Kollateralschäden - Windkraft in Lappland

Der Begriff Kollateralschaden bezeichnet in der räumlichen Umgebung eines Ziels entstehende an sich unbeabsichtigte oder eventuell „in Kauf genommene“ Schäden aller Art.


Kollateralschäden sind mittlerweile ein gängiges Phänomen im Bereich der Kriegsführung und bei kapitalistischen Wirtschaftssystemen. Wir widmen uns heute dem letztgenannten Bereich.

Im Rahmen von auf Gewinnoptimierung angelegten Systemen werden Kosten gerne „sozialisiert“ (d. h. auf die Allgemeinheit umgelegt, z. B. durch Steuern) oder es werden Rohstoffe und/oder andere benötigte Zutaten aus der nicht einzelnen Subjekten eigentumsrechtlich zugeordneten Natur entnommen.

Im Klartext: Chemiemüll und Plastik werden z. B. einfach in die Ozeane gekippt. Kostet erst einmal nichts. Die langfristige Katastrophe kratzt die Konzerne nicht. Wenn die entstehenden Probleme sich später einmal zum Risiko für die Allgemeinheit entwickeln, dann wird schon irgendein Staatswesen auf Kosten der Steuerzahler - die bekanntlich hauptsächlich aus Beziehern kleinerer und mittlerer Einkünfte bestehen - einspringen.

In den Medien wird der Kausalzusammenhang selten problematisiert. Über die Katastrophen wird gerne und ausgiebig berichtet. Dass es sich um systemimmanente Probleme handelt, und was gegen die Ursache der Probleme eigentlich zu tun wäre, das ist ein Tabu in den Medien.

Jetzt aber zur Windkraft. Die Windmühlen schiessen in Lappland überall aus dem Boden. Europas grösster Windpark wird gerade in der Piteå kommun gebaut (1100 Windkraftwerke). Auch an zahlreichen anderen Orten in Lappland entstehen rekordverdächtige Anlagen.

Der Wind, ja der kommt ja aus der Natur. Der produzierte Strom, ja der wird in Schweden gar nicht gebraucht, sondern wird in das übrige Europa exportiert.

Die Kolleteralschäden, ja die gibt es auch zuhauf. Nur schauen fast alle (insbesondere die etablierten Medien) geflissentlich weg. Die Gunst der Lokalbevölkerung wurde über grosszügige Pachtverträge und Zuwendungen erkauft. Und die „öffentliche Meinung“ in den Medien ist generell jedem Wahnsinn geneigt, insofern er auch nur im Entferntesten nach Arbeitsplätzen riecht.

Die Rentiere der samischen Rentierzüchter leiden unter der Windkraft, die Jagdgebiete veröden und Wildtiere zahlen die Rechnung.

Frau Lapplandblog und ich begleiten mehrere Windparks in unsere Nähe seit über 10 Jahren (siehe z. B. hier und hier). Und gerade vergangene Woche haben wir wieder so einen abgrundtief traurigen Fund gemacht. Am Fusse eines Windkraftwerkes lag ein „geschredderter“ Specht. Eine Anklage gegen die Gier der Menschen und gegen das Totalversagen allen Naturschutzes.

Nebenbei bemerkt: Im Zuge der Diskussionen über „klimafreundliche“ Energiegewinnung widmet sich - soweit ersichtlich - Niemand der Gesamtökobilanz von Windparks. Mengen von dieselgetriebenen Baumaschinen sind im Einsatz; grossflächige Rodungen geschehen; grossflächige Wegenetze werden gebaut; Tausende Tonnen von Stahl und Beton werden versenkt (siehe hier); die Fundamente - wie auch die ganzen Windkraftanlagen müssen nach den Verträgen nach dem Ablauf der Laufzeit in der Regel nicht rückgebaut werden; alle benötigten Teile und die Windkraftanlagen werden mit dieselbetriebenen LKWs aus halb Europa nach Lappland gekarrt; die Liste liesse sich noch lange fortsetzen.

Rechnet man alle Faktoren ein, sind die Windparks alles, nur nicht umweltfreundlich. Der Specht kann leider nichts mehr dazu sagen…

Kollateralschäden - Windkraft in Lappland
Kollateralschaden der Windkraft in Lappland