Kulturelle Veränderungen 3

Ein Nachtrag zu Teil 2.

Vergangene Woche war ich auf einem gesellschaftlichen Event zu Gast. Da der Rahmen (so ein „Incentive“ auf Neudeutsch) ganz interessant war, konnte ich mir einige Bilder nicht verkneifen. Liegt mit halt im Blut. Bilder ohne grosse DSLR, sondern nur mit einer schlichten Kompaktkamera, die immer in der Jackentasche mitreist. Ich habe da also einige Portraits geschossen und anschliessend den jeweils Portraitierten per Mail zukommen lassen. Man ist ja ein netter Mensch ;)

Heute, d.h. eine Woche später, spricht mich einer der portraitierten Empfänger an. Er bedankte sich sehr und meinte, das sei seit langem das Bild mit der grössten Schärfe und Detailgetreue, das er gesehen haben.

Mal davon abgesehen, dass das in fotografischen Kreisen (zu denen mein Gegenüber aber nicht gehört) ein vernichtendes Urteil wäre (Stichwort: ein wirklich scharfes Bild), ist die Aussage sehr bezeichnend. Die Krönung war dann die Frage, mit was für einem Handy ich denn das Bild aufgenommen hätte.

Womit wir wieder bei der Bildwahrnehmung angekommen wären. Für Otto-Normalverbraucher werden Bilder nur noch mit Mobiltelefonen gemacht. Manchen fällt der Qualitätsunterschied zur richtigen Kamera immerhin noch auf.

Auf meinen Hinweis, dass das Bild mit einer „richtigen“ Kamera gemacht worden ist, in die der Portraitierte auch direkt hinein geschaut habe, habe ich nur einen verwunderten Gesichtsausdruck geerntet. Was mich zur Frage führt, wie genau Mitmenschen eigentlich Ihre Umwelt beobachten. Also mir fällt es normalerweise auf, wenn jemand eine Kamera in meine Richtung richtet.

Die Zeiten ändern sich.