkraft, die Jagdgebiete veröden und Wildtiere zahlen die Rechnung.

Frau Lapplandblog und ich begleiten mehrere Windparks in unsere Nähe seit über 10 Jahren (siehe z. B. hier und hier). Und gerade vergangene Woche haben wir wieder so einen abgrundtief traurigen Fund gemacht. Am Fusse eines Windkraftwerkes lag ein „geschredderter“ Specht. Eine Anklage gegen die Gier der Menschen und gegen das Totalversagen allen Naturschutzes.

Nebenbei bemerkt: Im Zuge der Diskussionen über „klimafreundliche“ Energiegewinnung widmet sich - soweit ersichtlich - Niemand der Gesamtökobilanz von Windparks. Mengen von dieselgetriebenen Baumaschinen sind im Einsatz; grossflächige Rodungen geschehen; grossflächige Wegenetze werden gebaut; Tausende Tonnen von Stahl und Beton werden versenkt (siehe hier); die Fundamente - wie auch die ganzen Windkraftanlagen müssen nach den Verträgen nach dem Ablauf der Laufzeit in der Regel nicht rückgebaut werden; alle benötigten Teile und die Windkraftanlagen werden mit dieselbetriebenen LKWs aus halb Europa nach Lappland gekarrt; die Liste liesse sich noch lange fortsetzen.

Rechnet man alle Faktoren ein, sind die Windparks alles, nur nicht umweltfreundlich. Der Specht kann leider nichts mehr dazu sagen…

Kollateralschäden - Windkraft in Lappland
Kollateralschaden der Windkraft in Lappland

Innenansichten verschiedener Kirchensysteme, oder: Pfarrer im Ruhestand in Deutschland und Schweden im Vergleich

Manche Begegnungen und Gespräche geben erst im Nachhinein oder aus ihrem Zusammenhang heraus einen Sinn. Wie das Leben eben manchmal so spielt.

Kürzlich hatten wir bei Kaffee und Kuchen ein aufschlussreiches Gespräch mit einem schwedischen Gemeindepfarrer. Wir sprachen über dieses und jenes und auch über Gemeinde im Allgemeinen.

Die - für uns erstaunliche - Quintessenz des Gespräches war, dass er einfach nur - wie viele andere auch - seinen "Job" machen würde. In seinem Arbeitsvertrag stünde genauestens drin, welche Tätigkeiten er zu verrichten hätte und mehr würde er darüber hinaus auch nicht machen.

Besonderes Engagement oder Sorge um das Wohl und Wehe seiner Kirchengemeinde? Fehlanzeige.

Ein Job - mehr nicht.

Im Gegensatz dazu, nur kurze Zeit später, erfolgten Gespräche mit zwei deutschen Geistlichen, ohne Kaffee und Kuchen:

einem katholischen und einem evangelischen Vertreter der Christenheit. Beide wie der Schwede soeben in Ruhestand gegangen.

Spontaner Befund:

Bei beiden Vertretern nahmen wir eine sehr starke (Über-) Identifikation mit dem anvertrauten Dienst wahr, die teilweise darin gipfelte, dass gerade beim Protestant die eigene Familie eine untergeordnete Rolle spielte. Familie kannte der Herr Pfarrer nur noch aus der Arbeitsperspektive heraus und wusste zu dem Zeitpunkt unseres Gespräches nicht einmal, wie es seinen eigenen schon erwachsenen Kindern erging.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand fiel das deutsche Personal Gottes auf Erden in ein „grosses Loch“. So die unabhängigen Erzählungen der beiden. Zwar kamen Varianten im Werdegang zu Tage, doch es machte sich Leere und Sinnlosigkeit in ihrem Leben breit.

Der schwedische Pfarrers-Pensionär hatte sich schon lange vor seinem letzten Arbeitstag ein Hobby gesucht, denn für ihn war die Gemeindearbeit schon immer nur ein Job mit geregelten Arbeitszeiten, die laut der Gewerkschaft (Link) auch dringend einzuhalten seien. Somit ist sicher gestellt, dass dem Arbeitnehmer genug freie Zeit zur Verfügung steht und diese gilt schliesslich zu füllen - und zwar mit einem Hobby. Ausserdem müsse eine hohe Arbeitsbelastung verhindert werden.

Arbeitsbelastung? Wie?
Wie kommt denn Arbeitsbelastung zustande, wenn keinerlei Schäfchen mehr auf der Weide stehen?
Lassen wir das aber mal einfach so stehen. Selbstdenken ist erlaubt!

Die Frage, die mich seit den Gesprächen gerade mit den deutschen Schäfern beschäftigt, ist folgende:

Wenn die Zeit „auf der Kanzel“ (evangelische Variante) oder „am Altar“ (katholische Variante) mit der Fürsorge um die „Schäflein“ und den Möglichkeiten zu subtiler Machtausübung ihr Ende gefunden hat, kommt die Krise.

Welches System ist nun besser und einfacher?

Innenansichten verschiedener Kirchensysteme, oder: Pfarrer im Ruhestand in Deutschland und Schweden im Vergleich
Grabtuch oder Gewand?