Die Propaganda zur Europawahl

Eigentlich kommentieren wir aus Schweden die Innenpolitik anderer Länder (lies: Deutschland) nicht, aber zur aktuell in Deutschland laufenden Propagandakampagne sei doch etwas angemerkt.

Es ist so beruhigend, dass diese Wahl anscheinend - im Gegensatz zu anderen jüngsten Wahlen und Abstimmungen in der grossen weiten Welt - nicht von angeblichen russischen Trollen beeinflusst zu sein scheint.

Das waren die guten Nachrichten. Hoffentlich.

Die gestrige Aktuelle Kamera, sorry es war die Tagesschau, hat uns jedoch gelehrt:

Wahlpropaganda und Parteinahme der untersten Schublade wird jetzt von bezahlten YouTubern (sog. „Influencern“) gemacht und durch die - eigentlich zur Objektivität und Neutralität verpflichteten und aus Steuermitteln finanzierten - öffentlich-rechtlichen Medienanstalten publikumswiksam zur besten Sendezeit kostenlos verbreitet.

Wow!

Es ist unter den besagten Videos der Influencer nicht einmal das gesetzlich vorgeschriebenes Impressum und auch keine ladungsfähige Anschrift angegeben.

Ach! Dafür finden wir unter "Kontaktdaten" des besagten Propagandafilmchens die Firma tubeone.com (kein Link, denn denen möchten wir keinen Traffic bescheren). Bezahlte Kampagnen und Sponsoring. Gekaufte Werbung. Gekaufte Propaganda.

Wie meinte doch Herr Schäuble am 19. Mai dieses Jahres?

Es geht also um ein bezahltes Werbevideo, das da von den Medien verteilt wird (warum kommt mir da ausgerechnet das englische Zitat „When the shit hits the fan“ in den Sinn?).

Wenn die Oma um die Ecke ein Video zu ihrem legendären Napfkuchen macht und auf YouTube hochlädt, dann darf sie keinen Elektrolux-Küchenquirl zeigen. Das wäre nämlich verbotene Werbung. Bei einem bezahlten Propagandavideo ist das nicht so wichtig, wie bei der Oma Erna. Manche sind eben gleicher als andere.

Komisch auch, dass dies von all den vermeintlichen Faktencheckern und investigativen Journalisten nicht aufgegriffen wird. Sind drei Mausklicks denn schon zuviel verlangt auf der Suche nach den Hintergründen (lies: Wahrheit)?

Übrigens: Wer sich wirklich die Zeit nehmen, und besagtes Video bis ans Ende anschauen würde, der kann hören:

Zuerst wird die FDP extrem schlecht geredet, danach:
... wählt nicht die SPD,
... wählt nicht die CDU
... wählt nicht die CSU
... schon gar nicht die AfD
[...] wir können sowieso gar nichts ändern [...]

[...] Grüne und Linke sind eine Option [...]

Ende des Zwischenrufes.

Aber es soll ja noch einige Mitmenschen mit Medienkompetenz geben. Hoffentlich. Quo vadis Europa?

Gehabt Euch wohl.

PS 1: Bei uns in Schweden ist das alles ganz anders. Unser Ministerpräsident fährt extra nach Berlin um dort eine europäische deutsche Bratwurst zu essen. Seht selbst:



PS 2: Geht wählen! Bitte!