Der Wahnsinn hat Methode - Blutsaugendes Stechgetier am Polarkreis in Lappland

Über das Wetter habe ich dieses Jahr nicht viel geschrieben. Es ist feucht-warm. Hier in Lappland wird oft über den Sommer gescherzt. Ein beliebter Witz lautet z. B. (frei übersetzt): Oh, auch dieses Jahr ist es wieder Sommer. Er ist am Mittwoch. Das soll zum Ausdruck bringen, dass der Sommer seinem Namen bisweilen keine Ehre macht. Es gab schon Jahre, in denen wir praktisch das ganze Jahr über mit Heizung gelebt haben um keine Frostbeulen im Sommer zu bekommen.

Dieses Jahr ist das wieder einmal ganz anders. Natürlich ist der Sommer hier nicht mit einem „Hochtemperatursommer“ in Deutschland zu vergleichen. Temperaturen jenseits der plus 25 sind ungewöhnlich und sehr selten. Aber nach einem langen und harten Winter sind 20-25 Plusgrade schon ein „richtiger“ Sommer. Diese Art von Wärme hat dieses Jahr - gepaart mit Regen - um Midsommar herum angefangen. Streckenweise hat sich der Sommer subtropisch angefühlt. Das wäre ja an und für sich nicht schlimm, wenn, ja wenn da nicht die blutsaugenden Fluginsekten wären. Fecht-warmes Wetter führt zu deren explosionsartiger Vermehrung und macht es an manchen Tagen praktisch unmöglich in die Natur zu gehen. Die besonders exponierten Stellen sind gerade eben die Plätze, an denen man sich im Sommer gerne aufhält: Dichterer Wald und feuchte Strandgebiete (bzw. Gebiete in Wassernähe).

Eine „Wolke“ an Stechmücken um sich zu haben, verdirbt einem schlichtweg die gute Laune und 100 Mückenstiche machen auch alles andere als Spass.
Die klassischen Mückenmittel (über die wir hier schon einmal berichtet hatten) kommen da an ihre Grenzen, zumal sie für alle Plastikteile (Kameraausrüstung!) ziemlich schädlich sind. Sie greifen nämlich Plastik an und lösen es auf.

Also haben wir mal die Alternativen systematisch durchprobiert.

Lagerfeuer am Seeufer in Lappland


An erster Stelle wäre da ein möglich heftig qualmendes Lagerfeuer. Aus irgendwelchen Gründen mögen die Stechmücken keinen Rauch. Also ein Lagerfeuer entfachen und dann grüne Gräser und Zweige (mit Blättern oder Nadeln) draufgeben, sodass es gut qualmt. Bitte die einschlägigen Brandschutzvorschriften beachten und die Feuerstelle beim Verlassen richtig (!) und gründlich (!) löschen. Das Problem ist, dass der Rauch in Richtung des Windes zieht. Man muss sich also immer wieder mal neu positionieren. Ausserdem brennt der Rauch in den Augen und die Kleider stinken dann auch entsprechend. Aber es nützt etwas.

Mückenspirale m Einsatz


Eine weitere Alternative sind Mückenspiralen, die - einmal angezündet - vor sich hin glimmen und ihren Duft verbreiten. Im ungeschützten Freien verpufft die Wirkung aber recht leicht. Getestet haben wir die von US622. Die enthaltenen Wirkstoffe sind aber extrem schädlich für Gewässer (und alles, was darin lebt). Vorsicht ist also angesagt. Uns haben die Mückenschutzspiralen nicht überzeugt.

Kreativer Verdampferofen zum Mückenschutz


Eine kreative Lösung haben wir durch Zufall entdeckt. Vielleicht kennen Sie die Mückenschutzstecker, in die kleine Plättchen gesteckt werden. Die Stecker sind eigentlich für 220 Volt gebaut, die es in der freien Natur in der Regel nicht hat. Aber die Plättchen werden durch den Stecker nur erhitzt, wobei der Wirkstoff freigesetzt wird. Mit einem Multitool, einem Teelicht und einer leeren Getränkedose lässt sich in ein paar Minuten ein einfacher „Verdampferofen“ bauen, der mit den Plättchen aus dem Mückenstecker zum gewünschten Ergebnis führt. Wie auch für die Mückenspiralen gilt, dass es nicht zu windig sein sollte (sonst verpufft die Wirkung). Das Mittel in den Plättchen ist vermutlich nicht sonderlich gesundheitsfördernd, aber es wirkt. Auch hier gilt: Beim Verlassen des Ortes bitte den verbleibenden Müll wieder mitnehmen.

Fazit: Das qualmende Lagerfeuer hat den grössten Charme, der kreative Verdampferofen die grösste Effektivität.