Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Entrümpelung im Kompaktkamera-Archiv bei einem verspäteten Frühjahrsputz (in Lappland sind die Jahreszeiten bekanntlich nach hinten verschoben). Da lagen also 13 Kompaktkameras aus den letzten fünf Jahren vor uns auf dem Tisch. Nummer 14 (eine Canon IXUS 950IS) fehlt, weil wir sie im vergangenen Jahr separat verschrottet haben.

Zuerst das Rätsel: Zwei davon funktionieren noch einwandfrei. Die Preisfrage ist, welche?

Kompaktkameras haben es bei uns im Haushalt zugegebenermassen nicht leicht. Sie begleiten uns immer und überall hin (auch wenn die grosse Ausrüstung im Einsatz ist). Oft geht es bei Wind, Wetter und tiefsten Temperaturen auf abenteuerliche Touren. Ein realistischer Dauertest sozusagen. 

Also liebe Kamerahersteller: Wenn Ihr unter harten realistischen Einsatzbedingungen testen wollt, nehmt bitte Kontakt mit uns auf!

Zurück zum Thema: Der traurige Befund ist nun, dass 12 von 14 in den vergangenen fünf Jahren von uns eingesetzten Kompaktkameras überhaupt nicht mehr, oder nur noch mangelhaft funktionieren.  

Die Ausfallrate und die Ausfallzeitpunkte sind allerdings manchmal sehr merkwürdig. Manche Kameras verabschieden sich nach relativ kurzer Zeit mit merkwürdigen Fehlermeldungen. In den kleinen Gehäusen steckt jede Menge Elektronik und Ausreisser kann es bekanntlich immer einmal geben. Deswegen habe ich alle Modelle mit den jeweiligen Fehlern auch gegoogelt und bin bei fast allen fündig geworden.  

Generalisiert würde ich sagen: Je neuer die Kamera, desto kürzer die Lebensdauer. Und das macht natürlich stutzig, denn eigentlich sollten Elektronik und Mechanik immer besser und zuverlässiger werden.

Mich beschleicht der Verdacht, dass bei manchen Produkten die sogenannte "geplante Obsoleszenz" im Spiel sein könnte. Um was geht es dabei? 

Wikipedia definiert das so: "Gemeint ist ... ein Teil einer Produktstrategie, bei der schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann."


So etwas scheint bei vielen Produkten - gerade in der Unterhaltungselektronik - heute üblich zu sein (und ist auch in verschiedenen Medien immer öfter nachzulesen), wie zum Beispiel hier.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann einfach zum Begriff "Geplante Obsoleszenz" sich im Netz auf die Suche machen und sich dann wundern. Allen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, sei das Portal „MURKS? NEIN DANKE!“ empfohlen.

Wie sieht es konkret mit unseren Verschrottungskandidaten aus?

Eine Nikon L12 (gekauft 2007) hat das laut Suchergebnissen normale Stromversorgungsproblem. Neue Batterien oder Akkus? Beim Einschalten zeigt das Display "Akkukapazität erschöpft" und die Kamera schaltet sich wieder ab. Das gleiche Verhalten legt eine Pentax Optio WP an den Tag.

Eine Casio EX-V7 (die wir ansonsten sehr geschätzt haben) zeigt den laut Suchergebnissen sehr häufigen "Objektivfehler 2" und ist dadurch unbrauchbar.

Eine Sigma DP1 und eine Leica D-Lux 2 haben so grosse Staubpartikel im Objektiv, dass die Flecken praktisch nicht mehr zu retuschieren sind. Bereits beim Kauf waren jeweils mehrere winzige wie Sensorflecken aussehende Spots vorhanden. Mein Verdacht geht dahin, dass es sich um Abrieb aus der Objektivmechanik handelt.

Bei der Leica C-Lux 2 muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass sie einen schweren Sturz eingesteckt hat, bevor sich die äusseren Verschlusslamellen nicht mehr schlossen.

Relativ gut geschlagen haben sich die Canons: Die digitale Ur-IXUS (die immerhin 2,1 Megapixel liefert) funktioniert noch wie eh und je. Natürlich sind die Bilder im Prinzip für nichts mehr zu brauchen.

Eine Powershot A40 mochte nach einigen Jahren keine Energie mehr zu sich nehmen. Egal ob neue Akkus oder Batterien: Sie erwachte nicht mehr zum Leben.

Eine IXUS 950IS hat sich mit geschätzten 15.000 Auslösungen in drei Jahren tapfer geschlagen, bis die Objektivmechanik versagt hat.  

Viel schlechter hat eine IXUS 100IS abgeschnitten. Sie versagte bereits nach ca. 6 Monaten mit defekter Objektivmechanik.

Die Canon S95 funktioniert nach ca. 6 Monaten bislang noch einwandfrei.

Die beiden noch einwandfrei funktionierenden Modelle aus dem Konvolut kommen also beide aus dem Hause Canon.

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Geheimtipp: Den härtesten Belastungen sind die Kameras dann ausgesetzt, wenn sie in die Hände von Frau Lapplandblog geraten. Die Sterblichkeitsrate in diesem Falle ist statistisch deutlich erhöht. Frau Lapplandblog hat übrigens auch das schöne Kamera-Stilleben dekoriert. 





blog comments powered by Disqus