Fotografie: Trendumkehr? Da ändert sich was!

Seit mittlerweile vielen Jahren ist der allgemeine Trend zur mobile Fotografie ein Faktum (siehe dazu bereits z.B. hier und hier).

Die Sachlage ist mittlerweile so zementiert, dass nicht einmal Google mehr eine zeitlich aktuelle Antwort auf die Frage ”how many pictures are taken with smartphones” geben kann.

Die letzten gelisteten Artikel dazu tragen ein Datum aus dem Jahr 2017 und berichten, dass 2017 ungefähr 1,2 Billionen (Erinnerung: eine Billion sind 1000 Milliarden und damit eine Zahl gefolgt von 12 Nullen) digitale Bilder aufgenommen worden sind. Das ergibt im Durchschnitt 160 Bilder pro Erdenbürger. Eigentlich unvorstellbar. Wobei, wenn ich mir Menschen beim Selfies machen beobachte, durchaus nachvollziehbar. Egal, zurück zum Thema.

Schreibt man den Trend der letzten Jahre (also den zur Fotografie, nicht den zu den Selfies) mal nur vorsichtig linear weiter, dürften wir dieses Jahr bei ca. 2 Trillionen (wahrscheinlich mehr) landen. Für 2017 sollen 85% davon mit Smartphones aufgenommen worden sein. Schreibt man auch diesen Trend weiter (Entwicklung deutlich über linear) liegen wir 2019 wahrscheinlich zwischen 95 und 98%.

Nochmal zur Erinnerung. Die vergangenen Jahre haben wir das Fotografieren mit dem Smartphone angepriesen, weil Smartphones ultrakompakt und deswegen immer dabei sind. Das Smartphone soll das unauffällige Fotografieren ermöglichen. Und da ja im Prinzip alle Menschen schon ein Smartphone besitzen, muss kein zusätzliches Geld für eine Kamera ausgeben werden.

Klang und klingt irgendwie alles plausibel. Mich hat der Gedanke der Unauffälligkeit immer fasziniert; einfach im Strom der Menschen mitschwimmen und die Umwelt mit dem Smartphone unauffällig ablichten. Das haben auch viele Fotografenkollegen aus der Street-Photoghraphy Ecke so bestätigt.

Allerdings: Der Trend hat sich gewandelt. Seit diesem Jahr nehme ich zunehmend war, dass sich Menschen nicht mehr so gerne mit Smartphones fotografieren lassen. Darüber hatten wir kürzlich auch schon einmal hier im Zusammenhang mit der Berichterstattung von einer Sportveranstaltung berichtet.

Der Lackmustest war einfach und tatsächlich: Mit einer ”klassischen” Kamera (also einer, die nach ”richtiger Kamera” aussieht) um den Hals oder in der Hand lassen sich Menschen mittlerweile viel bereitwilliger fotografieren.

Die spannende Frage wäre, woran das liegen könnte? Gesteigertes Bewusstsein für Datenschutz infolge des Inkrafttretens der GDPR / DSGVO? Individuell gefühlte grössere Bedeutung / Wichtigkeit, weil mich da jemand mit einer ”richtigen” Kamera ablichtet? Viele Gründe sind denkbar und ich habe bislang noch keine Diskussion zum Fragenkreis gefunden. Was sind Eure Gedanken dazu?

Das Ur-Iphone
Wie es alles begann: Das Ur-Iphone