Manchmal...

hoffe ich einfach nur inständig, dass der Name nicht Programm ist :-)

havfre_fras
Wer kann dazu schon nein sagen? :-)

Neue Serie "Kitchen Sink" - Essenskultur und Kultur in Schweden

Als ich kurz vor Weihnachten in einer echt schwedischen Küche stand, wurde mein Blick geradezu magisch vom Spülbecken abgezogen. Mein Blick schweifte dorthin und dieser Augenblick war geradezu eine Offenbarung.

Was sagt ein Abfluss im Spülbecken über die Essenskultur und überhaupt über die Kultur eines ganzen Landes aus? Sehr viel! Drei Monate lang habe regelmässig diese schwedische Küche besucht. Dabei sind jede Menge Bilder entstanden.

Vor einigen Tagen habe ich nun mein neues Projekt "Kitchen Sink" abgeschlossen. Eine Serie in der es um die Essenskultur und generell die Kultur in Schweden aus der Perspektive eines Ausgusses im Küchenwaschbecken geht.

-> Zur Serie "Kitchen sink"



Eines der Bilder aus der neuen Serie „Kitchen Sink“

Die Schweden und der Alkohol

Alkohol in Schweden - Balsam für die schwedische Seele?

Vorbemerkung: Dieser Artikel basiert auf allgemein zugänglichen Quellen, Statistiken sowie eigenen Wahrnehmungen aus den zurückliegenden zehn Jahren, in denen wir hier leben.  Wie bei allen empirischen und evidenzbasierten Aussagen kann kein Rückschluss auf einzelne Individuen gezogen werden. Es geht hier vielmehr um die Beschreibung des Zustandes der schwedischen Gesellschaft und die Tendenzen innerhalb derselben im Allgemeinen.

Das schwedische statistische Zentralbüro (SCB) hat kürzlich die Ergebnisse einer grossen Studie zum allgemeinen Gesundheitszustand der Einwohner Schwedens veröffentlicht. Die Studie wurde von 2013 bis 2016 in der Altersgruppe von 16 bis 84 Jahren durchgeführt. 

Ein Teil der Ergebnisse ist schockierend: 

Jeder fünfte Mann und jede achte Frau in Schweden sind Alkoholiker. In Västerbotten z. B. sind 14% der Männer und 12% der Frauen, in Norrbotten 18% der Männer und 12% der Frauen betroffen. Die meisten Alkoholiker gibt es - der Studie zufolge - in Stockholm und Uppsala.


I. Anlas genug, sich der Thematik hier einmal anzunehmen. Ausgangspunkt soll eine geschichtliche Betrachtung des Verhältnisses der Schweden zum Alkohol sein.

Probleme mit dem Alkohol gab es in Schweden bereits vor Jahrhunderten.

Nach langen und leidenschaftlichen Auseinandersetzungen um das Pro und Contra erfolgte im Jahre 1766 durch König Adolf Fredrik ein Erlass, nach dem alle Beschränkungen im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum alkoholhaltiger Getränke aufgehoben wurden. 

Ein Ergebnis der königlichen Verfügung war, dass schlagartig beinahe alle schwedischen Haushalte mit der Herstellung alkoholhaltiger Getränke begannen. Die Folgen zeigten sich u. a. in der Landwirtschaft, denn grosse Mengen an Getreide und Kartoffeln, die eigentlich als Viehfutter  gedacht waren, flossen jetzt in die Produktion der hochprozentigen Getränke.

Schätzungen zufolge gab es zum Beginn des 18. Jahrhunderts in Schweden ungefähr 175.000 private Schnapsbrennereien.  

Staatliche Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. 

Fünfzig Jahre später entstand in der Stadt Falun, in Darlana gelegen, eine erste Beschränkung. Es wurde das erste Alkhoholmonopol gegründet und war ganz im Sinne der staatlichen Interessenlage.

Die Stadtverwaltung hatte nämlich beschlossen, dass der Alkoholverkauf in der Stadt reguliert werden und „verantwortungsvoll“ erfolgen sollte.

Auf Reichsebene wurde es dann 1860 illegal, alkoholhaltige Getränke an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen und eine neue Herstellungsverordnung verbot die seit 1766 legale Heimbrennerei.

Ebenfalls im Jahre 1860 öffnete in Göteborg die erste staatlich zugelassene Bar, die den Namen „AB Göteborgssystemet“ hatte. Die Regelungen sahen vor, dass angetrunkenen Personen die Bedienung verweigert und gekaufte Spirituosen nicht mitgenommen werden durften, sondern an Ort und Stelle verkonsumiert werden mussten. 

Dieses System setzte sich auf breiter Front durch und bald war das gesamte Land mit solchen staatlich reglementierten Bars überzogen. Nachdem das Konzept sich so schnell durchgesetzt hatte wurde 1870 beschlossen, dass die Gewinne aus den Bars an den Staat zu fallen hatten.

Während des ersten Weltkrieges war Alkohol in Schweden strikt rationiert. 

Seit  Beginn des 19. Jahrhunderts gab es zudem eine neue sund tarke gesellschaftlichen Kraft: Die so genannte „Nüchternheitsbewegung“ („Nykterhetsrörelsen“). 

Zahlreiche Vereine, Gemeinden und andere Organisationen engagierten sich gegen die Trunksucht in Schweden. Dadurch entstand eine breite Front, die zu einer der stärksten Einflüsse in der zeitgenössischen Politik wurde.

Um die gesellschaftlichen und individuellen Probleme mit dem Alkohol von staatlicher Seite aus in den Griff zu bekommen, wurde - zunächst in einigen Landesteilen lokal ab dem Jahre 1914 und landesweit ab 1917 - das System der „Alkoholbezugsbücher“ („Motbokskontrollen“) eingeführt. Das nun neu geborene System hörte auf den Namen „Brattsystemet“, benannt nach einem der Erfinder, dem Arzt Ivan Bratt.

Die Idee war einfach, aber effektiv: 

Ein individuelles Bezugsheft berechtigte zum Einkauf alkoholischer Produkte. Jeder Einkauf wurde im Heft mit Datum, sowie Art und Anzahl der gekauften Produkte vermerkt. Nicht alle Schweden hatten Zugang zu einem solchen Bezugsheft. Wer unter 21 Jahren alt war, oder bereits bekanntermassen Alkoholprobleme hatte, blieb beim Einkauf aussen vor. 

Im gleichen Jahr, 1917, wurde auch das „Aktiebolaget Spritcentralen“ gegründet (umgangssprachlich als „Vin & Sprit“ bezeichnet), das ein staatliches Monopol auf den Verkauf aller alkoholhaltigen Getränke erhielt.

Der Kampf um den Alkohol und die Trunksucht in Schweden hatte dann seinen Höhepunkt im Jahre 1922. 

Es kam zu einer landesweiten Volksabstimmung mit der Frage, ob der Verkauf alkoholhaltiger Getränke in Schweden generell verboten werden sollte. Das Ergebnis war so knapp, wie man es sich nur vorstellen kann.

Von insgesamt 3.302.483 Wahlberechtigten nahmen 1.820.452 (d.h, 55,1 %) an der Abstimmung teil (mehr Personen, als an der Reichstagswahl 1921 teilgenommen hatten, nämlich nur 54,2 %). 

Das Wahlergebnis über das Verbot vom Verkauf des Alkohols lautete:  
925.097 Nein-Stimmen (51 %) und 889.132 Ja- Stimmen (49 %). Insgesamt 6.223 Stimmen waren aus formellen Gründen ungültig. 

Die Gegner eines generelles Verbotes konnten sich also nur um Haaresbreite nicht durchsetzen. Nach der Volksabstimmung beschloss der Reichstag somit kein generelles Verbot, setzte aber die äusserst restriktive Alkoholpolitik fort. 

Die Alkoholbezugsbücher blieben infolge der restriktiven Politik bis 1955 erhalten. Ebenfalls 1955 wurde das staatliche Alkoholmonopol auf das heute immer noch existierende „Systembolaget“ übertragen. 

Die Anforderungen an das Recht zum Kauf alkoholhaltiger Getränke wurden verändert und hinzu kam, dass der Verkauf nicht erfolgen durfte, wenn damit zu rechnen sei, dass der Käufer die gekauften Waren an Dritte weiterverkaufen oder weitergeben würde.

Die Abschaffung der Bezugsbücher zeigte dennoch spontanen Erfolg: 

Der Verkauf von alkoholhaltigen Getränken stieg bereits im ersten Jahr nach der Abschaffung um 25 %. Um diesem neuen Trend entgegen steuern zu können wurden kurze Zeit später Steuererhöhungen auf alkoholhaltige Getränke und eine Ausweispflicht beim Kauf eingeführt.

1969 wurde das Mindestalter für den Einkauf auf 20 Jahre gesenkt.

Das Systembolaget ist noch heute die exklusive Bezugsquelle für alkoholhaltige Getränke (mit Ausnahme des sog. „Leichtbiers“ („Lättöl“), das maximal 2,25 Volumenprozent Alkohol enthalten darf). Sogar die Öffnungszeiten des Systembolaget sind staatlich geregelt. 

Sonntags ist stets geschlossen und an Samstagen ist nur bis zwischen 13 und 15 Uhr geöffnet (je nach der Grösse der Filiale).

1979 wurden neue, verschärfte Regeln für die Werbung für alkoholhaltige Getränke erlassen. Werbeanzeigen durften ab diesem Zeitpunkt nur noch in besonderen Fachzeitschriften veröffentlicht werden.

1995 wurde Schweden Mitglied der EU. 

Im Zuge dessen wurden auch die Regeln um den Alkoholverkauf angepasst. Nach einer Entscheidung des EuGH durfte das Monopol des Systembolagets beibehalten werden. Der  Direktimport alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Staaten ist seitdem aber zulässig, weil sonst die unmittelbar aus dem EU-Vertrag folgende Waren- und Dienstleistungsfreiheit beeinträchtigt würde. 

Dasselbe gilt nach Ablauf der siebenjährigen Übergangsfrist im Jahre 2002 auch für die private Einfuhr alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Ländern.

Soweit der geschichtliche Hintergrund.


II. Nun zu Empirie und Statistik.

1. Die Begrenzungen in Sachen Alkohol gelten u. a. auch in der Apotheke und bei Koch- und Backwaren. Der Hustensaft in Schweden ist alkoholfrei (was die interessierten Fragen einiger schwedischen Besucher erklärt, ob wir denn „deutschen Hustensaft“ für sie hätten). Gleiches gilt für eingelegte Kirschen oder Backaromen.

2. Die Anonymen Alkoholiker gibt es natürlich auch in Schweden. Sie hören hier auf den Namen „Länkarna“ und machen eine durchweg grundsolide Arbeit. Leider wird das meist segensreiche Wirken nicht allerorts erkannt. In einer Kommune ganz in der Nähe wurde z. B. im vergangenen Jahr der subventionierte Mietvertrag der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft über das Vereinshaus der Länkarna mit der Begründung gekündigt, dass sich alle Betroffenen mit Alkoholproblemen doch einfach direkt an die Kommune wenden könnten. Unklar ist, an wen sie sich wenden sollen und welche Hilfe sie dort erhalten können. Von der Frage, dass die Betroffenen dann gleich kommunal aktenkundig sind einmal ganz abgesehen. So kann kein Vertrauen aufgebaut werden, dass die Grundlage jeder Veränderungsmöglichkeit ist.

3. Früher waren in Deutschland die „Butterfahrten“ populär. In Schweden geht es eher um „Alkoholfahrten“, will sagen: Günstige Städtereisen ins europäische Ausland erfreuen sich mit dem primären Ziel des preisgünstigen Alkoholkonsums äusserst grosser Beliebtheit. Drei Tage Berlin für 79 Euro (Busreise) sind an der Tagesordnung.

4. Das seit 1860 bestehende Verbot der Heimbrennerei wird noch heute systematisch unterlaufen. In vielen Dörfern weiss jeder Einwohner sehr genau, wer eine eigene Brennerei betreibt und unter der Hand Hochprozentiges feilhält.

5. Deutlich wird, dass Probleme mit dem Alkoholkonsum in Schweden seit Jahrhunderten bestehen. Die Erklärungsversuche, warum das so ist, sind mannigfaltig. Oft wird auf die langen Winter mit der ausgedehnten Dunkelheit verwiesen. Diese würden dazu führen, dass die Menschen eine Möglichkeit zur „Realitätsflucht“ benötigen würden. Ein Körnchen Wahrheit mag sich in dieser Theorie verbergen, aber andere Länder haben auch ihre spezifischen Probleme, die sie nicht systematisch „im Alkohol ertränken“. Zudem erhellt ein Blick auf die Landkarte, dass es die ausgeprägten Probleme mit der Dunkelheit eigentlich nur ab Sundsvall nordwärts geben dürfte.

Neue Studien zeigen zudem, dass der Alkoholkonsum in Schweden weiterhin stetig steigt (während er in vielen südeuropäischen Ländern sinkt).
Der Alkohol in Schweden ist also eine Art Mysterium. 

6. Eigene Ursachenforschungen und Befragungen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis aus den zurückliegenden 10 Jahren ergeben ein interessantes Bild. 

Fast alle der befragten Schweden geben ein aufschlussreiches Trinkschema an: Getrunken wird meist in Gemeinschaft mit anderen. 

Das läuft so ab, dass bewusst ein Rahmen zum Trinken geschaffen und organisiert (Materialbeschaffung!) wird, innerhalb dessen dann in der Regel getrunken („gesoffen“ wäre wohl hier das treffendere Wort) wird bis zum sprichwörtlichen Abwinken. In der Gemeinschaft fällt die Hemmschwelle des ansonsten allgegenwärtigen gesellschaftlichen Tabus und wenn Schweden etwas tun, dann stets systematisch, wohl geordnet und bis zum bitteren Ende. 

Besonders problematisch ist es, dass das Durchschnittsalter dieser Trinkgelage statistisch gesehen fällt. Es ist heutzutage durchaus üblich, dass die Abgänger des Gymnasiums (Altersdurchschnitt: 16 Jahre) sich regelmässig ins Koma saufen -  und das gewiss nicht mit der Flasche aus dem Leichtbierregal!

Die Schweden und der Alkohol

Husmannskost: Echte schwedische Köttsoppa (mit Rezept)

Nebelschaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart
Nebelschwaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart

Im Kochtopf dampft es. Gerade waren liebe schwedische Freunde zu Besuch und haben einen grossen Topf mit einer regionalen Spezialität vorbei gebracht. Nun gart im Kochtopf eine „Köttsoppa“, eine echte schwedische "Fleischsuppe", und es liegen dichte Nebelschwaden über der Suppenoberfläche.

Eine Köttsoppa ist hier in Lappland ein fester Bestandteil der sog. „Husmannskost“ („Hausmannskost“). Wie auch in Deutschland zählen dazu traditionell schnell zubereitete Gerichte, die vor allem eines sind: nahrhaft.

Die Husmannskost in Schweden ist regional unterschiedlich, denn sie beruht auf dem jeweiligen lokalen Nahrungsangebot. Hier in Lappland ist die Köttsoppa mit Elchfleisch ein solcher Klassiker, besonders im Herbst.

Gegen Mitte September ist der erste Durchgang der Elchjagd in Lappland abgeschlossen und die Tiefkühltruhen vieler Jäger sind prall gefüllt. Da bietet es sich an, eine kräftige und herzhafte Köttsoppa mit Elchfleisch auf den Tisch zu bringen.

Und hier gibt es gleich das Originalrezept dazu:

Zutaten

- 500 gr. Elchfleisch (alternativ: alles, was "gulaschtauglich" ist)
- Drei Karotten
- Eine Pastinake
- Ein Stück Sellerie
- Zwei Zwiebeln
- Drei Kartoffeln
- Ein Würfel Fleischbrühe (Brühwürfel)
- Schwarzer Pfeffer
- Salz
- Ein Lorberblatt
- Etwas Thymian
- Petersilie

Zubereitung

Das Fleisch in gulaschgrosse Stücke schneiden und in den Topf geben. Wasser zugeben, sodass das Fleisch bedeckt ist. Salz zugeben und aufkochen. Dann die übrigen Gewürze und den Brühwürfel zugeben. Etwa 20 Minuten bei mittlerer Wärme kochen lassen. Dann das geschälte und klein geschnittene Gemüse zugeben. Gegebenenfalls noch etwas Wasser nachfüllen. Kochen lassen, bis sich die Fleischstücke leicht braun färben. Mit der Petersilie garniert servieren. Dazu schmeckt frisches Butterbrot.

Guten Appetit, oder: Smaklig måltid!

2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt

Die über Midsommar in Nordschweden (insbesondere in Lappland) gereiften Beeren geniessen weltweit einen hervorragenden Ruf und sind beliebt bei Feinschmeckern wie Sterneköchen. Viele Urlauber kommen eigens gezielt zur Beerensaison zu uns, um dann mit reichen Schätzen wieder nach Hause zu fahren.

Und sogar Gastarbeiter aus fernen Ländern werden eigens für die Ernte der begehrten Beeren eingeflogen: Dieses Jahr haben 6.061 Thailänder eine zeitlich befristete Arbeitserlaubnis für die Dauer der Beerensaison erhalten (im Vorjahr waren es 5.807).
 
Am begehrtesten ist die Hjortron (Moltebeere, Engl: Cloudberry), die den würdevollen Titel "Gold of Lapland" trägt. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Dieser liegt in der Saison bei um die 10 Euro pro Kilo Rohware. Aber auch viele andere Beerensorten halten, was sie versprechen.
 
Wie sieht es aus mit den Beeren dieses Jahr? Geradezu unglaublich. Eine Rekordernte wird erwartet und bereits jetzt - sehr zeitig im Jahresvergleich - schwärmen Einheimische und Besucher in die Wälder aus, um abends schwerbeladen wieder nach Hause zu kommen. Wer auf Beeren aus Lappland aus ist, sollte sich also am besten sofort ins Flugzeug oder Auto setzen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Hjortron-Saison sehr kurz ist; sie dauert nur drei bis vier Wochen.
 
Erstaunliche Feststellung: Die Beeren sind dieses Jahr so gut, dass sogar unsere Hunde gerne Moltebeeren zupfen und verspeisen.

2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt
Hjortron - Das „Gold of Lapland“ - wird sogar von Hunden geliebt!

Kleine Schwedische Kaffeekunde

Rein statistisch haben die Finnen den größten Kaffeekonsum der Welt, dicht gefolgt von den Norwegern und den Schweden (Quelle: Wikipedia).
 
Im Jahr 2011 entfielen auf jeden Schweden 6.329,2 Gramm Kaffee. Das gibt so etwa 3 Tassen pro Tag (Quelle: Euromonitor - PDF).
 
Zieht man Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ab, dürfte die tatsächliche Zahl bei den "aktiven Kaffeetrinkern" deutlich höher liegen. Nach meinen eigenen Erfahrungen dürfte der Praxiswert bei ca. 6 Tassen liegen. Das hat auch mit der schwedischen Eigenart der Fikapausen zu tun.
 
Interessanterweise gibt es in der schwedischen Kaffeekultur einige Besonderheiten, die dem Tourist oder Einwanderer vielleicht nicht bekannt sind. Deswegen hier einige Erklärungen.
 
Die Verwirrung fängt bereits beim Einkauf an. In Schweden gibt es nämlich zwei unterschiedliche Kaffearten. Dem ungeübten Auge fällt das vielleicht nicht auf. Quillt dann aber später der Kaffee aus dem Filter der Kaffeemaschine sind Ärger und Verwirrung gross.

Schwedische Kaffeekunde: Bryggkaffee und Kokkaffee
Zum Verwechseln ähnlich: Bryggkaffee und Kokkaffee

 
Die unterschiedlichen Sorten hören auf den Namen "Brygg", bzw. "Kok".

Der Bryggkaffee ist für die aus Mitteleuropa bekannte Kaffeemaschine bestimmt.

Der Kokkaffee hingegen ist für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. In Deutschland ist die Kaffeezubereitung durch Perkolation heutzutage nahezu völlig in Vergessenheit geraten. Bekannt ist es vielleicht durch die kleinen Espresso-Perkolatoren, die ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub in südeuropäische Länder sind.

Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör
Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör

Die in Schweden gebräuchlichen Perkolatoren arbeiten nach demselben Prinzip, sind aber einige Nummern grösser. Der "Kokkaffee" ist nun für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. Der Geschmack des durch Perkolation hergestellten Kaffees ist speziell. Er ist sehr stark und enthält normalerweise viel "Kaffeesatz". Der gröbere Kokkaffe der beim Kontakt mit dem kochenden Wasser stark aufquillt kann auch in normalen Kaffeemaschinen verwendet werden, wenn die Dosierung auf etwa die Hälfte verringert wird.
 
Beim Einkauf deswegen bitte auf die Bezeichnung und die Symbole auf den Kaffeepaketen achten. Das Symbol mit der stilisierten Kanne steht für den Kokkaffe, das Symbol mit dem stilisierten Porzellanfilter für Bryggkaffee.

Und welche Kaffeesorte ist nun die Beste? Die Geschmäcker gehen auseinander. Ein schwedischer Klassiker ist der "Löfbergs Lila". Vom Geschmack her ist er allerdings nicht mit mitteleuropäischem Kaffee zu vergleichen. Und noch eine Besonderheit: Schweden trinken ihren Kaffee gerne stark. Was in Mitteleuropa am oberen Ende der Stärkeskala liegt, ist hier gerade einmal knapp unter dem Durchschnitt. Dafür werden die Tassen in Schweden normalerweise nur ungefähr halb- bis zweidrittelvoll gemacht. Und wer es perfekt machen möchte, serviert seinen Gästen Würfelzucker und keinen Streuzucker.

 Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Achten Sie auf die eingekreisten Symbole


Was uns zu der alten schwedischen Weisheit führt: Alles darf geschehen. Aber dass kein Kaffe im Haus ist, wenn ein Besucher vor der Tür steht, ist eine Katastrophe. In diesem Sinne.
 
 

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube

Heute widmen wir uns einem echten Highlight der schwedischen Essenskultur: Kalles Kaviar aus der Tube.

Die charakteristischen blauen Tuben (die es mit diversen Geschmacksrichtungen auch in anderen Farben gibt), dürfen auf keinem "Fikabord" (Pausentisch) in Schweden fehlen. Wer mit dem Begriff der Fika (noch) nichts anfangen kann, bitte zuerst den Artikel dazu lesen.

Der kultige Tubenkaviar wird seit 1954 von Abba Seafood hergestellt und vertrieben. Die Firma mit dem guten Riecher für die schwedischen Geschmacksnerven hatte das Rezept 1954 von einem reisenden Händler erworben. Kalles enthält Rogen vom Kabeljau und vom Dorsch (vom Köhlerfisch, einer Dorschart, um ganz genau zu sein), Zucker, Salz, Kartoffelmehl und Tomatenpüree. Die genauen Anteile und eventuelle weitere Inhaltsstoffe sind gut gehütetes Betriebsgeheimnis. Jedenfalls erwies sich der Brotaufstrich aus der Tube von Anfang an als Verkaufsschlager, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. 

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Hier die seltene Kalles-Minitube“


Kalles Kaviar hat übrigens auch eine fotografische Komponente: Zu Beginn des Vertriebs hatten die Tuben nur eine nüchterne Aufschrift. Ein Werbefachmann bestand 1955 darauf, dass ein Logo auf die Tube müsse. Ein blonder und blauäugiger Junge müsse es sein. Der damalige Geschäftsführer von Abba Seafood, Christian Ameln, hatte einen Sohn, der dem Wunschbild recht nahe kam. Also wurden kurzerhand die Familienalben gewälzt und so gelangte das Bild von Sohn Carl auf die Tube. Und bis zum heutigen Tage prangt es dort. Das Bild war übrigens von der Frau Mama aufgenommen worden. Fotografisches Fazit: Bilder sammeln. Man weiss ja nie...

Zurück zum Kaviar: Der Verkauf lief so gut, dass bereits im ersten Vertriebsjahr über eine Million Tuben verkauft wurden. Heute beläuft sich die verkaufte Menge auf ca. 2.600 Tonnen pro Jahr. 

Kalles hat übrigens auch eine sehr nette Homepage auf der man sich u.a. aus einem eigenen Passbild einen sog. "Kaviatar" (einen etwas anderen Avatar) erstellen kann. 

Im Laufe der Zeit hat Kalles auch in feineren Restaurants und Hotels Einzug gehalten. So staunte ich nicht schlecht, als ich vor einigen Tagen eine luxuriöse Ausführung des Tubenkaviars auf dem Frühstücksbuffet eines Hotels der - sagen wir mal - "gehobenen Kategorie" entdeckt habe.

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Die Luxusausführung für Hotels und Restaurants“


Schliesslich zum Geschmack. Was soll ich sagen? Er ist schwer zu beschreiben und ist - wie der Name schon sagt - eben eine Geschmackssache. Aus Einwandererperspektive würde ich - höflich formuliert - sagen: Die interkulturelle Kompetenz stösst bisweilen an ihre Grenzen, wenn es um die Geschmacksnerven geht. Zu lange wurden diese an bestimmte Geschmacksrichtungen gewöhnt. Aber ich möchte Sie trotzdem ermutigen: Wenn Sie die Gelegenheit haben, greifen Sie zu und probieren Sie selbst. Und als typisch schwedisches Reisemitbringsel ist Kalles auch ideal geeignet!

Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update: Jetzt mit Rezept]

Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update 5.10.2011: Jetzt mit Rezept]



„Kanelbullens dag - Fotografiert bei Dungers in Malå“



Behind the scenes: Andere Länder, andere Sitten, andere Gedenk- und Aktionstage

Die Gedenk- und Feiertage eines Landes geben tiefe und wertvolle kulturelle Einblicke. Beging Deutschland gestern den Nationaltag, feiert Schweden heute den "Kanelbullens dag", den "Tag der Zimtschnecke" (Kanel = Zimt, Bullar = Kringel). Wahrscheinlich ist das Phänomen leicht dadurch erklärbar, dass der süsse Kringel ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Fikakultur ist.

Erfunden hat den Gedenktag der "Hembakningsråd" ("Heimbackvereinigung") und seit 1999 wird - stets am 4. Oktober - die Zimtschnecke gefeiert. Es gibt dafür auch eine eigens eingerichtete Webseite.

Wie wird der Tag begangen? Natürlich mit Kanelbullar! Und natürlich am besten mit selbst gebackenen. Wer das zeitlich nicht schafft, kann am 4. Oktober landesweit auf ein grosses Angebot zurückgreifen. Und viele Cafés bieten an diesem Tag Kaffee mit Kanelbullar zum Sonderpreis an.

Nachtrag / Update 5.10.2011:

Auf Wunsch vieler Leser verrate ich hier unser praxiserprobtes Rezept für Kanelbullar nach echter schwedischer Art. Die Angaben beziehen sich auf ca. 20 Bullar.

Zutaten für den Teig
1 Halbes Päckchen frische Hefe
50 gr. Butter
300 ml Milch
100 gr. Zucker
1 Prise Salz
500 gr. Mehl

Zutaten für die Füllung
50 gr. Butter
2 Teelöffel Zimt
100 gr. Zucker

Zutaten für die Glasur
1 Ei
Hagelzucker
Gehobelte Mandeln

Zubereitung
Hefe in eine Schüssel bröckeln. Butter schmelzen (Mikrowelle oder Herd) und in die Schüssel geben. Milch (am besten leicht angewärmt, handwarm, ca. 35 Grad) zugeben. Rühren, bis sich die Hefe aufgelöst hat.

Dann Zucker, Salz und Mehl zugeben. Gut durchkneten (am besten mit Küchenmaschine), bis der Teig geschmeidig wird. Dann ca. 30 Minuten gehen lassen.

Butter für die Füllung schmelzen (Mikrowelle oder Herd); dann mit Zucker und Zimt vermischen.

Ofen auf ca. 225 Grad vorheizen.

Teig nochmals von Hand durchkneten und möglichst rechteckig ausrollen; ggf. Teig aufteilen. Füllung auf den Teig streichen und Teig von der langen Seite her aufrollen. Rolle dann in ca. 2 cm breite Stücke schneiden. Röllchen mit der Schnittkante nach unten auf Backpapier legen und nochmals ca 15 Minuten gehen lassen. Dann mit aufgeschlagenem Ei bepinseln und mit Hagelzucker und/oder gehobelten Mandeln bestreuen. Dann ca. 10-12 Minuten bei ca. 225 Grad ausbacken.

Vor dem Verzehr gut abkühlen lassen :)

Svamp 2011 - Jahr der Pilze in Lappland

„Svamp“ ist Schwedisch und bedeutet „Pilz“. 2011 ist das Jahr der Pilze in Lappland.


Fliegenpilz in Lappland
„Red Ball“


In Sachen Vegetation hat jedes Jahr in Lappland seine Besonderheiten. So war 2010 z. B. ein Jahr der Beeren. Es gab massenhaft Hjortron, Blaubeeren und Preiselbeeren. Mit Beeren sieht es heuer äusserst mager aus. 

Pilze in Lappland
„Gruppenbild“


Dafür spriessen dieses Jahr geradezu überall alle Arten von Pilzen aus dem Boden. Darunter echte kulinarische Kostbarkeiten, wie der Karljohan (Stensopp, Steinpilz) oder gar der auch unter Schweden heiss begehrte Kantarell (Pfifferling), über dessen Ernte ich gerade eine Reportage mache.

Generell ist das Pilzesammeln in Schweden nicht so verbreitet. Nur der Kantarell bildet eine Ausnahme. Zu seinen Vorkommen - vornehmlich im Fjäll - pilgern ganze Scharen von Menschen, und entlang unscheinbarer Schotterpisten parken oft dutzende Autos von Pilzjägern am Strassenrand. 

Die hier im Bild festgehaltenen Exemplare sind übrigens nur optisch faszinierend und nicht zum Verzehr geeignet (es könnte ansonsten ein einmaliges Vergnügen werden). 

Ufo Pilze
„Ufo-Pilze“

When cultures meet - "Interkulturelle Begegnung in der Pfanne"

Rentier und Wok
„When cultures meet“


Behind the scenes: Heute ein schnelles und sehr leckeres Rezept für den Sonntag. Eine interkulturelle Begegnung in der Pfanne: Rentier trifft auf Wok.

Zubereitung und Rezept sind ganz einfach: Rentierfleisch ca. 40 Minuten kochen. Dann in der Küchenmaschine leicht zerkleinern. Achtung: Vorsichtig zerkleinern, denn Rentier ist gerne sehr faserig, wird also schnell viel zu fein.

In der Pfanne kleingehackte Zwiebeln mit etwas Öl erhitzen und anbräunen. Dann Fleisch dazu geben. Ca. 5 Minuten anbraten.

Schliesslich tiefgefrorenes Wok-Gemüse dazu. Unter ständigem Wenden ca. weitere 5-7 Minuten anbraten.

Voilà: Fertig ist die interkulturelle Delikatesse. Guten Appetit!



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Happy birthday Västerbottensost - Eine Käse-Spezialität aus Västerbotten feiert Geburtstag

Västerbottensost


In diesen Tagen feiert eine Spezialität aus Västerbotten Geburtstag. Der “Västerbottensost” (wörtlich “Västerbottenkäse”, sinngemäss “Käse aus Västerbotten”) wird seit1872 als lokale Spezialität in Burträsk hergestellt.

Seine Entstehung ist genau genommen einem schlichten Fehler zu verdanken. Die Molkereimitarbeiterin Ulrika Eleonora Lindström war eines schönen Tages im Jahre 1872 alleine Dienst in der Molkerei in Burträsk. Dadurch, dass sie an diesem Tag viele Aufgaben alleine bewältigen musste, konnte sie sich nicht “richtig” um die Käsezubereitung kümmern. In der Folge wurde die Käse-Rohmasse wurde viel zu oft erhitzt und wieder abgekühlt. Das Ergebnis wurde anders als erwartet. Trotzdem fand die Charge des “verunglückten” Käses reissenden Absatz. Der Rest ist Geschichte.

Heutzutage ist der Västerbottensost weltberühmt wegen seines besonderen, intensiven Geschmacks. Die genaue Zubereitung und Verarbeitung sind beinahe eine Wissenschaft und ein Teil des Verfahrens ist bis zum heutigen Tage geheim.
Der Käse reift mindestens 12 Monate in verschiedenen Stufen und bei unterschiedlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten, bevor er in den Handel kommt.

Das Zentrum des Västerbottensost ist auch heute noch Burträsk. Dort gibt es das Ostens Hus (“Haus des Käses”), eine Ausstellung rund um den Käse, die eine touristische Empfehlung ist. Nur wenige Kilometer entfernt, in Ånäset, befindet sich das Ostens Lager (“Käselager”), in dem unvorstallbare Mengen Käse unter beständiger Kontrolle zur Reifung lagern.

Im Jahre 1910 wurde die Bezeichnung “Västerbottensost” keim schwedischen Patent- und Markenamt registriert und ist seitdem geschützt. Und diesen 100.ten Geburtstag feiert Västerbotten in diesen Tagen.

Das Jubiläum passt übrigens sehr gut zu einer nationalen schwedischen Strategie. Im Jahre 2008 hatte die schwedische Regierung beschlossen, Schweden zu einem kulinarischen Mittelpunkt in Europa zu machen und dafür eigens ein umfangreiches Programm vorgestellt. Im Rahmen der Strategie wurden für alle Landesteile “Kulinarische Botschafter” (“Matambassadörer”) ernannt, um die regionalen Spezialitäten besser zu bewerben.

Mit einer Foto-Reportage aus Burträsk und Ånäset geben wir Ihnen einen Einblick in die Welt des Västerbottenosts im Jahre 2010.

-> Zur Foto-Reportage Västerbottensost 2010 in Burträsk und Ånäset

-> To the reportage Västerbottensost 2010 (pictures from Burträsk and Ånäset)

-> Till foto-reportaget Västerbottensost 2010 (bilder från Burträsk och Ånäset)



Weiterführende Links:

-> Homepage des Västerbottensost (English-Version)

-> Ostens Hus in Burträsk

-> Ostens Lager in Ånäset

-> Offizielle Regierungsseite zur schwedischen kulinarischen Europastrategie



Zeit für die Ernte der Wacholderbeeren in Lappland

Wieder ist es Zeit zur Ernte in Lappland. Die Zeit für die Ernte der Wacholderbeeren ist gekommen. Es gibt grossflächig verteilt relativ viele wilde Wachholdersträuche.

Der landläufige Begriff Beere ist übrigens eigentlich falsch. Handelt es sich doch nicht um Beeren, sondern um kleine Zapfen. Die beerenförmigen Zapfen benötigen bis zur Reife in Lappland zwei Jahre. An den Sträuchern lassen sich die einjährigen von den erntereifen zweijährigen Zapfen durch die Farbe gut unterscheiden. Die einjährigen Zapfen sind grün, die zweijährigen werden zur Erntereife tiefblau (beinahe schwarz). Auch die erntereifen zweijährigen Zapfen bleiben geschlossen. Die meist dicken, fleischigen Zapfenschuppen sind aus Deck- und Samenschuppen verwachsen und enthalten üblicherweise ein bis drei Samen.

Allerdings ist Eile angesagt, denn die Beeren sind auch bei verschiedenen Vögeln sehr begehrt.

Warum ist Wacholder in Lappland so beliebt? Die Wacholder-Beere ist sehr wichtig bei der Herstellung von geräuchertem Fleisch oder Fisch. Und geräuchert wird hier sehr gerne und viel. Hinter fast jedem Haus schaut ein Räucherofen in vielen verschiedenen Ausführungen hervor. Die Beeren werden in zerstossenem Zustand den Räuchermischungen beigegeben, mit denen das Räuchergut eingerieben wird. Und auch das Holz der Sträucher ist zum Räuchern sehr begehrt. Die Zusammensetzung der Räuchermischungen ist oft ein gut gehütetes Familiengeheimnis.

Neben dem Einsatz beim Räuchern können die getrockneten Wacholderbeeren auch als Würze für viele Arten von Fleischzubereitungen (z. B. Wildbraten) verwendet werden. Köstlich ist auch die - allerdings in Schweden eher unübliche und unbekannte - Zugabe zu Sauerkraut.

Wacholderbeere Juniperus Lappland

Summer in Lapland XXV - The gold of Lapland 2010 - Hjortron - Moltebeere - Cloudberry

Hjortron - Moltebeere - Cloudberry in Lappland

Behind the scenes: Wie jedes Jahr um diese Zeit ist wieder einmal Hjortron-Hochsaison. Die professionellen Beerenpflücker, die in Trupps überall ausschwärmen, sind in diesem Jahr nicht nur Thailänder, sondern auch Chinesen. Die Globalisierung lässt grüssen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ja und sie schmecken auch dieses Jahr wieder gigantisch. Fällt geradezu schwer, sie zuerst zu fotografieren :) Nur stehen die wirklich guten Vorkommen (so wie auf dem Bild) in Sumpfgebieten mit extrem erhöhter Mückendichte. Alles hat seinen Preis. In diesem Fall 40cm tiefer Sumpf und gezählte 23 Schnakenstiche auf dem rechten Unterarm (denn ich hatte MyggA vergessen).

Mehr Details zur Hjortron (mit Rezept für Hjortronsylt) gibt es hier.


Sommer in Lappland XIV - Weekend-Wellness mit Grillkorv

Weekend-Wellness mit Grillkorv in Lappland


Behind the scenes: Heute einmal ganz privat. “Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung”. Hat sich gestern wieder bewahrheitet. Und das zur Zeit sehr kühle und regnerische Wetter hat im lappländischen Sommer einen unbestreitbaren Vorteil: So gut wie keine stechenden Fluginsekten. Also war gestern ein Familienausflug mit Grillen - natürlich ganz weit draussen - angesagt. Lecker wars und es hat viel Spass gemacht.
Und “Grillkorv” heisst übrigens Grill- oder Bratwurst auf Schwedisch :)

Übrigens: Habe die letzten Stunden auch ein Update der Portfolios vorgenommen. You’re welcome to have a look!


Fika

Wieder ein solches Motiv, das sich im “Augenwinkel” beim Vorbeifahren bemerkbar gemacht hat. Dieses deutliche Gefühl, dass da eben etwas besonderes am Strassenrand zu sehen war. Also: Blick in den Rückspiegel, Bremsen, Anhalten, Schauen, Fühlen, Knipsen.

Fika


Einige Arbeiter hatten sich eine Sitzgruppe im Freien eingerichtet, um die Fikapause in der Sonne verbringen zu können. Ein wunderbares Motiv, um einige Zeilen über die Institution der Fikapause in Schweden zu schreiben.

Die Fika

Eine schwedische Institution, die den Alltag prägt: Die Fika. Was steckt dahinter?

Oft wird der Begriff Fika mit “Kaffeepause” übersetzt. Das trifft den Kern aber nicht richtig. Denn zum einen gibt es in aller Regel auch einen Happen dazu, zum anderen - viel wichtiger - dient die Fikapause dem sozialen Austausch.

Gerade “auf Arbeit” ist die Fika keine echte Pause, sondern eine lebendige Informationsrunde, in der alle Themen - private wie berufliche - auf einer wunderbar informellen Basis angesprochen und diskutiert werden.

Deswegen ist es treffender, die Fika als eine Art typisch schwedische Institution zu verstehen. Die klassische Morgenfika liegt übrigens zeitlich ungefähr gegen 9 Uhr 15, die Mittagsfika gegen 15 Uhr 15. Aber auch Abends ist eine Fikapause essentieller Bestandteil fast jeder Veranstaltung.

Übrigens: Richtig und völlig zutreffend ist es, dass Schweden in Sachen Kaffeeverbrauch beinahe an der Weltspitze liegt. Einige statistische Auswertungen in grafischer Form (Verbrauch pro Person in Kg, Liter, und Tassen pro Tag) gibts übrigens hier auf der Seite kaffeinformation.se.

Das geflügelte Wort dazu lautet: Das Schlimmste, das geschehen kann ist, unerwarteten Besuch zu bekommen, und keinen Kaffee im Haus zu haben :)


Bakdag / Backtag

Mal gespannt, wo der gigantische Hefeteig noch hingehen möchte. Hab auf jeden Fall schon mal die Tür versperrt :)

Bakdag / Backtag

Nachtrag zu Borgafjäll, oder: Fotografieren beim Essen.. :)

Vor einigen Tagen habe ich schon von Borgafjäll und dem gleichnamigen Hotel dort geschwärmt. Heute nun war es wieder an der Zeit die kleine Canon Kompaktkamera, die mich derzeit beinahe überall hin begleitet, zu „leeren“. Und da waren doch tatsächlich noch 2 Bilder der kulinarischen Köstlichkeiten aus Borgafjäll mit dabei. In erlesener Runde und bei exquisiter Tafel ist das mit dem Fotografieren immer so eine Sache. Eigentlich ist das ja unerwünscht. Aber als „Knipser-Man“ habe ich etwas mehr Freiheit und konnte so zwei günstige Momente nutzen, ohne allzu sehr aufzufallen. Bitte fragt mich nicht mehr, was das da genau auf dem Teller war. Grossartig geschmeckt hat es in jedem Falle. Und ein Augenschmaus war es noch dazu.

mat på borgafjäll hotellet

Essen im Hotel Borgafjäll

Fettisdagen und Semlor - Fastnachtsdienstag und schwedische Fastensemmeln (mit Rezept)

Heute geht es um die Semmel. Genauer gesagt um die schwedische Fastensemmel. Was hat es damit auf sich?


Der Fettisdagen (Fastnachtsdienstag) ist der letzte Tag vor dem Beginn der österlichen Busszeit am Aschermittwoch. Zwar ist in Schweden Fastnacht (Fasching) unbekannt, der Faschingsdienstag wird aber trotzdem traditionell gefeiert. Der Tradition gemäss werden an diesem Tag die “Semlor” (auch “fettisdagsbulle” genannt, “Fastensemmeln”) verzehrt. Wer es ganz traditionall mag, verspeist sie als Nachtisch zu Bohneneintopf.

Die Semla (Plural: “Semlor”) ist ein kalorienreiches Hefeteiggebäck mit Mandel- und Sahnefüllung. Wir haben auch heute wieder keine Mühen gescheut und einige Exemplare für ein Fotoshooting produziert. Deswegen gibt es heute hier beides: Fotos und das Rezept für alle Schwedenfans.


Rezept für 8 Semlor

Zutaten für den Teig:

25 Gramm Frischhefe
50 Gramm Butter (ungesalzen)
150 ml Milch
40 Gramm Zucker
Eine Priese Salz
300 Gramm Mehl
1 Ei
Puderzucker für die Garnierung

Zutaten für die Füllung:

175 Gramm Mandelmasse
150 Gramm Schlagsahne

Zubereitung:

Butter schmelzen und Milch einrühren. Hefe aufbröseln und zugeben. Zucker und Salzpriese zugeben. Mehl zugeben und so lange kneten, bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist. In einer Schüssel bei Zimmertemperatur abgedeckt gehen lassen (ca. 30-60 Minuten).

Dann Teig nochmals gründlich durchkneten und kleine Stücke abteilen. Aus diesen kleine Kugeln formen (ungefähr halb so gross, wie die Semlor nachher werden sollen). Diese auf Backpapier legen und nochmals ca. 30 Minuten bei Zimmertemperatur gehen lassen.

In der Zwischenzeit Backofen auf ca. 225 Grad vorheizen.

Ei aufschlagen und die Teigkugeln mit dem aufgeschlagenen Ei bepinseln. Dann in den Ofen (mittlere Schiene) und ca. 10 Minuten backen (exakte Zeit sehr schwer zu bestimmen: beobachten!). Den Ofen während des Backvorganges nicht öffnen!

Dann die Backlinge aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Nach dem Abkühlen oberes Viertel abschneiden (mit einiger Übung im klassischen Dreicksschnitt) und im unteren Teil ein Loch aushöhlen (am einfachsten mit einem Teelöffel). Die entnommene Masse nun mit der leicht vorgewärmten Mandelmasse mischen (verkneten). Jeden Backling nun mit 2-3 Esslöffeln der Masse füllen. Dann die Sahne aufschlagen und oben draufgeben (am schönsten mit Spritzbeutel und grober Sterntülle). Dann die abgeschnittenen Deckel wieder auflegen und leicht mit Puderzucker bestäuben. Und fertig sind die Semlor. Und jetzt bei einer guten Tasse Kaffee geniessen und von Schweden träumen :)

Und so sollten sie dann aussehen (wobei unsere ersten Versuche zugegebenermassen bei weitem nicht so ästhetisch waren - auch hier gilt “Übung macht den Meister”).

Rezept und Backanleitung by Petra Fuelbert.


“Semlor - one for you and one for me”


Die Sonntagsschule für den zweiten Advent: Lussekatter mit echt schwedischem Rezept

Die erste Fuhre der frisch gebackenen Leckerei wird gerade verzehrt. In der Luft liegt der feine Duft von Hefeteig im Ofen. Heute geht es also etwas ums Backen.

Wir wollen uns mit einem klassischen schwedischen Backwerk befassen, dem Lussekatter (auch als Lussekatt, Lussebulle, Lussekuse, Saffranskuse oder Julkuse bezeichnet).

Die klassischen schwedischen Lussekatter werden insbesondere am Luciawochenende verzehrt, sind aber die ganze Adventszeit hindurch eine willkommene Leckerei auf dem Speiseplan. Nachdem Lucia am nächsten Sonntag (13. Dezember) gefeiert wird, ist es nun höchste Zeit sich dem Backen der Lussekatter zuzuwenden.

Vor dem Rezept aber noch etwas Hintergrundinformation: Lussekatter werden aus Hefeteig hergestellt und in vielen verschiedenen Formen gebacken. Die “klassische” Form ist die eines geschwungenen “S” mit je einer Rosine in den Rundungen. Wenn nun zwei solche “S”-förmigen Lussekatter nebeneinander gelegt werden, nennt man die Form Gullvagn (“Goldwagen”), Julvagn (“Weihnachtswagen”) oder Julkors (“Weihnachtskreuz”). Besonders wichtig ist übrigens das Saffran, das im Teig enthalten ist.

Hier nun unser bewährtes Hausrezept. Der Ansatz reicht - je nach geformter Grösse der einzelnen Stücke - für 30-40 Lussekatter. Gegebenenfalls die Mengenansätze auf die gewünschte Menge umrechnen.

Für den Teig benötigen Sie:
1 Gramm Saffran
150 Gramm Butter
500 ml Milch
Ein Hefewürfel (50 Gramm)
Eine Prise Salz
150 Gramm Zucker
875 Gramm Mehl

Fürs Bestreichen und zur Verzierung benötigen Sie:
1 Ei
Eine Handvoll Rosinen

Und so gehts:
Saffran mit dem Zucker vermengen. Ggf etwas von der Milch zugeben.
Butter schmelzen und Milch zugeben. Temperatur sollte nicht über 40 Grad gehen.
Zucker/Saffran Mischung beigeben. Hefe einbröckeln. Das Ganze in der Küchenmaschine (oder mit einem Handrührgerät) kneten.
Nach und nach die restlichen Zutaten für den Teig zugeben. Milch immer so zusetzen, dass die Konsistenz des Teigs “knetbar” bleibt. Wenn der Teig geschmeidig ist, eine relativ glatte Oberfläche bekommen hat und sich von der Schüssel zu lösen beginnt, aufhören zu kneten/rühren. Teig mit Handtuch abdecken und bei Zimmertemperatur ca. 30 Minuten gehen lassen.
Dann den Teig auf einer gut mit Mehl eingestäubten glatten Fläche nochmals von Hand durchkneten. Kleine Teigstücke nehmen und die Lussekatter formen. Diese auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und nochmals ca. 30 Minuten gehen lassen.
Währenddessen Ofen auf ca. 225 Grad vorheizen. Bevor das Backwerk in den Ofen kommt, die Rosinen an den gewünschten Stellen in den Teig zur Verzierung eindrücken. Dann Ei aufschlagen, verrühren und die Lussekatter dünn einstreichen.
Die Lussekatter benötigen ca. 10-15 Minuten Backzeit (je nach Grösse und je nach Ofen -> Probieren).
In Ruhe abkühlen lassen und dann geniessen!

Einen besinnlichen zweiten Advent und eine gute Vorbereitung auf die kommende Woche und das Luciafest!

Lussekatter, Lussekatt, Lussebulle, Lussekuse, Saffranskuse, Julkuse
- So in etwa sollten sie aussehen, wenn sie fertig gebacken sind -

Saisonabschluss: "Sürströmming für "Weicheier""

Wir haben nun unsere ganz private Sürströmmings-Saison für dieses Jahr wieder abgeschlossen. Heute allerdings mit der „gemässigten Version“, der Version für „Weicheier“ sozusagen: Filets statt ganzen Fischen.

In unserer diesjährigen Sürströmmings-Reportage im August hatten wir die ganzen „Stinkefische“ in, bzw. aus der Dose abgelichtet und erklärt, wie sie denn zu zerlegen und verspeisen sind.

Heute haben wir uns zur gemässigteren Essvariante mit den bereits zerlegten Fischen entschieden. Der Duft - böse Zungen reden auch vom „Gestank“ - ist derselbe, aber das Zerlegen mit den Innereien entfällt. Das hat auch unseren derzeitigen Besuch übrigens sehr gefreut :)

Sürströmming für Weicheier

Geheimtipp: Wilde Wacholderbeeren aus Lappland

Ein besonderer Geheimtipp aus der Pflanzenwelt Lapplands sind die Wilden Wacholderbeeren. Bald sind sie wieder erntereif.

Wacholder ist bekannt ein wahrer Schatz aus der Natur. Die Hauptanwendungsbereiche:

1. In der Naturheilkunde wird Wacholdertee zur Verdauungsförderung, Harnausscheidung und gegen Sodbrennen eingesetzt. Auch in der Rheuma- und Gicht-Therapie wird Wacholder angewandt.

2. In der Küche wird Wacholder vielseitig eingesetzt: Die getrockneten Beeren kommen z. B. bei der Zubereitung von Sauerkraut und bei vielen Fleischgerichten zum Einsatz.

3. Das Holz der Wacholdersträuche wird hier oben vor allem als Zugabe zu den Räuchermischungen verwendet, um eine Aromatisierung des Räuchergutes (Fisch oder Fleisch) zu erreichen.

Und welche Beeren könnten besser sein, als die Wilden Wacholderbeeren aus der unberührten Natur Lapplands!

Wilde Wacholderbeeren in Lappland

Sürströmmingspremiär i Lappland / Sürströmmingspremiär in Lappland

Sürströmmingspremiär Sürströmming

Am dritten Donnerstag im August ist der Startschuss für die Sürströmmingssaison in Schweden. Für die einen ist Sürströmming einfach “Stinkefisch”, für andere eine Delikatesse. Was verbirgt sich hinter dieser schwedischen Spezialität?

Hauptbestandteil des Surströmming sind eingelegte Ostseeheringe. Diese werden im Frühjahr gefangen und dann in Salzlake eingelegt, wo sie zu gären anfangen. Etwa einen Monat vor dem Start der Saison werden die Fische eingedost und gären in den Dosen dann weiter. Das führt dazu, dass sich die Dosen mit zunehmenden Alter ausbeulen und der Druck in den Dosen mehr und mehr zunimmt.

Der Start für die Sürströmmingssaison (dritter Donnerstag im August) war bis 1998 durch eine Königliche Richtlinie aus dem Jahr 1937 geregelt. Damit sollte gewährleistet werden, dass der Fisch fertig gereift und für den Verzehr verwendbar ist. Diese Richtlinie wurde 1998 aufgehoben; das “klassische Datum” ist aber erhalten geblieben.

So haben auch wir am Donnerstag den Beginn der Sürströmmingssaison mit einem “Sürströmings-Fest” gefeiert und das natürlich auch fotografisch dokumentiert.

Eine Anleitung zum “Sürströmmen”:

Die Dose mit den vergorenen Fischen sollte unbedingt draussen geöffnet werde. Am besten ist es zunächst unter einer Plastiktüte ein Loch in den Deckel der Dose zu stechen, damit der Überdruck aus der Dose entweichen kann. Ist der Inhalt der Dose bereits gut vergoren kann es sein, dass einem dabei eine Fontäne der Salzlake entgegen kommt (daher in der Plastiktüte anstechen!). Sogleich verbreitet sich der Duft aus der Dose, der von manchen als unerträglich, von anderen als “Duft Lapplands” empfunden wird. Dann wird die Dose (immer doch draussen) mit einem Dosenöffner geöffnet und nach innen gebracht. Wenn das Wetter partout zu schlecht ist, um zum Öffnen der Dose nach aussen zu gehen, kann der Deckel der Dose auch alternativ im Haus unter Wasser (Badewanne oder Eimer) angestochen werden.

Einige Heringe werden filetiert und auf mit Butter bestrichenes, hartes oder weiches Tunnbröd gelegt.

Zum Surströmming benötigt man weiter: Kartoffeln (bevorzugt Mandelpotatis), gehackte Zwiebeln (rote sind besonders fotogen), Saure Sahne und in Scheiben geschnittene Tomaten. Das alles wird auf dem Esstisch angerichtet.

Man nimmt sich nun einen Fisch aus der Dose, schlitzt diesen am Bauch auf und breitet ihn aus. Die - eventuell vorhandenen - Innereien werden herausgekratzt und das Rückgrat mit den Gräten (am einfachsten mit einer Gabel) entfernt. Dann kratzt man das Fleisch ab. Die Reste kommen gleich auf einen Abfallteller.

Dann legt man eine Scheibe Tunnbröd auf den Teller und eine Kartoffel darauf. Diese wird mit der Gabel zerdrückt und gleichmässig verteilt.  Auf die Kartoffel verstreicht man sodann gleichmässig den essbaren Teil des Fisches. Darüber kommt eine gleichmässige Schicht Saure Sahne (geht auch in der Reihenfolge anders herum). Schliesslich werden die zerhackten Zwiebeln darüber gestreut und Tomatenscheiben darauf gelegt. Und fertig ist das Sürströmming. Jetzt heisst es Atem anhalten, reinbeissen und essen :)

Traditionell wird zum Sürströmming kalte Milch getrunken, was die Magenverträglichkeit deutlich erhöhen soll.

Sürströmming wird relativ langsam und mit Bedacht verzehrt. So hat auch der sehr eigene Duft genug Zeit, sich in Küche, Esszimmer und Wohnung zu verteilen. Die Nase gewöhnt sich schnell an den Geruch. Sollten Sie das Zimmer oder Haus aber kurz veranlassen, werden Sie sich beim Wiederkommen schon sehr über den intensiven Duft wundern :)

Die Sürströmmingssaison ist für echte Schwedenfans übrigens ein willkommener Anlass für einen Urlaub oder Kurzurlaub in Schweden. 

Schliesslich noch etwas Statistik: Norra Västerbotten hat in der Printausgabe am Donnerstag berichtet, dass in Norrland dieses Jahr 650 Tonnen Sürströmmingsfisch für den Verkauf vorbereitet wurden. 

Damit Sie Sürströmming richtig nachvollziehen (und auch zu Hause essen) können, haben wir eine Bildergalerie für Sie zusammen gestellt.
  
-> Hier gehts zur Galerie: Sürströmmingspremiär

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Sürströmmingspremiär


Dags för lingon / Zeit für die Preiselbeeren

Die Zeit der Hjortron ist fast schon wieder vorbei, die Blaubeeren werden derzeit eifrig geerntet und bald sind nun die wilden Preiselbeeren an der Reihe.

Es gibt recht viele wilde Preiselbeeren in Lappland, da Preiselbeeren generell unempfindlich gegen Frost sind. Zu finden sind die Preiselbeeren an sonnigen und trockenen Stellen.

Für den Norden mit seinen langen und sonnenarmen Wintern ist die Preiselbeere ideal, enthält sie doch eine Fülle an Vitaminen und Mineralien. In hiesigen Gefilden werden die Preiselbeeren bevorzugt zu „Lingonsylt“ eine Art Zwischending aus Kompott und Marmelade eingekocht. Das Sylt kann als Beilage zu sehr vielen Gerichten - vom Pfannkuchen bis zum Rentiersteak - gegessen werden. Besonders positiv ist, dass das Sylt wegen des hohen Gehaltes der Preiselbeere an Benzoe- und Salicylsäure - die auch als Konservierungsmittel eingesetzt werden - gut und lange haltbar ist.

Wilde Preiselbeeren in Lappland

Hjortron Saison 2009: Das Gold Lapplands reift heran

An den Bäumen mehren sich die braunen Blätter: Das Jahr rast dahin. Damit ist es auch wieder an den der Zeit für die Beerenernte. Auf meinem gestrigen Ausflug habe ich kritisch nach dem Stand der Hjortronbeeren Ausschau gehalten. Und ja, das sieht gut aus. Es sind sogar bereits einige Beeren dabei, die praktisch erntereif sind.
Die meisten Hjortron sind aber noch rot (erst wenn sie goldgelb sind, sind sie zur Ernte reif). Der Anblick ist trotzdem bereits erhebend.

Hjortron in Lappland
- Typischer derzeitger Wachstumsstand der Hjortronbeeren, Stand 29.7.2009 -

Die Ernte der Hjortron ist beschwerlich, trägt doch jede Pflanze nur eine Beere.
Seine „Hjortronstellen“ - deren genaue Orte als Geheimnisse bewahrt werden :) - muss man in der Erntezeit täglich besuchen, denn in der Endphase reifen die Beerenfrüchte von einem Tag auf den anderen. Und sind sie überreif, sind sie praktisch wertlos.

Was die Ernte auch erschwert ist, dass die kostbaren Pflanzen in sumpfigem Gelände zu Hause sind. Gummistiefel sind also angesagt. Und zur Zeit schwirren in sumpfigem Gelände noch jede Menge Mücken herum. Alles nicht so einfach.

Aber: Wer schon einmal Hjortronsylt verspeist hat weiss, dass sich der Aufwand lohnt!

Und alle Urlauber, die Beeren ernten wollen, sollten sich jetzt schleunigst auf den Weg nach Lappland machen!

Surströmmingspremiär i Rökå 23:e augusti

I lördags var det surströmmingspremiär i Rökå med underhållning av Åke Swahn och blueskonsert med 3:e generationen Boman. Det var verkligen en fantastisk kväll. Tack!

Surströmmings Dosen
Hmmm, hur det dofta. Jag måsta bekänna: det smakade so gott - jag glömde att fotografera vidare...

Åke Swahn.

Entusiastisk publiken.

Surströmming: Säsongen har börjat! / Surströmming: Die Saison ist eröffnet!

Und hier ist der Beweis dafür, dass die Surströmmingssaison nun tatsächlich begonnen hat. Im Bild übrigens die "gemässigte Version" mit Filetstücken (also nicht mehr mit ganzen Fischen). Riecht aber fast genauso intensiv ;)

Geöffnete Surströmming Dose Lappland
(Upptäckt hos grannen)

21:e augusti: Surströmmingspremiär / 21. August: Surströmmingspremiere

Der diesjährige Auftakt für die Surströmmingszeit hat begonnen:

Die Zeit für die schwedische Delikatesse des Surströmming beginnt traditionell mit der sog. “Surströmmingspremiär” (“Surströmmingspremiere”). Diese ist nach alter Tradition immer am dritten Donnerstag im August. Und das ist dieses Jahr der 21. August.

Bis zum Jahr 1998 war das sogar gesetzlich geregelt denn der Gesetzgeber in Schweden wollte sicherstellen, dass nur hinreichend vergorene Fische in Umlauf geraten sind. Das alte gesetzliche Datum hat sich in Form der Tradition zur “Surströmmingspremiär” (“Surströmmingspremiere”) gehalten.

Letztes Jahr hatte ich hier schon einmal bebildert (aber ohne Online-Duft ;) berichtet.

Zur “Surströmmingspremiär” (“Surströmmingspremiere”) wird mit den Surströmmings-Festen begonnen.

Wer in der Malå kommun an einem Surströmmings-Fest teilnehmen möchte, dem seien zwei besondere Daten empfohlen, beide am 23. August:

Zum einen um 18 Uhr in Rökå. Die dort von der Byaförening veranstaltete Surströmmingspremiär ist ein Geheimtipp.

Zum anderen um 18 Uhr im Strandgård in Malå mit ganz traditionellem Surströmming.

Bei beiden Veranstaltungen ist wegen begrenzter Teilnehmerzahl eine Anmeldung erforderlich. Kontakt stellen wir gerne her. Einfach eine Mail senden.

Wer es gerne ganz intensiv mag, sei auf ein Angebot unseres Schwesterblogs verwiesen. Soweit ich weiss, gibt es da noch freie Plätze.

Guten Appetit!

Surströmming Dose Lappland


Hjortronernte (Hjortron Teil 3)

Die Tage sind wir zufällig auf ein sehr ertragreiches Hjortronvorkommen gestossen. Etwas weiter ab vom nächsten Weg aber ein wahrer Traum. Ich bitte um Verständnis, dass ich bei diesen Fotos nicht poste, wo genau sie entstanden sind ;)

Hjortronfeld in Lappland
(Blick ins Hjortronfeld)

Hjortron in Lappland
(Blick auf einen Teil der gesammelten Schätze)

Tack så mycket för den fantastisk inbjudan!

Lachs in Lappland

Hjortron (Moltebeere, Cloudberry) Teil 3

Verschiedene Leser haben nachgefragt, wie denn eine noch nicht erntereife Hjortron (Moltebeere, Cloudberry) aussieht. Hier kommt auch schon umgehend die Antwort, z. B. so:

Hjortron (Moltebeere, Cloudberry)
(Upptäckt någonstans ute)

Hjortronsylt / Hjortronmarmelade - Moltebeermarmelade

Gestern hatte ich hier ausführlich über Hjortron (auf Deutsch auch Moltebeere, auf Englisch Cloudberry genannt) berichtet.
Gerade eben steht bei vorzüglichen Pfannenkuchen eine grosse Schüssel Hjortronsylt (Hjortronmarmelade, Moltebeermarmelade) auf dem Tisch :)



Das Gold Lapplands: Hjortron (Moltebeere, Cloudberry)

Nun ist wieder Hochsaison für die in Lappland in grossen Mengen vorkommende Hjortron Beere (auf Deutsch auch Moltebeere, auf Englisch Cloudberry genannt). Schweden, Touristen und professionelle Beerenpflücker (dieses Jahr hauptsächlich aus Thailand und China) schwärmen zum Pflücken aus. Gute Stellen, an denen es viele Hjortron gibt, werden als “Betriebsgeheimnisse” streng in den Familien gehütet.

Sozusagen als “Schutzmechanismus” wurde sogar der “Hjortronbjörn” (“Hjortron Bär”) erfunden, ein Bär der sich - der Erzählung nach - hauptsächlich dort die Zeit vertreibt, wo es gute Hjortron-Fündigkeiten gibt ;)

Hjortron ist eine mehrjährige Pflanze und kommt bevorzugt am Rand von Mooren vor. Die grossen Vorkommen in hiesigen Breiten sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Hjortron Kälte von bis zu minus 40 Grad übersteht.

Die Pflanzen haben eine Höhe von 5 bis 25 Zentimetern (typischerweise 15 - 20 cm).

Das Pflücken ist mühsam und beschwerlich, gibt es doch nur eine Beere pro Pflanze. Die Beeren durchlaufen im Reifeprozess die Farben grün, rot und schliesslich gelborange. Optimaler Erntezeitpunkt ist, wenn sich die äusseren Blütenhüllblätter von der Beere wegrollen. Die dann gelborange Beere ist schon weich und muss vorsichtig gepflückt werden. Wenn man eine bestimmte Fündigkeit “unter Kontrolle” hat, muss man über einen längeren Zeitraum immer wieder dort vorbeischauen, da die Beeren ganz unterschiedlich reifen.

Notfalls (aber bitte nur dann) kann man auch eigentlich noch rote, harte und unreife Früchte sammeln und diese an der Sonne nachreifen lassen.

Wegen der gelborangen Farbe, die erntereife Früchte haben, werden Hjortron auch als “Lapplands Gold” bezeichnet.

Typischerweise wird Hjortron hauptsächlich zu Marmelade (“Hjortronsylt”) oder - besonders edel - als Gelee (d.h. ohne Kerne) verarbeitet. Hjortronsylt wird in Schweden zu sehr vielen Gerichten (Mehlspeisen, Fleischgerichte, etc.) gereicht. Sehr lecker sind auch gefrorene Hjortron mit Zucker (“Björnkulla”). In nordischen Breiten kommt als Zusatznutzen hinzu, dass die Hjortron besonders reich an Vitamin C ist (was sich in den langen sonnenarmen Wintern als besonders nützlich erweist).

Hier in Lappland gibt es die Hjortron in Massen (wenn man weiss wo :), in Mitteleuropa hingegen ist die Hjortron - bis auf einige winzige Bestände - fast gar nicht mehr anzutreffen. Dennoch sind auch hier die Preise am Explodieren: Runde 5 bis 7 Euro pro Kilo sind fällig. Für Marmelade und Gelee entsprechend mehr. Doch wer einmal richtig gutes Hjortronsylt geschmeckt hat, weiss warum der Preis gerechtfertigt ist :)

Pflanzenkundlich gehört die Hjortronbeere übrigens erstaunlicherweise zur Gattung der Rosengewächse und kommt nur als Wildgewächs vor. Alle Versuche, die Pflanze künstlich anzupflanzen sind bislang gescheitert.

Hier noch ein Rezept für Hjortronsylt:

Zutaten: 1 Kg Hjortron und 500 gr. Zucker. Beeren reinigen und ggf. spülen. Beeren und Zucker vermischen. Einige Stunden stehen lassen. Dann langsam erhitzen und ca. 10 Minuten kochen lassen. Topf vom Herd nehmen und einige Minuten stehen lassen. Dann in die vorbereiteten Einmachgläser geben und diese veschliessen.
Hinweis: Die Verwendung von Gelierzucker ist in aller Regel nicht erforderlich, da Hjortron bereits relativ viel Pektin enthalten. Verwendet man überreife Früchte kann die Zugabe von Gelierzucker angezeigt sein.

Hjortron Moltebeere in Lappland
Erntereife Hjortron
Hjortron Moltebeere in Lappland
"Mini-Hjortron"

Snart är det dags igen / Bald ist es wieder soweit: Sürströmming

Unaufhaltsam rückt der August näher und mit dem August auch der Beginn der Sürströmmings-Saison 2008! Stammleser erinnern sich, dass ich hier schön öfter einmal über diese besondere schwedische Spezialität berichtet habe (z. B. hier).

Da uns in den letzten Wochen und Monaten viele Anfragen von Schwedenfreunden und Schwedenfans zum Thema Sürströmming erreicht haben, haben wir uns für 2008 etwas besonders ausgedacht: Sürströmmings-Wochen für die Geniesser der schwedischen Küche. Unbeschwertes "sürströmmen" in Schwedisch-Lappland.
Achtung: Da die Teilnehmeranzahl äusserst begrenzt, daher schnell anmelden!

Weitere Infos und die genauen Termine gibts hier in unserem Schwesterblog.

Sürströmming Dose Schweden
(Diese Dose wartet bereits auf Sie :)

Nachtrag: Achtung bei Surströmming-Essen in Deutschland!

Speziell für meinen Mitleser Thomas :)
In der Tat hat das Thema Surströmming sogar schon einmal Gerichte in Deutschland beschäftigt. Konkret ging es dabei um die ausserordentliche und fristlose Kündigung eines Mitverhältnisses. Vor dem unsachgemässen Genuss von Surströmming muss daher unbedingt gewarnt werden (jedenfalls, wenn man zur Miete wohnt).
Konkret:
Gericht: LG Köln
Entscheidungsdatum: 12.01.1984
Aktenzeichen: 1 S 171/83
Norm: § 564b BGB (a.F.)

Zur Kündigung des Mietverhältnisses wegen Vertragsverletzung

Orientierungssatz:

Die Kündigung wegen nicht unerheblicher Vertragsverletzung ist begründet, wenn der Mieter, um einen Wohnungsnachbarn zu ärgern, außerhalb seiner Wohnung auf dem Hausgrundstück und im Wohnhaus ein übelriechendes flüssiges Lebensmittel verspritzt.

Auszug aus den Entscheidungsgründen:

"Zu Recht hat das AG die Beklagten als Gesamtschuldner zur Räumung der Wohnung verurteilt. Die Klägerin hat einen Anspruch auf Herausgabe der Wohnung gegen die Beklagten aus § 556 Abs. 1 BGB, da das Mietverhältnis zwischen den Parteien durch die in der Klageschrift vom 4.8.1982 enthaltene ordentliche Kündigung nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist beendet worden ist. Die Klägerin war zur Kündigung nach § 564b Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 BGB berechtigt, weil die Beklagten ihre vertraglichen Verpflichtungen dadurch schuldhaft nicht unerheblich verletzt haben, daß sie vorsätzlich die Brühe eines mit Hefe eingelegten Herings "Surströmming" verspritzt haben, und zwar am Heiligen Abend und am 1. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1981 im Treppenhaus, auf der Treppe und auf dem Treppengeländer sowie auf der Kokosmatte vor der Wohnungstür des Zeugen sowie erneut am 26.6.1982 auf dem Rand des Balkons des Zeugen und auf den Büschen und Sträuchern des Gartens, nachdem sie zuvor von der Klägerin deswegen abgemahnt worden waren. Daß die Fischpökelbrühe von der Beklagten zu 1) verspritzt bzw. verschüttet worden ist, ist durch die Bekundungen der Zeugen bewiesen.

Die Kammer ist auch auf Grund der erneuten Vernehmung der Zeugen davon überzeugt, daß die Beklagte vorsätzlich die übelriechende Pökelbrühe verspritzt hat, um die Nachbarn zu ärgern. Der Zeuge hat bei seiner Vernehmung vor der Kammer glaubhaft bekundet, daß die Beklagte zu 1) am Heiligen Abend 1981, als sie von ihm auf die übelriechenden Flecken angesprochen wurde, erklärte, sie sei froh, jetzt etwas gefunden zu haben, womit sie die Mitbewohner ärgern könne. Daß der üble Geruch der Fischpökelbrühe das für die Mitbewohner des Hauses zumutbare Maß bei weitem übersteigt, davon hat sich die Kammer selbst überzeugt, als die Beklagten im Termin vom 15.9.1983 eine Büchse "Surströmming" im Sitzungssaal öffneten."

Sürströmmings-Fest...

Heute war wieder Surströmming angesagt: Eine schwedische Fischdelikatesse

Für das Sürströmming werden kleine Ostsee-Heringe ohne Kopf in Holzfässern eingesalzen und vergoren. Danach werden die Heringe in Konservendosen abgefüllt. Dort findet dann nochmals eine Nachgärung statt.




Wenn sich diese Kondervendosen dann - etwa ein halbes Jahr später - aufgrund des entstehenden Gasdruckes beginnen auszubeulen – werden sie traditionell ab dem dritten Donnerstag im August verkauft. Beim Öffnen der Dosen - am besten im Freien (!) - ist Vorsicht angesagt.




Die Zubereitung auf dem Teller ist dann wie folgt: Einige Heringe werden fachmännisch zerlegt - was durchaus eine Kunst ist - und auf mit Butter bestrichenes, hartes oder weiches Tunnbröd gelegt. Als Unterlage dienen zerdrückte weichgekochte Mandelpotatis, gehackte rohe Zwiebeln und saure Sahne (unbeding zu empfehlen für einen milderen Geschmack). Als weitere Beilage werden oft Tomaten verwendet.



Delikat ist der bei diesem Essen entstehende Duft. Beim ersten Verzehr wird das Gericht häufig als gewöhnungsbedürftig empfunden. Nach einiger Zeit erkennt man aber den ganz besonderen Genuss.

Die Pilzernte trocknet...

Obwohl der Sommer mit relativ viel Regen gesegnet war, war die Pilzernte nicht schlecht. Nun wird auf vielen ausgespannten Sieben getrocknet. Wie das duftet!