Das Treehotel in Harads / Lappland

Draussen im Wald

Ins Gespräch mit Kollegen vertieft stoppt der Kleinbus plötzlich. Scheinbar mitten auf der Strecke. Eine eigentlich unspektakuläre Stelle. Dabei sind wir gerade am Ziel unserer Reise angekommen, in Harads. Es dauert einige Augenblicke, bis wir das Schild am Strassenrand sehen: “Treehotel” steht dort.

Treehotel Schild und Logo
- Angekommen: Dieses Schild begrüsst Besucher und Gäste -


Der kleine Ort Harads liegt ca. 85 Km von Luleå entfernt an der Bezirksstrasse 97 nach Jokkmokk. Harads ist mittlerweile weltberühmt, denn dort befindet sich das Treehotel.

Schwer zu beschreiben, was das Treehotel alles ist. Eine neue touristische Anlaufstelle in Lappland, die sehr ungewöhnlich ist. Ein Mekka für Architekten und Designer. Ein idealer Platz um in Brittas Pension richtig rusikal-deftige “Husmanskost” zu essen. Und vieles mehr.

Aber der Reihe nach und zurück zum Zielpunkt unserer Reise. Seit einigen Monaten schon stand das Treehotel ganz oben auf unserer Reise-Wunschliste. Und das aus verschiedenen Gründen. Wir wollten uns unbedingt einen eigenen Eindruck von dieser Location und dem Mythos, der sich beginnt um sie aufzubauen, verschaffen.


Die Geschichte hinter dem Treehotel

Inspiriert durch den Film “Trädälskaren” (Der Baumliebhaber) von Jonas Selberg Augustsen wuchs die Idee zum etwas anderen Hotel heran. Im Film geht es um drei Männer, die dem hektischen Stadtleben entfliehen, um in Harads ein Baumhaus zu bauen; wo sie dann über die grossen Fragen des Lebens philosophieren. Britta, das Masterbrain hinter dem Treehotel, kam nach dem Abschluss der Dreharbeiten für den Film auf die Idee nach dem Verbleib der Baumhütte zu forschen und fand diese schliesslich. Allerdings lag diese sehr entlegen und ziemlich hoch; zudem völlig schlicht gehalten nur über Strickleiter zu erreichen. Für Tourismus denkbar ungeeignet.

Aber just da begann die Idee zu reifen, Baumhäuser für den Tourismus zu bauen. Aber nicht einfach irgendwelche Baumhäuser, sondern Desgin-Kunstwerke.


An erster Stelle steht der Baum

Trotz allen Designs - und hier über schwedisches Design zu berichten hiesse, Eulen nach Athen zu tragen - dreht sich alles um den Baum. Will sagen, die Natur- und Umweltfreundlichkeit stehen an erster Stelle. Das beginnt damit, dass der Wald, in dem sich das Treehotel befindet, eigentlich hätte abgeholzt werden sollen. Das Treehotel hat also zunächst einmal einige Hektar wunderbaren Mischwald erhalten. Aber auch beim Bau haben sich Architekten, Planer und Handwerker erfolgreich der Herausforderung gestellt, so umweltverträglich zu bauen, wie irgend möglich. Kein einziger Baum wurde angebohrt oder verletzt. Die Baumhütten sind vielmehr mit einer Art speziell konstruierter “Schlauchbinder” schonend montiert und die Hütten wachsen dadurch mit den Bäumen nach oben. Für Wasser und Abwasser wurden innovative Lösungen entwickelt, sollten doch keine Wasser- oder Abwasserleitungen stören. Für die Wasserversorgung sorgt eine speziell entwickelte Pumpe und das Abwasser und die Fäkalien aus der Toilette werden in einem Spezialverfahren in den Hütten zu Staub “eingeäschert”.

Treehotel innovative Befestigungstechnik
- Schonende Technik für den Baum -

Die ersten Architekten waren schnell von der Idee begeistert und Britta berichtet uns, dass Architekten aus vielen Ländern mittlerweile Schlange stehen um eine der geplanten weiteren Baumhütten planen zu dürfen. Die derzeitigen Planungen umfassen insgesamt bis zu 25 Hütten. Für den Bau wurde übrigens hauptsächlich auf kleine ortsansässige Firmen zurück gegriffen, da diese sich mit den verwendeten Materialien am besten auskennen.


Ein Rundgang


Der Rundgang beginnt mit einer kleinen Präsentation der Geschichte des Treehotels. Von Brittas Pension aus - dazu später mehr - geht es auf einem kleinen Fusspfad in den nahe gelegenen Wald. Nach einigen Minuten ist das erste Ziel erreicht.

Als die erste Baumhütte - sie hört auf den Namen “The Cabin” - in Sicht kommt, geht ein erstauntes Raunen durch unsere kleine Gruppe. Faszinierend, was wir dort zu sehen bekommen. Und die Faszination wächst mit jedem Detail nur weiter.

Treehotel The Cabin
- Ohne Worte: The Cabin schwebt in luftiger Höhe - -

Von der Cabin geht es über das Vogelnest („The Bird’s Nest“) zur wohl bekanntesten Hütte, dem Glaswürfel (“The Microcube”). Nebenan liegt “The Blue Cone”, die in Wahrheit die Farbe rot trägt. Auf dem Weg werfen wir auch einen Blick auf die kurz vor Einweihung stehende Baumsauna (“The Tree Sauna”).

Treehotel The Bird's Nest
- The Bird’s Nest -


Treehotel The Microcube
- The Microcube -

Insbesondere im Glaswürfel, der um einen Baum herum gelegt ist, ohne diesen zu beschädigen - ein handwerkliches Meisterstück - sind die durch den Wind hervorgerufenen Schwingungen zu spüren. Das strahlt eine angenehme und eigentümliche Harmonie aus.

Treehotel The Blue Cone
- The Blue Cone -

Kunst ist bekanntlich Geschmackssache und es mag Besucher geben, denen sich die Faszination nicht erschliesst. Das dürfte aber eher selten der Fall sein.


Eindrücke

Es ist herausfordernd das Phänomen in angemessene Worte zu fassen. Die geniale Schlichtheit der Idee in Verbindung mit der harmonischen Einbettung der prägnanten Designs in die natürliche Welt des intakten Waldes ist schlicht beeindruckend.

Treehotel The Microcube
- Durch Verspiegelung kaum zu erkennen und harmonisch eingebettet -

Auch die Umsetzung ist faszinierend. Schwedisch-pragmatisch, aber bis in liebevolle Detail und designmässig vom Feinsten. Obwohl sich die internationalen Medienvertreter mittlerweile die Türklinke in die Hand geben, ist das Geschehen rund ums das Treehotel von ansteckend sympathischer schwedischer Bescheidenheit und Offenheit geprägt. Auch wenn hinter der Firma mehrere Inhaber stehen, ist das Treehotel in der Praxis doch mehr ein Familienbetrieb. Britta kümmert sich zusammen mit Mann und Tochter - die im Hauptberuf übrigens Stuntman ist - um das Tagesgeschäft.

Treehotel Detail
- Alle Details passen zum Thema Baum -


Das Unternehmen - echte Entreprenöre

Der unternehmerische Geist ist aus Brittas Pension gewachsen. Ein charmantes kleines Restaurant mit einigen Gästezimmern, das konsequent im Stil der 30er bis 50er Jahre gehalten ist. Selbst wenn es das Treehotel nicht gäbe, wäre alleine Brittas Pension, in der die anreisenden Besuchergruppen vortrefflich bewirtet werden, einen Besuch wert.

Flexibilität und Innovation sind die treibenden Kräfte, die den entstehenden Mythos von der Idee in die Wirklichkeit befördert haben. Die Geschichte ist zugleich auch ein Lehrstück für Entreprenörskap.

In der kreativen Tourismusentwicklung in Lappland tut sich derzeit übrigens einiges. Neue Ideen und Konzepte sind gerfagt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dem Treehotel ein “Fly-Hotel” und ein “Unterwasserhotel” (in Luleå bereits in Planung) folgen werden.


Wohnen im Treehotel

Die Gästekapazitäten sind beschränkt und das wird auch mittelfristig so bleiben. Um die 400 Euro sind pro Person und Übernachtung fällig. Derzeit liegt der Schwerpunkt des Geschäftsmodells eher noch auf den Besuchergruppen. Drei der Baumhütten sind aber bereits buchbar.

Treehotel Eingang zum Microcube
- Der Weg zum Microcube führt über eine Hängeleiter -

Treehotel Eingang The Blue Cone
- Eingang zu The Blue Cone -

Brittas Pension

Angefüllt mit Eindrücken geht es über den Fussweg wieder zurück zu Brittas Pension und bezaubernd guter “Husmanskost”, deftigem nordschwedischen Essen im Stil der 50er Jahre. Beim Mittagessen kreisen die Gedanken und Gespräche. Alle sind sich einig, dass das Konzept des Treehotels ein sehr grosses touristisches Potential in sich birgt.

Treehotel Brittas Pension
- Wo alles begann: Brittas Pension -


Gedanken auf der Heimfahrt

Mit welchen Gefühlen und Gedanken haben wir Harads wieder verlassen?

Fotografisch wäre es eine spannende Herausforderung, einige der Hütten durch die Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu begleiten.

Touristisch sind der kreativen Idee und deren praktischer Umsetzung nur ein grosser und nachhaltiger Erfolg zu wünschen.

Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf unseren nächsten Besuch im Treehotel. Dann hoffentlich mit etwas mehr Zeit und Ruhe.

Weitere Infos und Buchung auf der Homepage des Treehotels unter
http://www.treehotel.se.

Treehotel The Cabin
- Ein Eindruck, der bleibt: The Cabin -

Behind the scenes: Fotografisch eine echte Herausforderung. Wegen unseres leider sehr knappen Zeitrahmens habe ich mich fotografisch minimalistisch auf die kleine digitale Leica beschränkt. Deren Vorteil lag für diesen Einsatz neben der schlichten Robustheit in der relativ weiten Eingangsbrennweite von 28mm (entspr. Kleinbildformat).