Von der Flucht in die Bäume




Auerhahn - Von der Flucht in die Bäume


Die erste eisige Kältewelle hat uns im Griff. Das Aussenthermometer zeigt minus 27 Grad. Das Holz im Ofen knistert. Drinnen sind es behagliche Plus 24 Grad Celsius.

Differenz: 51 Grad!

Kein Rekordwert, aber ganz ordentlich.

Was mich bei diesen Temperaturverhältnissen immer fasziniert ist ein Paradoxon: Draussen hat es minus 27; mit jeder Menge Energie heizen wir im Haus auf behagliche Temperaturen um sodann die Tiefkühltruhe wieder auf minus 18 (also 9 Grad wärmer als draussen) zu kühlen: Potemkinsche Dörfer... Energievernichtung pur. Komische Welt; aber die Verbraucher sollen eben viel Energie verbrauchen (aber bitte klimaneutral um das konsumistische Gewissen nicht allzu sehr einzutrüben).

Im Dorf ist es still und auch auf der Strasse fahren so gut wie keine Autos. Kein Wunder, denn wer kann, bleibt zu Hause in der Nähe des Ofens.

Kältefronten stellen auch die Tierwelt vor grosse Herausforderungen. Streunende Rentiere graben verzweifelt im Schnee nach essbaren Flechten und Auerhähne bekommen kalte Füsse. Vermutlich deswegen hat sich dieses gestern gesichtete Prachtexemplar nach oben verzogen. Im Baumwipfel muss es ganz angenehm gewesen sein, denn er sass dort beharrlich und war auch durch hektisch umherlaufende Fotografen nicht zu vertreiben.

Ja und in ein paar Tagen ist auch schon wieder Weihnachten und der Jahreswechsel ist auch zum Greifen nahe. Was uns dieses Jahr ganz deutlich auffällt:

Weihnachtsstimmung will dieses Jahr so gar nicht aufkommen.

Sogar das hektische Treiben im Geschäftsleben, das hier in Schweden - gut angeheizt von der Werbung - normalerweise Mitte November einsetzt , ist dieses Jahr äusserst gedämpft. Die Werbung wird zwar immer mehr, aber irgendwie scheint sie zu verpuffen.

Der Schwede geht in der dunklen Jahreszeit nur mit - meist gelben - Signalwesten auf die Strasse, aber von Protesten auf der Strasse ist in Lappland rein gar nicht zu spüren.

Dennoch liegt momentan irgend etwas in der Luft. Nur was?

Soeben bin ich plötzlich ins Jahresendposting hinein gerutscht.

Hach... jetzt möchte ich aber nicht allzu philosophisch werden. Ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr erhellt Höhen und Tiefen.

Die Zukunft? Ja, die liegt hinter dem Winter.

In diesem Sinne allen meinen Leserinnen und Lesern ein frohes, geruhsames und beschauliches Weihnachten und einen guten Start in das neue Jahr.

Wir lesen uns.