Renovierungsbedürftig? - Tipps zum Immobilienkauf in Schweden / Lappland

Heute einige Worte und Tipps zu einem Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt. In den zurückliegenden Jahren haben haben wir viele Auswanderer kennen gelernt, die sich in Schweden (insbesondere hier in Lappland) niedergelassen haben. Beinahe alle haben eine Immobilie hier erworben. Sehr viele haben dabei - aus verschiedenen Gründen - heftige Bauchlandungen erlebt. Gerade in der vergangenen Woche habe ich wieder eine so haarsträubende Geschichte gehört, dass ich nun ein paar Zeilen zum Thema schreibe (und mir damit bestimmt nicht nur Freunde mache - aber es muss gesagt und geschrieben werden). Weitere Infos und Tipps zum Auswandern mit Plan gibt es übrigens in unserem Anfang 2011 erscheinenden Buch „Auswandern mit Plan“.

Worauf sollten Sie also achten, beim Immobilienkauf in Schweden (insb. Norrland / Lappland):

1. Nehmen Sie sich Zeit. Treffen Sie NIEMALS impulsive Schnellentscheidungen! 

2. Recherchieren Sie ausführlich über Ihr Zielgebiet und tragen Sie so viele Informationen wie möglich zusammen. Im Web finden Sie eine beinahe unendliche Informationsfülle. 

Bewerten Sie alle Informationen nüchtern: Eine "bezaubernde Alleinlage im Wald" kann bei minus 25 Grad im tiefsten Winter zum Horrortrip werden, wenn Sie Ihren Weg dorthin selbst räumen müssen. Denken Sie an alle Aspekte und auch daran, dass Sie einmal älter werden könnten.

3. Planen Sie eine Reise in Ihr Zielgebiet und besichtigen Sie alle Objekte selbst. Setzen Sie sich niemals selbst unter Druck! Denken Sie bitte an die unterschiedlichen Jahreszeiten. Bei einer Schneehöhe von eineinhalb Metern sieht alles ganz anders aus, als im Sommer.

Soweit Sie der Sprache nicht hinreichend mächtig sind, nehmen Sie eine(n) einheimischen Sprachkundigen mit. Das sollte kein Beauftragter oder Mitarbeiter eines Maklerbüros sein. 

Fragen Sie dann vor Ort intensiv bei ortsansässigen Organisationen und Einheimischen nach. Ansprechpartner können z.B. sein: Die Gemeindeverwaltung (kommune) und ortsansässige Handwerker. Auch die ortsansässigen Banken sind wichtige Ansprechpartner und haben meist sehr gute Informationen und eine gute Übersicht über den lokalen Immobilienmarkt. Vergessen Sie nicht, die (potentiellen neuen) Nachbarn zu fragen. Die wissen nämlich in aller Regel interessante Details. Vergessen Sie auch nicht, sich nach der grossflächigen Planung zu erkundigen (z.B. die Frage, ob in der Nachbarschaft ein Windpark entstehen soll, oder ob Mineralrechte vergeben wurden (Grubenausbau), usw.).

Und bitte vergessen Sie - besonders, wenn Sie von Nicht-Schweden kaufen - nicht zu fragen, warum das Objekt verkauft wird.

4. Lassen Sie Ihr Traumhaus von einem ortsansässigen Fachmann begutachten. Gerade im Inland sind die Häuser völlig anders als in Kerneuropa gebaut. Oft stammen die Häuser aus einer Zeit, in der es noch keine richtigen Bauvorschriften gab. Es handelt sich in der Regel um Holzhäuser. Diese sind mit häufig von Problemen geplagt und mit Mängeln behaftet, die in Kerneuropa in dieser Form unbekannt sind (z.B. häufig ausgeprägte Schimmelprobleme ("Mögel"), die zu Gesundheitsgefährdungen und erheblichem Beseitigungsaufwand führen). Über ortsansässige Bausachverständige kann Ihnen meistens das Bauamt auf der jeweiligen Gemeinde einen Tipp geben. Auch Banken sind hier wieder gute Informationsquellen. Beachten Sie das nicht, kann der Traum sehr schnell zum Albtraum werden. 

5. Vergleichen Sie die Preise mit denen auf dem innerschwedischen Markt. Makler, die auf Auswanderer spezialisiert sind, vermitteln oft Objekte zu völlig überhöhten Preisen. Mehrfach habe ich von 5 bis 10-fach überhöhten Preisen gehört.

Für Ihre Marktrecherchen bieten sich die innerschwedischen Plattformen an. Die wichtigsten Links zur Immobiliensuche auf dem schwedischen Markt sind:

www.blocket.se und www.hemnet.se

6. Der Immobilienkauf geht einfach und schlicht vonstatten. Es gibt keine zwingende notarielle Beurkundung. Es genügt eine Vereinbarung auf dem sprichwörtlichen "Butterbrotpapier". Seien Sie bitte auch hier sehr zurückhaltend und vorsichtig. Wenn Sie sprachlich nicht verstehen, was Sie unterschreiben, dann unterschreiben Sie bitte nicht. Holen Sie Expertenrat ein. Auch hier sind die ortsansässigen Banken oft eine wertvolle Hilfe. Über die Bank bekommen Sie z.B. schnell und unkompliziert Grundbuchauskünfte und Hinweise zu eventuellen Belastungen.

7. Zu guter Letzt: Wir wünschen Ihnen für Ihr Auswanderungs- oder Immobilienprojekt von Herzen alles Gute. Planen Sie, denken Sie und handeln Sie bitte wohlüberlegt!

Nachtrag: Einen weiteren Tipp zu Schneelast und Dachlawinen finden Sie hier.

Renovierungsbedürftig / In need of some repair
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